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Senkung der Leitzinsen und die Börsen drehen durch

Der große Zinsschritt war es bei Weitem nicht, den Jay Powell nach der letzten Sitzung der Fed verkündete. Eine Senkung um 0,25 Basispunkte wurde da als Ergebnis der Sitzung der US-Notenbank veröffentlicht. Doch es war die erste Zinssenkung seit nunmehr zehn Jahren. Jetzt liegt der Zins in einem Korridor von 2,25 bis 2,00 Prozent und damit immer noch sehr viel höher als in der Eurozone.

Der  Grund für die US-Zinssenkung

Die USA befinden sich bereits im Wahlkampf 2020, auch wenn die Demokraten noch einen Kandidaten aus ihrem umfangreichen Bewerberfeld suchen, der realistische Chancen hat, ins Weiße Haus einzuziehen.

Präsident Trump dagegen möchte naturgemäß eine zweite Amtszeit, und diesem Ziel ordnet er alles unter. Wir erinnern uns: Trump hat unter anderem immer die Kurse an der Wallstreet als den Erfolgsmaßstab seiner Wirtschaftspolitik angeführt. Mit seiner Reform der Unternehmenssteuern zu Beginn seiner Amtszeit spülte er Milliarden in die Kassen der Konzerne. Das erhöhte die Rendite und damit auch die Aktienkurse. Diese Wirkung ist nun allerdings verpufft, das Geld ausgegeben, übrigens zum großen Teil für den Rückkauf eigener Aktien und damit nicht immer für neue Investitionen.

Die Bäume wachsen also jetzt auch in den USA nicht mehr in den Himmel. Trump möchte daher mit billigem Geld die Aktienmärkte wieder befeuern, und so übt er Druck auf Jay Powell aus. Der Fed-Chef, ein ausgewiesener Fachmann mit zugegeben einigen Kommunikationsdefiziten konnte oder wollte sich nicht länger dagegen sperren und senkte daher die Zinsen ein klein wenig, allerdings nicht in dem geforderten Maße, wie es der Mann im Weißen Haus wollte, um wenigstens den Schein der Unabhängigkeit zu wahren.

Dass Trump damit den größten Einfluss auf eine Entscheidung der Fed seit 50 Jahren genommen hat, ist dem US-Präsidenten wohl egal. Damals hieß der Präsident Richard Nixon, der als bisher einziger US-Präsident wegen der mit ihm auf ewig verbundenen Watergate-Affäre zurücktreten musste – vielleicht ein Omen für die kommende Wahl …

Auch der Handelsstreit mit China belastet die Kurse der US-Unternehmen zusehends. Es gibt wieder neue Strafzollandrohungen seitens des US-Präsidenten wegen der schleppenden Verhandlungen zwischen beiden Seiten. China hat bereits Gegenmaßnahmen angekündigt, was nicht nach einem schnellen Abschluss des angestrebten Handelsabkommens aussieht. China kann zwar nicht mehr mit neuen Strafzöllen kontern – das Pulver ist schon längst verschossen –, aber das neue Zauberwort heißt Seltene Erden, die bekanntlich zum großen Teil in China lagern und auch in der IT-Produktion US-amerikanischer Tech-Giganten eingesetzt werden. Eine Verknappung des Angebotes beim größten Produzenten dieser Rohstoffe führt zu einer Preisexplosion auf dem Weltmarkt und ist ein scharfer Gegenwind für Konzerne wie Apple, Microsoft etc.

Und mit der EU wurde auch nur ein Waffenstillstand ausgehandelt, der bis heute hält. Wie lange das noch gut geht, weiß niemand, auch wenn jetzt der verbesserte Marktzugang amerikanischen Rindfleisches in die EU für eine Verlängerung spricht. Dafür wird die EU ihre Importe von Rindfleisch von 10 000 Tonnen auf 35 000 Tonnen jährlich erhöhen. Konsens im Beraterstab des Weißen Hauses ist jedenfalls, die Front gegen die EU nicht zu eröffnen, aber bei dem Präsidenten …

Versuch der Instrumentalisierung der Nationalbanken

In letzter Zeit verzeichnen wir eine stärkere Beeinflussung der Notenbanken und das nicht nur in den USA. Erinnern wir uns nur an die Absetzung des Präsidenten der Türkischen Notenbank durch einen Erlass von Präsident Erdogan, der es ihm übel nahm, dass er seiner Zinssenkungsforderung nicht nachkam. Der Nachfolger hingegen lieferte dann prompt, was verlangt wurde. Oder denken wir an die Forderung des starken Mannes in Italien, Innenminister Salvini, der an die EZB appellierte, die Schulden Italiens zu tolerieren. Und das werden noch nicht die letzten Versuche sein, die Notenbanken für populistische Politik zu instrumentalisieren. Draghis Nachfolgerin Christine Lagarde ist also gut beraten, gleich von Anfang an klare Kante gegenüber solchen Versuchen zu zeigen. Notenbanken haben nicht umsonst ein Mandat für die Unabhängigkeit ihrer Entscheidungen erhalten.

Fazit

Die großen Verlierer der neuen Entwicklung sind die Zinssparer, die einmal mehr auf die Minusseite mit ihren Spareinlagen geraten.

Es gibt aber trotz der Verluste am Aktienmarkt – je nach Region zwischen drei und fünf Prozent – noch Aktien, die gut laufen und neben Kursgewinnen auch Dividenden zahlen, die weit über den Sparangeboten der Banken liegen. Mit einem ETF allerdings wird man nur stur dem Markt folgen, aktuell eben gen Süden. Jetzt ist aber Stockpicking angesagt. Das kann jeder Anleger selbst tun oder es besser dem Management eines aktiv gemanagten Aktienfonds überlassen.

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