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Von Profiteuren, Experten und Fehlern

Ihr Torsten Arends, Geschäftsführung des NDAC

Die Zinsen steigen und die Banken stehen in einem extremen Wettlauf. Genau wie das Spiel bei Hase und Igel. Erhöht die eine Bank die Zinsen für Tages- und Festgeld und setzt sich damit an die Spitze in diversen Vergleichsportalen, dauert es nicht lange, bis eine andere Bank schon wieder einen Schritt weiter ist. Speziell das täglich verfügbare Tagesgeld ist ein probates Mittel, um auf Kundenfang zu gehen. Nun könnte man ja als Marktbeobachter durchaus die Jagd nach Kunden als einen Weg in extreme Schwierigkeiten für die Banken betrachten, denn schließlich ist die Gewinnmarge dadurch in Gefahr. Und alle haben die Probleme der Banken in den USA im Blick. Doch sind unsere Banken dadurch wirklich in Gefahr?  Um die Banken brauchen wir uns wegen der gestiegenen Zinsen keine Sorgen machen. Sie können jeden Euro, den sie von ihren Kunden als Zinsanlage bekommen, bei der EZB für 3,25 Prozent weiter versilbern. Was sind da schon die ein, zwei bis drei Prozent Zinsen, die Banken jetzt ihren Kunden zahlen? Und noch mehr holen sie heraus, wenn sie die Gelder als Kredite vergeben. Nicht umsonst haben die meisten Geldhäuser sehr gute Quartalszahlen abgeliefert. Es ist langsam Zeit, sich wieder für Bankaktien zu interessieren. Die EZB hat weitere Zinserhöhungen in Aussicht gestellt. Also noch mehr Rendite für die Banken.

Dass es auch jetzt schon in den Kassen der Bankhäuser klingelt, beweist das Quartalsergebnis der in der Vergangenheit oft gescholtenen Deutschen Bank. Im ersten Quartal erhöhte sich der Vorsteuergewinn der „Blauen“ im Vergleich zu den ersten drei Quartalen des Vorjahres um zwölf Prozent oder in reellen Zahlen auf 1,85 Milliarden Euro und damit fuhr das Geldhaus das höchste Quartalsergebnis seit zehn Jahren ein. Die zusätzlichen Kosteneinsparungen sollen sich auf 2,5 Milliarden Euro summieren, bisher waren 2,0 Milliarden Euro angestrebt. In Bereichen, die nicht direkt mit Kunden zu tun haben, sollen etwa fünf Prozent der Leitungsjobs wegfallen. Dabei gehe es um etwa 800 Menschen, sagte Bankchef Sewing in einer Telefonkonferenz.

Aber nicht nur die Banken können sich auf eine goldene Zukunft einstellen, sondern auch der schon oft im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine erwähnte Rüstungskonzern Rheinmetall macht glänzende Geschäfte. Und entdeckt neue lukrative Geschäftsfelder. Deutschlands größter Rüstungskonzern steigt in das Geschäft mit Wärmepumpen ein. Rheinmetall wird einen führenden deutschen Heizungshersteller mit Kältemittelverdichtern beliefern, einer Komponente von Wärmepumpen. Das Unternehmen erhielt demnach einen Großauftrag im Umfang von 770 Millionen Euro für die Herstellung der Verdichter. Ein Branchenexperte wurde mit den Worten zitiert, dass der Verdichter, eine “Kernkomponente für Wärmepumpen”, derzeit in Europa nicht unter Kontrolle sei. “Im Moment wird er größtenteils von außerhalb Europas zugekauft.” Damit wird Rheinmetall zwar keine ESG-Kriterien erfüllen, aber interessant bleibt die Aktie für Anleger trotzdem.

In den USA tut sich (noch) nichts in Bezug auf die Erhöhung der Schuldenobergrenze. Wir haben vergangene Woche darüber berichtet. Nach Berechnungen des Finanzministeriums werden Ende Mai die letzten Zahlungen möglich sein und am 01. Juni käme es dann zum Shutdown. Die Folge wäre die Schließung vieler Regierungseinrichtungen und später möglicherweise das bisher Undenkbare: ein Zahlungsausfall der USA. Am Finanzmarkt gilt diese Möglichkeit inzwischen nicht mehr als undenkbar. Die Prämien für Kreditausfallversicherungen einjähriger US-Staatsanleihen schossen in den vergangenen Wochen in die Höhe auf einen Rekordwert von gut 150 Basispunkten pro Jahr. Zu Beginn des Jahres lag der Wert noch bei 15, vor zwei Jahren bei etwa 3 Basispunkten. Aber noch sind ja drei Wochen Zeit, das Undenkbare abzuwenden.

Haben wir schon Sommerpause an den Märkten? Oder warum sprechen die Ökonomen von einem zu erwartenden Sommerblues? Nach einem überraschend starken Jahresauftakt hat sich die Konjunktur ebenso unerwartet wie spürbar wieder eingetrübt: Ob Produktion, Exporte oder Industrieaufträge – überall zeigt der Trend stark nach unten. Selbst das R-Wort wird wieder in den Mund genommen: “Die Rezessionsgefahren sind mitnichten gebannt” sagen die Analysten. Davor warnt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer schon seit Wochen. Seiner Meinung nach werden die Folgen der kräftigen Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) sowie weiterer großer Notenbanken für die deutsche Konjunktur unterschätzt. “Solchen Zinserhöhungen folgten in der Vergangenheit in Deutschland stets Rezessionen”, betont Krämer. Durchschnittlich drei bis sechs Quartale dauert es demnach von der ersten Zinsanhebung bis zum Beginn einer Rezession.

Diese ewige Schwarzmalerei der Experten. Und wenn die deutsche Wirtschaft in eine Rezession rutschen sollte, ist Deutschland in der Vergangenheit davon auch nicht untergegangen. 

Unser philosophierender und von Affären gebeutelter Wirtschaftsminister Robert Habeck stellt nun auch fest, dass ohne Gas aus Russland, ohne Atomenergie und angesichts des stockenden Ausbaus von Wind- und Sonnenenergie, der Preis für Strom in die Höhe geschnellt ist. Wow, was für eine tiefgreifende Erkenntnis! Er will deswegen Industriestrom herunter subventionieren. Genauso hat er es vorher beim Gas gemacht und genauso soll es geschehen, wenn die halbe Menschheit in Deutschland auf sein Geheiß ihre alten Heizungen herausreißen soll. Ohne Förderung geht nichts mehr im Land. Und natürlich nehmen wir alle, egal ob Privathaushalte oder Unternehmen, die Subventionen klaglos mit.

Bekanntlich ist es das eine, dass dadurch jegliche marktwirtschaftlichen Mechanismen außer Kraft gesetzt werden. Ein hoher Preis bedeutet, dass die Ware knapp ist. Sparen und auf Alternativen ausweichen ist das alternative Signal für die Käufer, das durchaus im Sinne einer Energiewende wäre. Aber dieses Signal wird nicht gesendet, weil Förderung die Marktwirtschaft außer Kraft setzt.

Darüber sollte unser Wirtschaftsminister mit seinem verwandtschaftlichen Beamtenverbund einmal nachdenken.