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Der Clubfonds-Ticker
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Platzt eine neue Blase?

Viele werden sich jetzt die Augen reiben und fragen: Welche Blase denn? Es läuft doch alles wie geschmiert – es geht rauf und runter, meistens gen Norden.

Doch jetzt kommt das große „Aber“ …

Einige unserer Leser erinnern sich sicherlich an den Zusammenbruch des Neuen Marktes vor rund 25 Jahren. Vieles erinnert derzeit an die dramatische Börsenentwicklung von damals: Wieder schießen Tech-Aktien in die Höhe, wieder fließt Kapital in alles, was nach Zukunft klingt. Die Wall Street taumelt zwischen Hype und Furcht. Anleger und Finanzexperten fragen sich:

Wiederholt sich mit dem Boom um Künstliche Intelligenz die Geschichte der Internetblase?

Nach einer Rekord-Rally haben KI-bezogene Unternehmen in der vergangenen Woche rund 800 Milliarden Dollar an Marktwert verloren. Besonders hart traf es NVIDIA, das alleine etwa 350 Milliarden Dollar an Wert einbüßte. Microsoft verlor über 150 Milliarden, während Meta und Oracle ebenfalls deutliche Verluste hinnehmen mussten.

Laut der Financial Times haben die vier Tech-Giganten Alphabet, Amazon, Meta und Google im dritten Quartal zusammen 112 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur investiert. Diese enormen Ausgaben werden zunehmend über Kredite finanziert – ein Verhalten, das einige Experten stark an die verhängnisvolle Dotcom-Blase des Jahres 2000 erinnert.

Die Parallelen zur Jahrtausendwende sind beunruhigend. Damals führten übertriebene Erwartungen an das Internet zu einer spekulativen Blase, die schließlich platzte und Billionen von Dollar vernichtete. Viele Unternehmen, die nie profitabel waren, erreichten astronomische Bewertungen, bevor die Realität einsetzte.
Heute sehen Kritiker ähnliche Muster bei KI-Unternehmen, die trotz fehlender nachhaltiger Geschäftsmodelle hoch bewertet werden. Selbst OpenAI schreibt enorme Verluste. Das Unternehmen soll im dritten Quartal rund 12 Milliarden Dollar verloren haben – einer der größten Quartalsverluste in der Tech-Geschichte.

Das geht aus Microsofts Geschäftsbericht hervor, der die enormen Kosten der KI-Entwicklung offenlegt. Der Verlust übertrifft damit die Umsätze von OpenAI um das Dreifache. Diese Zahlen waren tief in den SEC-Unterlagen vergraben, die Microsoft bei der US-Börsenaufsicht einreichen musste. Der Umsatz von OpenAI für die erste Jahreshälfte 2024 betrug etwa 4,3 Milliarden Dollar – das Unternehmen verlor also das Dreifache seines Halbjahresumsatzes in nur einem Quartal. Als UBS-Analyst Karl Keirstead in der Telefonkonferenz nach der 4,1-Milliarden-Dollar-Investition fragte, erhielt er nur ausweichende Antworten von Microsoft-CFO Amy Hood. Das gibt zu denken.

Auch die Aussage von OpenAI-CEO Sam Altman beruhigt Anleger nicht unbedingt. In einem Vortrag erklärte er:

„Ob wir 500 Millionen Dollar im Jahr verbrennen oder fünf Milliarden – oder 50 Milliarden im Jahr – ist mir egal, ehrlich gesagt. Es wird teuer werden. Es ist es absolut wert.“

Eine bemerkenswert überhebliche Aussage – zumal es überwiegend nicht sein eigenes Geld ist, das da im Feuer steht.

Die enormen Kosten entstehen durch die Anforderungen der KI-Infrastruktur und Forschung. Die Entwicklung und der Betrieb großer Sprachmodelle erfordern riesige Arrays spezialisierter Computerchips, enorme Rechenzentren und ständige Weiterentwicklung durch hochbezahlte Entwickler und Forscher. Altman kündigte kürzlich an, dass OpenAI sich zu 30 Gigawatt Infrastruktur verpflichtet habe – eine finanzielle Verpflichtung von 1,4 Billionen Dollar über die nächsten Jahre.

Natürlich ist es nicht so, dass OpenAI gar kein Geld verdient. Das Unternehmen generiert mit ChatGPT und anderen Produkten erhebliche Umsätze, doch die Ausgaben für Forschung, Infrastruktur und Talentakquise übersteigen die Einnahmen bei weitem. OpenAI bleibt daher auf externe Finanzierung angewiesen, um seine ambitionierten Ziele zu erreichen.

Wiederholt sich mit dem Boom um Künstliche Intelligenz die Geschichte der Internetblase?
Nein, aber eine Überhitzung liegt nach Ansicht vieler Marktbeobachter durchaus vor.

Im Unterschied zur Dotcom-Blase verdienen die beteiligten Unternehmen heute in anderen Geschäftsbereichen sehr viel Geld, sodass ein mögliches Platzen der KI-Blase nicht zum Zusammenbruch der gesamten Märkte führen dürfte.

Folglich könnten jedoch einige ETFs ins Rutschen geraten. So haben die Kollegen des Spiegel einmal nachgerechnet:
Demnach würden bei einem größeren Absturz die Aktienkurse der sogenannten „Magnificent Seven“ – also Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta, Nvidia und Tesla – um bis zu 70 Prozent einbrechen. Solch ein Rückgang würde unweigerlich auch andere Unternehmen mitreißen. Binnen zwölf Monaten könnte es zu einem umfassenden Abverkauf kommen, bei dem auch andere Titel um etwa 30 Prozent fallen. Unter dem Strich würde der MSCI World – und damit auch die ETFs auf diesen Index – in einem solchen Szenario rund 40 Prozent einbüßen.

Wie schnell sich ein solcher Kursrutsch wieder aufholen ließe, weiß niemand.
Fakt ist jedoch: Viele Groß- und Kleinanleger warten nur auf solche Gelegenheiten, um sich günstig wieder einzudecken.

Die nächste Rally kommt bestimmt – und dann will keiner abseits stehen.