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Prinzip Hoffnung bei den Zins- und andere Wenden

Ihr Torsten Arends, Geschäftsführung des NDAC

Es kann knüppeldick an den Märkten kommen, aber die Markteilnehmer geben die Hoffnung nicht auf, dass im Sommer die große oder vielleicht nicht ganz so große Zinswende durch die US-Zentralbank Fed eingeleitet wird. Fakt ist, die Bewertungen an den Aktienmärkten hängen nun mal von einer Leitzinssenkung ab, wenn auch nur hypothetisch. Aber schon die Aussicht darauf dürfte die Märkte wieder ankurbeln. Und so schauen die Anleger mit großer Anspannung auf den August. Die Tagung von Jackson Hole bietet eine gute Gelegenheit für Jay Powell die Wende in der Zinspolitik zumindest kommunikativ vorzubereiten, die dann 2024 ihren Kurs gen Süden aufnehmen kann.

Und wenn wir uns die Inflation in den USA anschauen, dann ist sie im Augenblick stabil bei 5,5 Prozent und dürfte im zweiten Quartal weiter absinken. Abgesehen von Lebensmitteln werden Mieten dort im zweiten Quartal weiter sinken und auch die Importpreise werden billiger. Das ist zumindest die Ansicht der Analysten. Und auch die Arbeitslosenzahlen sinken weiter. Denn die Arbeitslosenquote müssen die Fed-Zentralbanker ebenfalls im Blick behalten. Und da haben die amerikanischen Arbeitnehmer ebenso die Wahl, wie im vergreisten Deutschland, wo sie als gute Fachkräfte ihre Arbeitskraft anbieten.

Die EZB muss zwar auch etwas tun, aber erst wenn die Inflationsrate weiter gesunken ist. Das dürfte wohl noch ein wenig länger dauern. Peter Kazimir, Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), rechnet damit, dass die EZB die Zinsen womöglich länger erhöhen müsse als ursprünglich angenommen. „Ich bin überzeugt, dass wir noch weitere Sitzungen vor uns haben, auf denen wir über die Erhöhung von Zinsen entscheiden werden, und ich denke, wir werden sie weiter anheben“, sagte er in einem Interview mit der slowakischen Nachrichtenseite HN Online.SK. Die EZB hat zuletzt sieben Mal in Folge ihre Geldpolitik gestrafft und Anfang Mai die Zinsen noch einmal um 0,25 Prozentpunkte angehoben. 

Es gibt aber wieder Hoffnung für die Verbraucher in Deutschland. Die Inflation ist in Deutschland immer noch sehr hoch. Doch es mehren sich die Anzeichen, dass sich die Situation nachhaltig entspannt. Nun sind zum ersten Mal seit fast zweieinhalb Jahren die Großhandelspreise auf Jahressicht gefallen. Im April lagen sie dem Statistischen Bundesamt zufolge um 0,5 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Nur zur Einordnung, im März hatte es noch einen Anstieg von 2,0 Prozent gegeben, im Februar sogar von 8,9 Prozent.

Die Preisveränderungen kommen in der Regel erst mit Verzögerung auch bei den Verbrauchern an. Bis sich der Rückgang in der Inflationsrate zeigt, dürfte es deshalb noch etwas dauern.

Auch wenn die EZB längere Zinsanhebungsphasen planen sollte, so schlimm wie in Argentinien wird es nicht werden. Die dortige Zentralbank plant die Leitzinsen auf 97 Prozent anzuheben. Das Land steht wieder einmal vor der Staatspleite. Aber die Menschen dort sind es gewöhnt. Bereits neun Mal ist das südamerikanische Land seit der Unabhängigkeit von Spanien im 19. Jahrhundert in die Zahlungsunfähigkeit geschlittert. Die argentinische Inflationsrate betrug im April sagenhafte 109 Prozent. Ihr Autor sieht die Geier bereits über dem Land kreisen und aktuell ist keine Fußball-WM zur Stimmungsaufhellung der „Gaucho-Nation“ in Sicht. Nur die Hedgefonds warten darauf, wieder milliardenschwere Profite einzufahren.

Auch für die wirtschaftliche Entwicklung der Ukraine gibt es Hoffnung. Die EU-Kommission hat erstmals eine Konjunkturprognose für die Ukraine erstellt und diese Zahlen aus der Wundertüte fallen überraschend positiv aus. Nach einem Einbruch um rund 29 Prozent im vergangenen Jahr werde die ukrainische Wirtschaft “in diesem Jahr voraussichtlich um 0,6 Prozent und 2024 um 4,0 Prozent wachsen”, sagte EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni bei Vorstellung der Daten in Brüssel. Die Vorausschau für die Ukraine sei allerdings “außerordentlicher Unsicherheit unterworfen und hängt entscheidend von der Entwicklung des Krieges ab”, räumt die Brüsseler Behörde in ihrem Frühjahresbericht ein. Wie wir wissen, will die Ukraine schnellstmöglich in die EU. Allerdings muss erst der Krieg zu Ende sein und dann müssen wirklich Reformen in Politik und Wirtschaft erst einmal greifen. Und war da nicht noch etwas mit Korruption und chronisch niedrigen Investition… Bei aller Euphorie über die Erfolge der Ukraine im Krieg gegen Russland, muss die EU das mit einkalkulieren.

Das Rheinmetall jetzt ein Zweigwerk in der Ukraine errichtet, ist jedem klar, der die Zerstörung der hochkomplexen Waffen in den Medien verfolgt. Sie müssen schnell repariert und die störungsanfälligen Elektronikteile gewartet werden.

Unsere Nachbarn in der Schweiz sind bereits einen Schritt weiter. Sie investieren bereits wieder in der kriegsversehrten Ukraine, obwohl der Krieg noch im Gange ist. Nestle etwa baut seine Suppenfabrik in Smolyhiv  für immerhin 40 Millionen Franken aus. Und mindestens neun weitere Unternehmen aus der Schweiz wollen so rasch wie möglich in die Wiedererstarkung der ukrainischen Wirtschaft investieren. Nur warum? Und warum schon jetzt? Henrique Schneider, designierter Direktor des Gewerbeverbands in der Schweiz, sagt es so: Die Lage, die niedrigen Kosten, vor allem aber die Arbeitsmoral der Ukrainerinnen und Ukrainer würden selbst die hohe Korruption wettmachen. Immerhin haben die Eidgenossen bereits einen Fuß wieder in der Tür, während die anderen noch vor der Tür stehen und zögern, überhaupt anzuklopfen.