Die meisten verkauften Rechner laufen weiterhin mit Windows in seinen verschiedenen Versionen; einige sind zwar mit Linux ausgestattet, doch das bildet nach wie vor die Minderheit.
Das könnte sich nun ändern: Microsoft bekommt ernst zu nehmende Konkurrenz – aus Europa.
Unter der Federführung der Branchengrößen IONOS und Nextcloud wurde in Berlin eine neue europäische Initiative vorgestellt, die eine eigene freie Office‑Suite namens „Euro‑Office“ entwickelt.
IONOS ist ein führender europäischer Internet‑ und Cloud‑Anbieter mit Sitz in Montabaur und Teil der United Internet AG. Nextcloud ist eine auf einem ownCloud‑Fork basierende freie Software für das Speichern und Verwalten von Dateien, Kalendern, Kontakten und weiteren Daten auf einem Server.
Warten wir ab, inwieweit sich diese neue Software gegen etablierte Anbieter durchsetzen kann.
Starke Zahlen im zweiten Quartal 2026
Die Microsoft Corporation hat für das zweite Quartal ihres Geschäftsjahres 2026 starke Ergebnisse vorgelegt und die Erwartungen der Analysten übertroffen:
- Gewinn: 4,14 USD (Erwartung: 3,93 USD)
- Umsatz: 81,3 Mrd. USD (Erwartung: 80,23 Mrd. USD)
Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 17 %, maßgeblich getragen durch das Cloud‑Segment. Strategische Investitionen in KI‑ und Cloud‑Infrastruktur stärken Microsofts Wettbewerbsposition deutlich.
Für das dritte Quartal erwartet das Unternehmen einen Umsatz zwischen 80,65 und 81,75 Mrd. USD, was einem Wachstum von 15–17 % entspricht.
Die Bruttomarge der Microsoft Cloud soll bei etwa 65 % liegen, während Azure währungsbereinigt um 37–38 % wachsen soll.
Microsoft investiert intensiv in KI‑Rechenleistung und Fachkräfte, um weiteres Wachstum voranzutreiben.
CEO Satya Nadella betonte das enorme Potenzial der KI und erklärte:
„Wir befinden uns in der Anfangsphase der KI‑Verbreitung und ihrer weitreichenden Auswirkungen auf das BIP.“
Zudem hob er hervor, dass Microsoft zunehmend auf Effizienzkennzahlen wie „Token pro Watt pro Dollar“ optimiert.
Risiken und Herausforderungen
Trotz der starken Fundamentaldaten sieht sich Microsoft aktuell einer Reihe von Risiken gegenüber:
- Lieferkettenprobleme könnten Verfügbarkeit und Kosten von Hardware beeinflussen.
- Zunehmender Wettbewerb im Cloud‑ und KI‑Bereich drückt auf die Margen.
- Makroökonomische Unsicherheiten könnten Budgets für KI‑Investitionen und IT‑Erneuerungen beeinträchtigen.
- Regulatorische Prüfungen in mehreren Märkten stellen operative Risiken dar.
- Fachkräftemangel und steigende Lohnkosten belasten die gesamte IT‑Branche.
Während des Earnings Calls fragten Analysten nach der Kapitalallokation, insbesondere im Bereich KI und Cloud. Microsoft erläuterte seine Halbleiterstrategie (Maia‑ und Cobalt‑Chips) sowie den Fokus auf langfristige Verträge, Auslastung und die strategische Rolle der KI in Unternehmensprozessen.
Ende des Monats folgt der nächste Quartalsbericht – er wird zeigen, wie gut Microsoft diese Herausforderungen bewältigt.
Die Aktie: Schwächerer Kursverlauf trotz Top‑Kennzahlen
Nach Jahren der Stärke zeigt sich 2026 ein anderes Bild: Die Microsoft-Aktie befindet sich in einer schwierigen Phase.
Trotz hoher Umsätze, Cloud‑Wachstum und massiver KI‑Investitionen rutscht der Kurs immer wieder ab. Mehrere Marktberichte sprechen von:
- anhaltender Schwäche,
- tiefroten Kursbewegungen,
- neuen Mehrmonats- oder Jahrestiefs.
Ein wesentlicher Grund: das enorme Engagement im KI‑Bereich.
Diese Investitionen versprechen langfristig enormes Potenzial, belasten jedoch kurzfristig die Margen – viele Anleger beziehen dies bewusst in ihre Bewertung ein.
Auch die enge Verbindung zu OpenAI spielt eine Rolle:
Die Partnerschaft ist strategisch wertvoll, birgt aber Risiken. Sollten sich Umsätze, Innovationen oder der ROI verzögern, trifft dies unmittelbar Microsofts Bewertung.
Warum Microsoft trotz Kursrückgang attraktiv bleibt
Trotz der aktuellen Kursprobleme gibt es fundamentale Gründe, warum viele Anleger Microsoft weiterhin positiv sehen:
- Microsoft ist einer der größten Software- und Cloud‑Provider weltweit.
- Umsatz und Gewinn, insbesondere in Cloud‑Services und KI‑Anwendungen, wachsen weiterhin kräftig.
- Die Nachfrage nach digitalen Lösungen bleibt global hoch.
- Europas Bestrebungen nach „technologischer Eigenständigkeit“ ändern an Microsofts globaler Bedeutung wenig.
Langfristig bleibt Microsoft ein zentraler Akteur der digitalen Wirtschaft – und damit ein strategisch wichtiger Wert im NDAC‑Clubfonds.