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Prognose und Realität

Torsten Arends, Geschäftsführung des NDAC

Nein, ihr Autor wird jetzt nicht auf die vor wenigen Tagen mit großer medialer Spannung erwarteten Ergebnisse der Kommunalwahlen in dem kleinen Freistaat Thüringen eingehen. Dazu waren sie zu unbedeutend.

Wichtiger ist der Ifo-Geschäftsklimaindex. Der Index stagnierte bei 89,3 (April revidiert: 89,3) Punkten, wie das Münchener ifo-Institut nach seiner monatlichen Umfrage unter rund 9.000 Managern mitteilte. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten zumindest einen Anstieg auf 90,5 Punkte prognostiziert. Für April waren ursprünglich 89,4 Punkte gemeldet worden.

Der Index zur Beurteilung der aktuellen Lage der befragten Unternehmen sank auf 88,3 (Vormonat: 88,9) Punkte. Erwartet worden war auch hier ein Anstieg auf 89,6 Punkte. Der Index für die Geschäftserwartungen erhöhte sich auf 90,4 (revidiert: 89,7) Zähler. Die befragten Volkswirte hatten einen Anstieg auf 90,9 Punkte erwartet. Basis war ein vorläufiger April-Wert von 89,9 gewesen.

Die rund 9000 befragten Unternehmen bewerteten die Aussichten auf ihre künftigen Geschäfte im Mai besser, ihre aktuelle Lage schätzten sie hingegen schlechter ein. In der Industrie, im Handel und im Baugewerbe hellte sich das Geschäftsklima auf, im Dienstleistungssektor trübte es sich jedoch ein.

In den Monaten zuvor war das Stimmungsbarometer dreimal in Folge angestiegen, was in der Regel als konjunktureller Wendepunkt interpretiert wird. Allerdings notiert Deutschlands wichtigster wirtschaftlicher Frühindikator immer noch auf vergleichsweise niedrigem Niveau.

Volkswirte sind eben auch nur Menschen, könnte man daraus schlussfolgern. Aber so einfach dürfen wir die Sache nicht abtun. OK, ein Zehntel mehr oder weniger ist jetzt so schlimm, da es sich nur um prognostizierte Angaben handelt.

Das Problem besteht ganz einfach darin, dass jedes Unternehmen, egal ob börsennotiert oder nicht, bisher weiter vergebens auf eine massive Reaktion der Politik wartet. Sozusagen einen Wumms, meinetwegen auch dreifach oder noch höher, denn der Doppelwumms versandete irgendwo im Nirgendwo.

Wir haben nun schon fast ein halbes Jahr nichts mehr gehört als das ständige Klein-Klein der Politik, die sich den Realitäten der Ökonomie immer wieder verweigert. Da ist bspw. von der Kanzlerforderung eines Mindestlohnes von 15 Euro die Rede. Das ist erstens ein Affront gegen die Mindestlohnkommission, die allein über die Höhe desselben entscheidet und zweitens geht es an den konkreten Erfordernissen der Wirtschaft vorüber. Den Fachkräftemangel bekämpft man so nicht, der wird in höheren Regionen der Tariftabellen bzw. außertariflich entschieden.

Aber wenigstens die Rentenreform ist durch das Kabinett gegangen, auch wenn der Bundeshaushalt es nicht gerade hergibt. Die neue Aktienrente ist Bestandteil dieses Paketes. Ab 2024 zahlt der Bund jährlich einen zweistelligen Milliardenbetrag als Darlehen in ein Stiftungsvermögen, das Generationenkapital genannt wird. In diesem Jahr sind es zwölf Milliarden Euro. Der Betrag wird in den Folgejahren jährlich um drei Prozent erhöht. Im Jahr 2025 wären es laut Gesetzentwurf 12,4 Milliarden Euro, im Jahr 2045 schon 22,3 Milliarden Euro. Hinzu kommen 15 Milliarden Euro, die der Bund bis 2028 aus eigenen Mitteln – etwa durch Übertragung von Vermögenswerten wie Unternehmensbeteiligungen – beisteuern will: „Bis zum Jahr 2036 soll das Generationenkapital ein Volumen von 200 Milliarden Euro erreicht haben.“ Dazu zwei Bemerkungen: Wenn es denn so bleibt, ist es nur ein erster Schritt in eine richtige Richtung. Andererseits haben wir es im Bundestag mit dem Struck’schen Gesetz zu tun, denn die Rentenpaket II genannte Vorlage umfasst weitaus mehr als die Aktienrente. Und schlussendlich kann dieser mutige Schritt der Umsteuerung in der Rentenpolitik in der Kompromissfindung durchaus noch kippen.

Da die Aktienrente auf Pump aufgebaut ist, müssen auch die Zinsen beachtet werden. Die EZB will die Zinsen ja eigentlich senken. Aber ihr Autor glaubt nicht an eine dauerhafte Zinssenkung, denn die EZB handelt nicht unabgestimmt mit der Fed. Und von dort kommen andere Signale. Es ist noch nicht mal fünf Monate her, als die Finanzmärkte bis zu sieben Zinssenkungen um jeweils 25 Basispunkte bis Jahresende eingepreist hatten, wobei der erste Schritt schon für März erwartet wurde. Seither werden die Kürzungen der Leitzinsen nach und nach „ausgepreist“. Aktuell rechnet der Markt nur noch mit einer einzigen Zinssenkung im Jahr 2024. Aus dem jüngsten Sitzungs-Protokoll geht hervor, dass einige Fed-Mitglieder sogar zu weiteren Straffungen bereit sind. Denn das zentrale Problem der US-Wirtschaft ist der anhaltende Inflationsdruck, wie sich jüngst bei den dortigen Einkaufsmanagerindizes zeigte.

Und in der Tat, die Zeichen sprechen langsam gegen eine Zinswende auch bei der EZB. Die für Juni erwartete Zinswende in der Euro-Zone ist keinesfalls sicher. Stark gestiegene Löhne bauen neuerlichen Inflationsdruck auf und die Löhne haben sich, gemessen an einem von der Europäischen Zentralbank (EZB) erhobenen Indikator, im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,7 Prozent erhöht. Das spricht gegen Zinssenkungen in diesem Jahr, wie sie an den Finanzmärkten bis in den Winter hinein prognostiziert worden waren, zumal die Inflation in Deutschland im Mai zum ersten Mal in diesem Jahr gestiegen ist. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich um durchschnittlich 2,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Im März und April lag die Teuerungsrate mit jeweils 2,2 Prozent noch auf dem niedrigsten Wert seit rund drei Jahren.
Aber von alldem lässt sich der europäische Aktienmarkt nicht beeindrucken. Europäische Aktien haben in den vergangenen Wochen erstmals seit Beginn des Russland-Ukraine-Krieges wieder Nettokapitalzuflüsse erfahren. Zuvor wurden Aktien aus Europa vielfach zugunsten anderer Regionen verkauft. Bemerkenswerterweise haben besonders europäische Investoren ihre Portfolios derart umgestellt, während US-Anleger ihre Positionen größtenteils beibehielten. Zuletzt fanden die Europäer jedoch wieder Gefallen an heimischen Aktien. Weitere Zuflüsse dürften im Jahresverlauf die Kurse stützen, ebenso die Käufe der Unternehmen selbst. In diesem Jahr könnten die Aktienrückkäufe des STOXX 600 von gut 150 Milliarden Euro auf über 160 Milliarden Euro steigen und für 2025 werden sogar 175 Milliarden Euro für realistisch gehalten. Aber auch hier müssen wir abwarten, ob und in welchem Umfang die Prognosen Realität werden.