Unser NDAC-Clubfonds-Wert Oracle ist in den letzten zwölf Monaten eine regelrechte Achterbahn gefahren. Als sehr gehypter KI-Profiteur zunächst massiv gestiegen, folgte nach dem Allzeithoch im September 2025 ein brachialer Kurseinbruch. In den vergangenen Wochen deutet sich nun im Chart eine potenzielle Bodenbildung an – na ja, zumindest kurzfristig. Diese Annahme könnte eine positive Reaktion auf die am 10. März 2026 vorgelegten Geschäftszahlen sein, die zusätzlichen Auftrieb verliehen haben. Die Frage ist jedoch, ob es sich dabei nur um ein kurzes Strohfeuer in einem weiterhin intakten Abwärtstrend handelt.
Der Oracle-Konzern von Larry Ellison bekam im vergangenen Jahr neuen Schwung; wesentlicher Treiber waren die KI-Träume. Allerdings, so groß die anfängliche Euphorie des Marktes über die Geschäftsperspektiven im Bereich Cloud-Infrastruktur auch war: Nach dem Allzeithoch im September 2025 bei 345,72 Dollar setzte Ernüchterung ein. Auf den zuvor erzielten Anstieg seit April 2025 von fast 200 Prozent folgte bis zum Verlaufstief im Februar 2026 ein Kursrückgang von über 60 Prozent.
Die durch KI-Großaufträge und starke Zahlen in der Cloud-Sparte ausgelöste Wachstumsfantasie wich zunehmender Skepsis wegen der enormen Investitionen, der sogenannten Capex-Ausgaben, die Oracle in den Ausbau seiner Cloud-Infrastruktur stecken musste, um die steigende Nachfrage der Kunden bedienen zu können. Dazu gehören Rechenzentren, die mit entsprechender KI-Hardware wie Hochleistungsservern mit GPUs ausgestattet sind. Es handelte sich dabei nicht um punktuelle Ausgaben, sondern um strukturelle Großprojekte, für die Oracle generell zunächst in Vorleistung gehen muss. Und diese Ausgaben stiegen massiv: Sie kletterten von 6,9 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2023/24 auf 21,2 Milliarden Dollar in 2024/25. Für das laufende Geschäftsjahr 2025/26 liegt die Capex-Prognose bei rund 50 Milliarden Dollar.
Normalerweise lassen sich solche Investitionen in einem milliardenschweren Unternehmen aus dem Cashflow realisieren. Das Kernproblem dieses enormen KI-Investitionsprogramms ist jedoch, dass die dafür benötigten finanziellen Mittel bei weitem nicht vollständig aus dem operativen Cashflow gedeckt werden können – eine Entwicklung, die sich fortsetzen könnte. Daher musste weiteres Fremdkapital aufgenommen werden, wodurch die Verschuldung deutlich gestiegen ist. Allein in den letzten zwölf Monaten legte sie von 96,3 auf 162,2 Milliarden US-Dollar zu. Die Nettoverschuldung erhöhte sich von 78,5 auf 123 Milliarden US-Dollar. Die damit verbundenen Sorgen schlugen sich am Markt in kräftig gestiegenen Kreditausfallversicherungen (CDS – Credit Default Swaps) nieder. Damit entwickelte sich unser NDAC-Clubfonds-Wert wie viele andere zu einem KI-Kreditrisikoindikator. Das Ausfallrisiko war zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit 2009 gestiegen – eine Entwicklung, die auch den Aktienkurs belastete. Inzwischen hat sich jedoch eine spürbare Entspannung eingestellt, nachdem das Unternehmen im Februar seinen Finanzierungsplan vorstellte und damit vorerst die Unsicherheit auflöste, wie viel neues Fremdkapital Oracle aktuell aufnehmen würde.
Die Zahlen haben die Investoren ebenfalls wieder beruhigt. Vor allem die Cloud-Sparte als Oracles größtes und wachstumsstärkstes Geschäftsfeld hat abgeliefert. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2025/26 stieg der Umsatz in diesem Segment im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 35 Prozent auf 24,1 Milliarden Dollar. Er wuchs damit deutlich stärker als der Konzernumsatz insgesamt, der um 16 Prozent auf 48,2 Milliarden Dollar zulegte. Gleichzeitig erhöhte sich der Umsatzanteil der Cloud-Sparte von 43 auf 50 Prozent – ein Hinweis auf ihre zunehmende Bedeutung für das Unternehmen.
Auch das jüngste Quartal sah keineswegs nach Untergang aus. Der Gewinn lag mit 1,79 Dollar je Aktie klar über den Erwartungen von 1,70 Dollar. Mit einem Umsatz von 17,2 Milliarden Dollar wurden auch die Analystenschätzungen von 16,9 Milliarden übertroffen. Auf Jahressicht entspricht dies einem Umsatzplus von 22 Prozent und einem Gewinnsprung von 21 Prozent.
Nahezu alle Konzernsparten haben dazu beigetragen:
- NetSuite Cloud ERP: +14 %
- Fusion Cloud ERP: +17 %
- Cloud Applications: +13 %
- Cloud Database: +35 %
Unser Wert wächst also auch abseits des allseits zitierten Infrastrukturgeschäfts, das ein Umsatzplus von 84 Prozent auf 4,9 Milliarden Dollar verzeichnet hat und inzwischen fast ein Drittel des Konzernumsatzes ausmacht.
Entscheidend ist: Oracle wirtschaftet weiterhin profitabel. Im Neunmonatszeitraum wurden ein operativer Gewinn von 14,5 Milliarden Dollar und ein Nachsteuergewinn von 12,8 Milliarden Dollar erzielt. Die operative Gewinnmarge lag damit bei 30 Prozent und damit auf einem starken Niveau. Die Frage ist, ob dieses Niveau gehalten werden kann, denn die bestehenden KI-Kreditrisiken bleiben bestehen. Spätestens im Juni, wenn die Zahlen für das Schlussquartal 2025/26 veröffentlicht werden, wird Oracle konkrete Angaben über seine weiteren Investitionspläne machen müssen. Je nachdem, wie viele weitere zig Milliarden in den Ausbau der Infrastruktur investiert werden müssen, könnten neue Sorgen über Verschuldung und Cashflow aufkommen – verbunden mit der Kernfrage, ob sich diese Investitionen irgendwann rechnen werden.
Oracle ist ein Paradebeispiel dafür, was Gier, Angst und Schlagzeilen bewirken können. Das Unternehmen wurde zeitweise als großer KI-Gewinner gehandelt. Der Markt entdeckte, dass das Unternehmen mit seiner Cloud-Infrastruktur und seinen Rechenzentren eine wichtige Rolle beim Training von KI-Modellen spielen könnte. Letztendlich aber zählen weniger Hype und Überschriften als die Geschäftszahlen als realer Gradmesser. In den kommenden Quartalen wird sich zeigen, ob die Verschuldungsorgie irgendein substantielles Ergebnis hervorbringt.