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Der Clubfonds-Ticker
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Neues von unseren NDAC‑Clubfondswerten – heute BioNTech

Es ist lange her, dass wir etwas über unseren NDAC‑Clubfondswert BioNTech geschrieben haben – der Wert lief einfach unter dem Radar. Die deutsche Biotech‑Branche ist schon länger nicht mehr entscheidend durch neue Impulse aufgefallen.

Umso mehr kam es wie ein Paukenschlag, dass die Gründer des Mainzer Unternehmens, Uğur Şahin und Özlem Türeci, das Unternehmen verlassen werden. Das Ehepaar scheide spätestens Ende 2026 aus, wolle aber Anteilseigner bleiben, teilte BioNTech in Mainz mit. Schön ist, dass sich beide Forscher nicht in den Ruhestand verabschieden, sondern ein neues Unternehmen gründen möchten. Dieses soll sich auf die Entwicklung von mRNA‑Technologien der nächsten Generation fokussieren. BioNTech plant nach eigenen Angaben, bestimmte Rechte und Technologien in die neue Firma einzubringen und sich im Gegenzug mit einer Minderheitsbeteiligung zu beteiligen. Zudem seien laut Unternehmen mögliche Meilensteinzahlungen und Lizenzgebühren vorgesehen.

Der Ausstieg der Unternehmer und ein Milliardenverlust im vergangenen Jahr haben der Aktie des Mainzer Unternehmens schwer zugesetzt. Im vorbörslichen Handel brach das Papier um mehr als 22 Prozent ein; die Aktie rutschte in einer ersten Reaktion massiv ab. Die eigentlichen Zahlen rückten dadurch in den Hintergrund – logisch, denn Şahin und Türeci gelten als Pioniere der mRNA‑Technologie. Weltweit bekannt wurden sie während der Corona‑Pandemie, als BioNTech gemeinsam mit Pfizer den ersten in der EU zugelassenen mRNA‑Impfstoff gegen Covid‑19 entwickelte und damit eine wahre Goldgrube erschloss.

„In den vergangenen 18 Jahren haben wir BioNTech von einem Start‑up zu einem globalen biopharmazeutischen Unternehmen mit einer starken und diversifizierten Pipeline aufgebaut. Während der Covid‑19‑Pandemie haben wir unser Engagement über die Onkologie hinaus erweitert und den ersten zugelassenen mRNA‑Impfstoff entwickelt, der zum Schutz von Menschen weltweit beigetragen hat. Heute ist das Unternehmen sehr gut aufgestellt, seine Mission weiter voranzutreiben und sich zu einem kommerziellen Biopharma‑Unternehmen mit mehreren zugelassenen Produkten zu etablieren“, so Şahin.

BioNTech will seine strategische Ausrichtung künftig stärker auf die Entwicklung und Vermarktung neuer Medikamente konzentrieren, vor allem im Bereich der Krebsforschung. Das Unternehmen arbeitet derzeit an mehreren Wirkstoffkandidaten, darunter mRNA‑basierte Therapien und sogenannte Antikörper‑Wirkstoff‑Konjugate.

Im Zusammenhang mit dem Rückzug der beiden Unternehmenspersönlichkeiten schauten Anleger erst in zweiter Linie auf die Zahlen, die kurz darauf veröffentlicht wurden – und diese sehen leider nicht sehr rosig aus. Der Umsatz lag im vierten Quartal mit 907,4 Millionen Euro zwar unter dem Vorjahreswert von 1,2 Milliarden Euro, aber über den von Analysten erwarteten 754,8 Millionen Euro. Allerdings musste BioNTech einen deutlichen Verlust hinnehmen: 1,25 Euro je Aktie betrug das Minus im vierten Quartal. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen noch einen Gewinn von 1,08 Euro je Aktie erzielt. Auch für das vierte Quartal war vom Markt ein kleines Plus erwartet worden. Mit liquiden Mitteln von 17,2 Milliarden Euro verfügt BioNTech jedoch weiterhin über ein starkes finanzielles Fundament.

Der Aufsichtsrat hat laut Unternehmen bereits mit der Suche nach Nachfolgern für die Führungspositionen begonnen. Der Übergang soll geordnet erfolgen. Şahin wird den Posten des Vorstandschefs Ende des Jahres abgeben, Türeci zeitgleich die Position der Chief Medical Officer. Danach wechseln beide in das neue Unternehmen.

Geplant ist laut BioNTech, Rechte und mRNA‑Technologien in das neue Unternehmen einzubringen. Im Gegenzug erhält BioNTech eine Minderheitsbeteiligung an der neuen Firma sowie Lizenzgebühren. Auch Meilensteinzahlungen seien vereinbart worden – BioNTech wird also bei Erreichen bestimmter Entwicklungsschritte Geld vom neuen Unternehmen erhalten. Eine bindende Vereinbarung hierzu soll bis Ende des ersten Halbjahres 2026 abgeschlossen werden, erklärte BioNTech.

BioNTech verdiente in der Vergangenheit Milliarden und expandierte kräftig. Şahin und Türeci erhielten zahlreiche renommierte Auszeichnungen, darunter 2021 das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und 2022 gemeinsam mit ihrer einstigen Weggefährtin und späteren Nobelpreisträgerin Katalin Karikó den Paul‑Ehrlich‑ und Ludwig‑Darmstaedter‑Preis – einen der wichtigsten Medizinpreise Deutschlands.

Die Ankündigung dieses Ausstiegs erfolgt einige Monate nach einem großen Deal in der deutschen Biotechnologie‑Branche: BioNTech hatte den einstigen Konkurrenten im Rennen um einen Corona‑Impfstoff, das Tübinger Unternehmen CureVac, übernommen. Zuvor hatten BioNTech und CureVac ihren Streit um Corona‑Vakzin‑Patente beigelegt.

Wie das neue Unternehmen heißen wird, wo es sitzt und welche Rechtsform es erhält, ist noch nicht bekannt. Es soll aber definitiv keine Tochtergesellschaft von BioNTech werden. Für Şahin und Türeci ist es nach BioNTech (2008) und Ganymed Pharmaceuticals (2001) die dritte Unternehmensgründung.

Auch wenn das Papier stark gefallen ist, rät der Autor nicht unbedingt zum Verkauf der Aktie. Anleger sollten zunächst prüfen, wie die Details des Deals aussehen und wer künftig das neue Gesicht von BioNTech wird. Unser NDAC‑Clubfondswert bestand nicht nur aus den Gründern. Das Unternehmen ist sehr gut aufgestellt, um sich als kommerzielles Biopharma‑Unternehmen mit mehreren zugelassenen Produkten zu etablieren. Das werden Şahin und Türeci, die trotz ihres wirtschaftlichen Erfolgs im Herzen stets Wissenschaftler geblieben sind, nun ein Stück weit von der Seitenlinie aus begleiten.