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Waffenstillstand, war da wieder was?

Es machte zumindest den Eindruck, als wäre das alles eher knapp gewesen. Wie knapp und vor allem für wen, lässt sich allerdings aus der Ferne kaum beurteilen. Ein US‑Präsident, der anderen Völkern mit der kompletten Auslöschung droht, ist jedenfalls ein starkes Stück. Diesmal dürfte es selbst dem DJT schwerfallen, das als Sieg zu verkaufen. Versuchen wird er es zweifelsohne – wie immer.

Die Frage bleibt, wie lange der von Pakistan vermittelte Waffenstillstand hält. Während es in den USA eine doch recht eindeutige und funktionierende Kommandostruktur geben dürfte, sodass wir davon ausgehen können, dass sich die Truppe an Befehle hält, ist das im Iran nicht ganz so sicher. Zwischen den Revolutionsgarden, der Hisbollah, den Huthi und wer dort sonst noch irgendwelche Interessen hat, besteht gefühlsmäßig ein bisschen mehr Platz für Interpretationen. Israel ist dann noch einmal eine völlig andere Nummer.

Schauen wir also einmal, was wann und wo in den nächsten zwei Wochen passiert. Jedenfalls dürfte sich die Angelegenheit positiv für Pakistan auswirken. Wir erinnern uns: Eigentlich standen dort auch die Zeichen auf Sturm bzw. auf Krieg mit dem Nachbarn Indien. Davon dürfte Pakistan aktuell eher zugunsten des höheren Ziels absehen – was natürlich gut für alle Beteiligten ist, aber für die Verantwortlichen in Islamabad wohl noch einmal mehr Bedeutung hat. Der Rest der Welt rotiert derzeit wahrscheinlich zwischen Strategien, Szenarien und opportunistischen Vorstößen auf allen Ebenen.

Sicher müssen wir auch feststellen: Der Mann im Weißen Haus ist nicht mehr vertrauenswürdig. In diesem Fall war das sogar gut für die Welt. Nur irgendwann wird die Welt den Ultimaten des großen Don keinen Glauben mehr schenken.

Und was lernen wir daraus?

Erstens, dass die USA wohl einen weiteren Krieg nicht gewinnen werden. Das macht insofern nichts, weil das seit dem Zweiten Weltkrieg ohnehin die völlige Ausnahme gewesen wäre, sie es also gewöhnt sein müsste. Und zweitens, dass es am Ende auch im Jahr 2026 – bei all den wissenschaftlichen Erkenntnissen und wirtschaftlichen (Weiter‑)Entwicklungen, tief im 21. Jahrhundert – noch immer um den Schmierstoff der Welt geht: Erdöl.

Positiv ist drittens zu vermerken, dass die Dichte an Wahnsinnigen an den Hebeln der Macht in den letzten Jahrzehnten zwar deutlich zugenommen hat, aber Hopfen und Malz scheinbar noch nicht gänzlich verloren sind, weil es am Ende immer noch Kräfte gibt, die zumindest versuchen, sich vernünftig zu verhalten. Ja, und nur so nebenbei bemerkt: Der Friedensnobelpreis ist für den Don auch nicht mehr erreichbar.

Allerdings werden sich die Iraner – konkret gesagt die dort an der Macht agierenden Revolutionsgarden – einen Markt erschlossen haben. Ähnlich den Raubrittern wollen sie nun mit Sperrungen der Straße von Hormus ein bisschen Kleingeld mittels einer Maut verdienen, die Waren weiter verteuert, die Inflation anheizt und die Notenbanken verzweifeln lässt. Das Research‑Haus Gavekal analysiert die Einführung einer faktischen „Transitgebühr“ durch die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus als neues geopolitisches und ökonomisches Risiko. Berichten zufolge gewährt das IRGC Schiffen „freundlicher“ Staaten nach Zahlung hoher Gebühren – teils bis zu zwei Millionen Dollar pro Passage, abrechenbar in Renminbi oder Kryptowährungen – einen sicheren Transit, während andere Schiffe weiterhin Angriffen ausgesetzt sind. Das sind wirklich keine Peanuts.

Sollte sich dieses Modell etablieren, hätte dies erhebliche langfristige Folgen. Für den Ölmarkt impliziert die Gebühr rechnerisch einen Aufschlag von rund fünf Dollar pro Barrel für Golf‑Öl und etwa einem Dollar pro Barrel auf die globalen Benchmarks. Zudem entstünde für das IRGC ein potenzielles jährliches Zusatzeinkommen von bis zu 50 Milliarden Dollar – allerdings nicht für das iranische Volk.

Strukturell beschleunigt dies die Umgehung maritimer Engpässe durch neue Pipelineprojekte, schwächt Umschlagzentren am Persischen Golf und erhöht den Anreiz zur Diversifizierung von Energiequellen, insbesondere in Asien. Weit weniger harmlos ist dagegen der entstandene Präzedenzfall: Eine Duldung der Gebühren untergräbt das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen und könnte weltweit zu ähnlichen Abgaben an zentralen maritimen Nadelstellen führen – mit erheblichen Belastungen für den globalen Handel und das Wirtschaftswachstum.

Der ewige Wettbewerb zwischen Value‑ und Growth‑Werten ist um ein neues Kapitel reicher geworden. Seit Ende Oktober haben Substanzwerte in den Industrieländern deutlich besser abgeschnitten als Wachstumsaktien. Die Gesamtrendite des MSCI World Value liegt in diesem Zeitraum mehr als 15 Prozentpunkte vor der des MSCI World Growth. Substanzwerte stehen bekanntlich für niedrigere Bewertungen, vergleichsweise robuste Geschäftsmodelle und attraktive Dividendenrenditen. Höhere Bewertungen von Wachstumstiteln spiegeln hingegen die Erwartungen an starkes zukünftiges Gewinnwachstum wider. Wohl dem, der diese Entwicklung in seinem Depot nachvollziehen konnte.

Europäische Halbleiter‑Start-ups haben im vergangenen Jahr Finanzierungen in Rekordhöhe von 972 Millionen Euro erhalten. Seit Jahresbeginn sind weitere 380 Millionen Euro hinzugekommen. Bisher hinkte Europa den USA und Asien im Bereich der Halbleiter hinterher, doch zunehmende geopolitische Spannungen und das Wachstum von KI sorgen dafür, dass das Bestreben nach Selbstversorgung bei kritischen Technologien wächst. Die weltweite Halbleiterindustrie könnte in diesem Jahr erstmals einen globalen Umsatz von einer Billion Dollar erwirtschaften. Es wird geschätzt, dass der jährliche Umsatz bis 2030 auf 1,6 bis 1,8 Billionen Dollar steigen könnte.

Außerhalb des Halbleitersektors hat das Risikokapital für europäische Hardware‑Start-ups ebenfalls neue Höchststände erreicht: Im Jahr 2025 wurden rund 2,7 Milliarden Euro investiert – mehr als doppelt so viel wie 2024. Mit Fortschritten in der KI, insbesondere bei physischen Modellen und Hardware, wird die Bedeutung dieser Technologien weiter steigen. Europa mit seinem starken Ingenieurwesen und seiner tiefen industriellen Tradition ist bestens positioniert, eine führende Rolle im Hardwarebereich einzunehmen. Risikobewusste, langfristig orientierte Anleger sollten in Wachstumswerte investieren, denn das Verhältnis zwischen Substanz‑ und Wachstumswerten wechselt ständig an den Märkten – wie wir wissen.