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Der Clubfonds-Ticker
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Sinnloser Krieg und erste Folgen

Die USA in einen völlig sinnlosen Krieg hineinzuziehen, ist an sich schon ein starkes Stück. Anschließend jedoch alles kurz und klein zu schlagen und dem Rest der Welt sinngemäß ein herzhaftes „Go f*** yourself – seht zu, wie ihr künftig an euer Öl kommt“ entgegenzurufen, lässt viele Anleger fassungslos zurück – glücklicherweise aber nicht sprachlos.
Dem allgemeinen Rechtsverständnis folgend müsste man eigentlich Schadenersatzansprüche geltend machen können – Stichwort Verursacherprinzip.


Wie dem auch sei: Der Schaden ist angerichtet (DT, letzte Woche ;-)). Die Kosten werden wir wohl alle tragen müssen – einschließlich der Konsumenten in den USA. Hoffen wir, dass die US‑Demokratie stark genug ist, um hier eine umfassende politische Abrechnung zu ermöglichen. Gelegenheit dazu gäbe es im November. Sollte die Wahl überhaupt stattfinden – dem Mann im Weißen Haus traut der Autor nicht allzu sehr über den Weg.

Natürlich wird sich erst zeigen, was tatsächlich vor sich geht. Doch solange sich der Preis für den Schmierstoff der Welt um die 100‑Dollar‑Marke bewegt, braucht es keine mathematischen Genies, um auszurechnen, dass dies das globale Wirtschaftsgefüge auf längere Zeit durcheinanderwirbeln wird. Die EZB, die kraft ihres Mandats die Inflation um die zwei Prozent halten muss, hat bereits erhebliche Bedenken geäußert. Wenn sich der Inflationsnebel nicht wie erhofft lichtet, wird sie die derzeit nicht besonders restriktive Geldpolitik spürbar straffen müssen. Eine Zinserhöhung im Euroraum wäre die Folge – und das wäre weder gut für die hiesige Staatsverschuldung noch für die ohnehin schwache Konjunktur.

Kommt es zu nachhaltigem inflationärem Druck, werden überall die Zinsen angehoben – egal, wie es um die Wirtschaft steht. Das führt direkt zu weniger Konsum und geringeren Investitionen, was wiederum das ohnehin schon spärliche Wirtschaftswachstum – vor allem in Europa – weiter drückt. Das Ergebnis wäre eine tiefe Rezession mit steigender Arbeitslosigkeit. Die sozialen Spannungen nähmen zu, und populistische Parteien am linken wie rechten Rand, die für jedes Problem vermeintlich einfache Lösungen anbieten, würden weiteren Zulauf erhalten. Den Rest kennen wir aus der Geschichte.

Besonders erschreckend ist, dass in einer Zeit, in der jedem Menschen das gesammelte Wissen der Welt jederzeit und nahezu überall zur Verfügung steht, ein Großteil der Bevölkerung lieber Trash‑TV schaut, statt sich kritisch mit Zusammenhängen auseinanderzusetzen. Es sieht nicht so aus, als könnte das mittelfristig gutgehen – aber jeder hat nun einmal seine Vorlieben.

Wir beobachten die Lage mit professioneller Gelassenheit und warten ab. Während dieser Zeilen springen die Märkte wieder an, was den Blick auf die Kurse etwas beruhigt. Da wir in Europa bislang – den Schicksalsgöttinnen sei Dank – nicht oder nur geringfügig in den physischen Konflikt hineingezogen wurden, bleibt uns ohnehin nur abzuwarten, wie sich die Situation entwickelt.

Die Regierungskoalition hat mit ihrem Vorhaben, ein staatlich organisiertes Altersvorsorgeprodukt einzuführen, die Finanzbranche in Aufregung versetzt. Viele Finanzdienstleister kritisieren, der Staat nähme eine ungesunde Doppelrolle ein: Regulator auf der einen, Anbieter auf der anderen Seite. Diese Bedenken mögen ordnungspolitisch nachvollziehbar sein – unbegründet sind sie dennoch. Denn es geht um nicht weniger als die Zukunft der Altersvorsorge. Vielen Menschen muss der Weg zu einer zusätzlichen privaten Vorsorge geebnet werden. Die bestehenden Finanzdienstleister können diesen Weg sicher hervorragend begleiten – doch ein staatliches Produkt hat dennoch seine Berechtigung.

Beruhigen wir uns also zunächst. Fakt ist, dass die staatlich geförderte Riester‑Rente unter anderem deshalb scheiterte, weil Finanzdienstleister zu hohe Gebühren verlangten.

Viele Bürger, die ab dem 1. Januar 2027 gefördert vorsorgen wollen, betreten Neuland. Viele werden zum ersten Mal Geld am Aktienmarkt investieren. Das ist für viele ein großer Schritt – und oft mit der Angst vor Kursverlusten verbunden.

Ein Staatsprodukt wird Kursschwankungen nicht verhindern. Aber der Bundesadler auf dem Deckel wirkt verständlicherweise beruhigend auf Millionen neuer Anleger. Dass der Staat Anlagekompetenz besitzt, zeigt der Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung (KENFO), über den wir bereits mehrfach berichtet haben.

Neben dem Staatsprodukt wird ein großer Markt bestehen bleiben. Schon heute sind viele Banken und Broker mit Sparplänen startklar. Sie werden ihre Anleger finden, denn gerade unter jungen Menschen hat sich längst die Erkenntnis durchgesetzt: Mit Aktien wird die Rente sicherer.
Wenn dann noch eine staatliche Förderung von bis zu 540 Euro möglich ist, wird das weitere Anleger anziehen – auch zu privaten Anbietern. Ein staatliches Produkt als Benchmark wird für viele Finanzdienstleister eher Ansporn als Bedrohung sein. Wettbewerb belebt schließlich das Geschäft.

Und wer sagt denn, dass Vorsorgekunden bei einem einzigen Fonds bleiben müssen? Wenn Rendite und Kosten bei privaten Anbietern günstiger ausfallen als beim Staatsfonds, werden wir einen munteren Wettbewerb zwischen Staat und Privatwirtschaft erleben.