bild zur finanzkrise

10. Jahrestag der Finanzkrise – aber kein Grund zum Feiern

Erinnern Sie sich noch an den 15.9.2008 und den 5.10.2008, zwei einschneidende Daten, die die Finanzwelt durcheinanderwirbelten?

Der Auslöser für die Finanzkrise

Am 15.9.2008 meldete das Bankhaus Lehman Brothers, eine der größten US-amerikanischen Investmentbanken, Insolvenz an. Die Regierung der USA unter Präsident George W. Bush beschloss damals, die Bank nicht mit Staatsgeldern zu retten, und so kam es, wie es kommen musste: Heftige Turbulenzen erschütterten die Börsen rund um den Erdball. Der Welthandel brach vorübergehend ein. Die Wirtschaft stürzte in die schwerste Rezession seit dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 1929.

Mit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers kam die schon länger schwelende Bankenkrise als Finanzkrise im Bewusstsein des größten Teils der Bevölkerung weltweit an. Aber es begann schon vorher. Denn am 17.8.2008 war einer der größten Versicherungskonzerne und Finanzdienstleister der Welt, die American International Group (AIG) mit Sitz in New York, noch mit einem 85-Milliarden-Kredit durch die Bush-Administration vor der Pleite bewahrt worden.

Die Rettung der IKB

Auch in Deutschland kam man Banken bereits vorher zu Hilfe. Schon am 29.7.2007 wurde die IKB Deutsche Industriebank AG mit Sitz in Düsseldorf mit einem Rettungspaket in Höhe von 3,5 Milliarden Euro, von dem die staatseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) 70 Prozent und die anderen Banken 30 Prozent trugen, vor einer kurzfristig drohenden Zahlungsunfähigkeit bewahrt. Damit sollte eine mögliche Kettenreaktion auf dem deutschen Bankenmarkt abgewendet werden.

Was aber hat eine biedere Mittelstandsbank überhaupt in einer internationalen Finanzkrise zu suchen? Das fragte sich damals nicht nur der Steuerzahler. Die IKB hatte 2001 begonnen, unter dem Begriff „Portfolioinvestments“ ein neues Geschäftsfeld aufzubauen. Es wurde in längerfristige forderungsbesicherte Wertpapiere wie CDOs und ABS investiert, die in hohem Maße US-amerikanische Immobilienkredite enthielten. Collateralized Debt Obligation (CDO) ist ein Oberbegriff für Finanzinstrumente, die zu der Gruppe der forderungsbesicherten Wertpapiere (englisch Asset Backed Securities = ABS) und strukturierten Kreditprodukte gehören. Die Finanzierung erfolgte revolvierend (= immer wieder verlängerte kurzfristige Kredite) durch kurzfristige Geldmarktpapiere, wobei mehrere Banken zur Absicherung Liquiditätslinien zur Verfügung stellten.

Schlicht und einfach gesagt, die Bank verließ ihr eigentliches Aufgabenfeld und wollte auf den internationalen Finanzmärkten ein wenig mitspielen. Das musste ganz einfach schiefgehen, und nach 6 Jahren und vielen Bilanztricksereien war es dann auch soweit, und der Offenbarungseid folgte.

Es gab aber noch mehr Problembanken wie zum Beispiel die Hypo Real Estate und die Landeszentralbanken, hier speziell die West LB und die Sachsen LB, die heute alle nicht mehr in ihrer damaligen Form und Größe existieren. Auch die Commerzbank musste teilweise vom Steuerzahler gerettet werden.

Der 5.10.2008 und ein nicht einhaltbares Versprechen

An jenem Sonntag trat die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, flankiert von ihrem damaligen Finanzminister Peer Steinbrück, vor die Kameras. Nun ist das an sich nichts Besonderes; Kanzlerin und Minister arbeiten schließlich 7 Tage die Woche für das Wohl unseres Volkes. Aber die äußerst angespannten Gesichter zeigten schon, dass etwas Ernstes passiert sein musste. Damals wie heute hatten die Sparer ihr Geldes größtenteils so angelegt: bei Banken und Sparkassen auf Tages- und Festgeldkonten sowie Sparbüchern und Girokonten. Im Zuge der immer deutlicher im Bewusstsein ankommenden Finanzkrise machte sich Unruhe in der Bevölkerung breit. So hoben sie ihre Sparvermögen en gros ab, sodass den Banken die 200- und 500-Euro-Banknoten ausgingen, wie Steinbrück später im Rückblick auf diese Zeit resümierte.

Also musste etwas geschehen, denn die Bundesbank und die Bafin meldeten, ab Montag würde es einen Zulauf auf die deutschen Filialen der deutschen Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken geben, die Leute wollen ihr Geld abheben.

An jenem denkwürdigen Sonntag garantierte der deutsche Staat die Einlagen aller Sparer. Daraufhin beruhigte sich die Lage wieder. Es war eine gut gemeinte und notwendige Garantieerklärung.

Aber schon damals fragten sich Finanzexperten, woher die Garantiesumme in Höhe von 568 Milliarden Euro im Falle eines Falles denn bitte genommen werden sollte. Die Bundesregierung konnte froh sein, dass die Garantieerklärung nie in die Tat umgesetzt werden musste. Sie hätte es nie aufbringen können.

Fazit

Es waren damals aufregende Zeiten voller Unsicherheit und teilweiser Panik. Wer damals und heute jedoch gut schlafen konnte und sich keine Sorgen machen muss, sind die Besitzer von Aktien und Aktienfonds. Diese sind im Pleitefall einer Bank immer geschützt, weil sie nicht zur Insolvenzmasse gezählt werden, sondern als Sondervermögen vor dem Zugriff der Gläubiger sicher sind.

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