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Der Clubfonds-Ticker
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Zwischen Zinsdeckel, Schuldenlast und Wahlkampf: Was die Märkte wirklich bewegt

Mitunter setzt sich an den Börsen nicht die gewohnte Logik durch. Üblicherweise beflügelt eine niedriger als erwartete Inflation die Märkte – in der Hoffnung auf Zinssenkungen durch die Notenbank –, aber nicht in den USA. Tatsächlich fiel die US-Inflation im Dezember leicht unter die Prognosen. Dennoch blieb die erhoffte Rally aus. Der Grund: Anleger glauben weiterhin nicht daran, dass die Federal Reserve vor dem Ausscheiden von Jerome Powell im Juni weitere Zinsschritte nach unten einleiten wird. Zwar hatte der Inflationswert einen leicht positiven Effekt, doch das Gesamtbild dämpfte die Stimmung. Und schuld ist wieder einmal der Don im Weißen Haus. Überall mischt er sich in die privatwirtschaftlichen Belange der Unternehmen ein.

Ein Vorschlag des Präsidenten zur Deckelung von Kreditkartenzinsen sorgte vor allem im Finanzsektor für Verunsicherung. Dabei sollten wir nicht glauben, er hätte etwa seine soziale Ader für sozial benachteiligte US-Amerikaner entdeckt, die eine Kreditkarte mit der anderen ablösen. Nein, so viel soziales Engagement für seine kreditkartenabhängigen Landsleute dürfen wir dem „Milliardärs-Präsidenten“ dann doch nicht zutrauen.
Die jüngste Quartalsanalyse zu Schulden und Krediten privater Haushalte der Federal Reserve Bank of New York zeigt, dass die Gesamtverschuldung der US-Haushalte im ersten Quartal 2025 um 167 Milliarden Dollar gestiegen ist und einen neuen Höchststand von 18,20 Billionen Dollar erreicht hat. Im Jahr 2024 entsprachen die privaten Schulden 142 Prozent des BIP. Die private Verschuldung wird voraussichtlich Ende 2025 auf 220 Prozent ansteigen. Menschen, die Schulden haben, schränken ihren Konsum ein – und das will der Don möglichst verhindern. So sollen die Bürger vor zu hohen Kosten für Kredite geschützt werden. Eigentlich ist es eine noble Geste, bei 10 Prozent einen Deckel zu setzen. Nur setzt diese Forderung die Finanzbranche unter Druck, da viele Banken aufgrund dieser Vorgaben ihre Kreditvergabe und ihr Risikomanagement anpassen müssen.

Es ist bereits das zweite Mal innerhalb einer Woche, dass das Weiße Haus seine Bereitschaft signalisiert, sich in privatwirtschaftliche Belange einzumischen – nach einem Vorstoß im Wohnimmobilienmarkt. In Unternehmenskreisen wächst die Beunruhigung – auch wegen des parallel steigenden politischen Drucks auf die Geldpolitik der Fed.

Staatliche Eingriffe in den USA – mit branchenspezifischen Belastungen für Banken (Zinsdeckel bei Kreditkarten), Immobilien (Restriktionen für institutionelle Investoren), Gesundheitswesen (Regulierung von Medikamentenpreisen) und Rüstungsindustrie (Preisdruck bei Armee-Zulieferern) – nehmen unter einem republikanischen Präsidenten zu. Komisch, Ihr Autor hätte solche und andere Maßnahmen eher bei den Demokraten vermutet als bei den Republikanern. Aber vielleicht ist der Don ein verkappter Sozialist, der es nur mit allen gut meint.

Wenn unsere Mitglieder diesen Newsletter lesen, wird vielleicht das Urteil des Obersten Gerichtes (Supreme Court) zur Verfassungsmäßigkeit der US-Strafzölle bereits vorliegen. Aber egal, wann es veröffentlicht wird – es dürfte die Lage an den Aktienmärkten noch einmal in Bewegung setzen.
Eine Branche ist schon jetzt in Topform. Der Ausblick für US-Investmentbanken bleibt auch im Jahr 2026 aufgrund bereits angekündigter und erwarteter Börsengänge (IPOs) sowie Fusionen und Übernahmen (M&A) positiv. Das Volumen von IPOs dürfte trotz anhaltender geopolitischer und wirtschaftlicher Risiken das Vorjahresvolumen von 40 Milliarden US-Dollar übertreffen. Zinssenkungen, regulatorische Erleichterungen und rekordhohe Bewertungen begünstigen den Gang privater Unternehmen an die Börse. Mehrere namhafte US-Firmen haben bereits angekündigt, im ersten Quartal dieses Jahres den Börsengang anzustreben. Darüber hinaus erwarten Analysten insbesondere vor den US-Zwischenwahlen im November einen deutlichen Anstieg des IPO-Aufkommens. Während im vergangenen Jahr einige sehr große M&A-Transaktionen stattgefunden haben, dürfte sich die M&A-Aktivität in diesem Jahr stärker auf den Mittelstand ausweiten – denn dort liegen noch Ressourcen für Übernahmen. Dank des positiven Geschäftszuwachses der US-Investmentbanken im vergangenen Jahr sind ihre Bewertungen bereits gestiegen. Trotzdem bleiben Experten für weiteres Bewertungswachstum in diesem Jahr optimistisch. Obwohl die Bewertungen bereits im oberen Bereich ihrer Bandbreite liegen, könnten Anleger am Erfolg der Investmentbanken partizipieren. Im Laufe der beginnenden Berichtssaison werden wir möglicherweise bald mehr erfahren.
Mercosur ist nach 25 Jahren nun endlich unter Dach und Fach. Ein Schulfreund, der in einem dieser Staaten lebt, prophezeite mir sinkende Rindfleischpreise. Warten wir es ab. Zumindest ist unser NDAC-Clubfonds dort bereits engagiert.

Der Bundeskanzler hat seine erste große Asienreise mit einer umfangreichen Wirtschaftsdelegation nach Indien unternommen – nicht nach China oder Japan. Dort wurde ihm ein Empfang bereitet, wie er ihn als Kanzler noch nicht erlebt hat. Wie es aussah, versteht sich Friedrich Merz mit dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi ganz gut. Deutschland und Indien reagieren auf den Umbruch der Weltordnung mit einem Ausbau ihrer strategischen Partnerschaft und wollen in den Bereichen Rüstung und Wirtschaft enger kooperieren. Merz zeigte sich zuversichtlich, dass die Wirtschaftsbeziehungen mit dem Abschluss eines Freihandelsabkommens zwischen Indien und der EU bald einen Schub bekommen. Na ja, da sollte die EU eben mal nicht kleckern, sondern klotzen, damit wir schnell eine Antwort auf die US-Zölle finden.

Zum Schluss: Ein dreifach donnerndes Hurra! Deutschland wächst wieder. Die deutsche Wirtschaft ist 2025 nach zuvor zwei Rezessionsjahren in Folge erstmals wieder gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt in Berlin mitteilte. 2024 hatte es einen Rückgang von 0,5 Prozent gegeben, 2023 von 0,9 Prozent. OK, es ist wenig – aber die Politik wird die Nachricht aufblasen, als hätte sie alles bereits gerichtet. Egal: Wenn sich der Trend verstetigt, sind wir auf dem richtigen Weg in bessere Zeiten.