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Rebalancing und andere Börsennews

Ihr Torsten Arends, Geschäftsführung des NDAC

Es hat sich etwas getan, wenn sie diesen Newsletter erhalten und zwar in einem bedeutenden amerikanischen Technologie-Aktienindex, der auch hierzulande aufmerksam beobachtet wird.

Ein sogenanntes Rebalancing ist geplant. Ok, werden jetzt einige unserer Leser fragen, und was ist das? Die Definition dazu besagt, dass ein Portfolio oder in diesem Fall ein Index wieder ins Gleichgewicht gebracht wird. Grund dafür ist, dass ständige Kursschwankungen an den Börsen dafür sorgen, dass sich ein Portfolio im Hinblick auf die ursprüngliche Zusammensetzung verändert.

Der Börsenbetreiber NASDAQ hat angekündigt, den NASDAQ-100 einem außerplanmäßigen Rebalancing zu unterziehen, um die stark gestiegene Konzentration des Index zu senken. Die sieben größten Titel stehen aufgrund des starken Anstiegs ihrer Marktkapitalisierung inzwischen für 55 Prozent des Index. Wir hatten schon auf das Klumpenrisiko mancher Indizes hingewiesen. Genaue Details wurden am Freitag bekannt gegeben, umgesetzt wird die Kalibrierung am 24. Juli. Das Regelwerk des NASDAQ-100 sieht unter anderem vor, dass die Gewichtung der fünf größten Titel von derzeit knapp 47 Prozent auf 38,5 Prozent zurückgesetzt wird. Die Kurse dieser Aktien gaben als Reaktion auf die Meldung zu Wochenbeginn etwas nach. Anleger erwarten, dass Indexfonds, die den NASDAQ-100 abbilden, im großen Stil Aktien verkaufen werden, um die neue Zusammensetzung korrekt abzubilden. Also keine Sorge, üblicherweise sind derartige Effekte jedoch recht kurzlebig und sollten Anleger unserer Meinung nach bei ihren Investitionsentscheidungen nicht beeinflussen. Wichtiger ist, ob sie weiter an die Geschäftsmodelle dieser Unternehmen glauben und die Bewertungen für angemessen halten.

Der Hype um künstliche Intelligenz jedenfalls ließ die Aktien vieler Tech-Firmen auf Rekordhöhe steigen. Im Ranking der 100 höchstbewerteten börsennotierten Unternehmen der Welt konnten sich zur Jahresmitte 23 Technologieunternehmen platzieren, wie aus einer Auswertung des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Ernst & Young hervorgeht. Zum Jahreswechsel waren es nur 19 Unternehmen. Der Wert dieser Tech-Konzerne stieg im Verlauf des Halbjahres um 45 Prozent.

Insgesamt kletterte der Börsenwert der Top-100-Konzerne um 20 Prozent bzw. 5,8 Billionen Dollar auf aktuell rund 34,4 Billionen Dollar. Das wertvollste Unternehmen der Welt, unser Depotwert Apple, hat erstmals die Marke von drei Billionen Dollar geknackt. Von den zehn höchstbewerteten Unternehmen der Welt haben neun ihren Hauptsitz in den USA. Die Zahl der US-amerikanischen Unternehmen, die sich zur Jahresmitte unter den 100 wertvollsten Unternehmen der Welt platzieren können, liegt bei 62 – vor einem Jahr waren es 61. Europäische Firmen schaffen es derzeit nicht unter die weltweiten Top 10. Und von den 100 wertvollsten Konzernen haben nur 19 ihren Hauptsitz in Europa und 16 stammen aus Asien. Das wertvollste europäische Unternehmen ist aktuell unser NDAC-Wert der französische Luxuskonzern LVMH auf Rang 12. War Deutschland noch vor einem halben Jahr gar nicht unter den Top 100 vertreten, schafften es zur Jahresmitte immerhin zwei Unternehmen mit Sitz in Deutschland in die Liste: SAP belegt mit einem Börsenwert von 159 Mrd. Dollar Rang 71 (zu Jahresbeginn Rang 106), Siemens rückte mit 132 Mrd. Dollar von Rang 115 auf 91 vor. Insgesamt hat der KI-Boom die Dominanz der USA an den Weltbörsen noch gestärkt.

Apropos Index. Die Finanzdienstleister hinter den Indizes wie S&P 500, MSCI Welt oder Dax lassen sich ihre Berechnungen von Banken und Großinvestoren gut bezahlen. Im vergangenen Jahr nahmen die Unternehmen unter der Führung von S&P Dow Jones Indices, MSCI und FTSE Russell mehr als 5,3 Milliarden Dollar ein – ein Rekord, nämlich sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Steven Semel von Burton-Taylor in New York prognostiziert: „Für das laufende Jahr erwarte ich ein Plus von fünf bis zehn Prozent, das wäre gut, aber nicht spektakulär gut.“ 2021 hatten die Einnahmen um außergewöhnliche 23 Prozent zugelegt, was am Börsenboom in diesem Jahr lag. Einige Marktbeobachter warnen allerdings vor zu großer Euphorie, denn die Rezession und die Inflation sind auch hier ein Feind steigender Börsen und damit auch für die Preismodelle der Indexanbieter.

Und weil wir einmal im NASDAQ-Bereich sind, die Euphorie könnte bald vorbei sein. Zumindest, wenn wir nach den Positionen der Hedgefonds gehen. Sie setzen bereits vermehrt auf fallende Kurse, wie eine Auswertung des Finanzdatenanbieters S3 Partners zeigt. Diese „Short-Positionen“ steigen bei fallenden Kursen im Wert. Insgesamt liegt ihr Wert am US-Markt bei mehr als einer Billion Dollar. Dabei ist der IT-Sektor mit knapp 193 Milliarden Dollar der am stärksten geshortete Bereich, gefolgt von den zyklischen Konsumgütern (169 Milliarden Dollar) und dem Finanzsektor (127 Milliarden Dollar). Da handelt es sich wirklich um Riesenpositionen, die zu dem noch mit der üblichen Hebelwirkung noch verstärkt werden.

Am stärksten bekommt Exportweltmeister China die Konjunkturflaute bei wichtigen internationalen Handelspartnern zu spüren. Die Ausfuhren der Volksrepublik fielen im Juni im Jahresvergleich um 12,4 Prozent, wie aus Daten der Zollbehörde hervorging. Das ist der größte Rückgang seit dem Beginn der Corona-Pandemie vor mehr als drei Jahren. Chinas Einfuhren schrumpften um 6,8 Prozent. Beide Zahlen fielen schwächer aus, als von Analysten erwartet. Da werden auch angesichts einer deflationären Entwicklung im Reich der Mitte doch stärkere Eingriffe der Notenbank und Konjunkturpakete der Regierung erwartet.

Und auch Deutschlands Wirtschaft soll nach den noch nicht abgestimmten Plänen des Bundesfinanzministers gestützt werden. Sechs Milliarden soll ein Entlastungspaket mit rund 50 steuerpolitischen Maßnahmen aus dem Hause Lindner umfassen. Wir fragen uns echt, woher das ganz Geld kommen soll. Haben wir trotz Steuermindereinahmen, milliardenschwerer Sondervermögen (Schulden!) und angedachter Einhaltung der Schuldenbremse so viele Reserven im Bundeshaushalt???