Jedes Jahr im September verhandeln in Monaco die Versicherungsriesen über die Prämie der Erstversicherer an die Rückversicherer. Dabei treffen sich Rückversicherer wie Munich Re, Swiss Re und Hannover Rück mit Erstversicherern wie Allianz, Axa oder Generali sprechen über die Konditionen für die Erneuerung zum Jahreswechsel. Es handelt sich dabei um den wichtigsten Termin für die Branche. Schon im April und Juli musste die Rückversicherungsbranche Preisrückgänge akzeptieren, die seit Jahresbeginn im Schnitt zwischen einem und zwei Prozent liegen, bereinigt um Inflation und Risikoveränderungen.
Munich Re betonte immer wieder, auf faire Preise und Bedingungen zu achten. Der Bedarf an Absicherung werde so hoch bleiben, erklärte Munich Re-Vorstandsmitglied Stefan Golling. Naturkatastrophenschäden übersteigen seit 2020 jährlich die Marke von 100 Milliarden Dollar, im ersten Halbjahr 2025 waren es bereits 80 Milliarden – das ist der zweithöchste Wert seit 1980. Neue Unsicherheiten entstehen zudem durch Inflation und unberechenbare Zollpolitik. Dabei erwartet die Munich Re im margenstarken Schaden- und Unfallsegment nach dem dynamischen Preisanstieg der vergangenen Jahre nun eine Stabilisierung auf hohem Niveau bzw. leicht sinkende Preise. Seit Jahresbeginn ist jedoch eine Trendwende bei den Rückversicherungspreisen zu beobachten, wobei NDAC-Clubfondswert zuletzt bei der jüngsten Vertragserneuerungsrunde im Juli Preisrückgänge beim Neugeschäft von 2,5 Prozent hinnehmen musste.
Operativ konnte die Munich Re zuletzt mit sehr starken Zahlen im dritten Quartal überzeugen. So verbesserte sich der bereinigte operative Gewinn unerwartet deutlich von 1,19 Milliarden Euro auf 3,36 Milliarden Euro, womit die Konsenserwartungen von 2,67 Mrd. Euro deutlich übertreffen wurden. Auch beim bereinigten Nettogewinn schnitt der Rückversicherer mit einem Anstieg von 907 Millionen Euro auf 2,00 Milliarden Euro besser als erwartet ab. Profitieren konnte der Münchener Branchenprimus von einem deutlichen Rückgang bei den Großschadensbelastungen, nachdem man in der ersten Jahreshälfte unter anderem aufgrund der verheerenden Waldbrände in Los Angeles hohe Schadensbelastungen schultern musste. So summierten sich die Großschadensbelastungen im Schaden- und Unfall-Rückversicherungs-Segment im dritten Quartal auf gerade einmal 118 Millionen Euro, während man im Vorjahreszeitraum Schadensbelastungen in Höhe von rund 1,3 Milliarden Euro zahlen musste. Stark abgeschnitten hatte auch die Erstversicherungstochter ERGO, die das bereinigte operative Ergebnis mit 304 Millionen Euro auch dank des Zukaufs des US-Versicherers NEXT knapp verdoppeln konnte.
Nach dem insgesamt starken Abschneiden bestätigte die Munich Re im Anschluss die Jahresprognose und rechnet weiterhin mit einem bereinigten Nettogewinn von rund 6,0 Mrd. Euro. Da die Münchener Rück nach neun Monaten bereits einen Nettogewinn von 5,2 Mrd. Euro vorzuweisen hat, dürfte die Münchener Rück das Gewinnziel für das laufende Fiskaljahr problemlos erreichen, obwohl man im vierten Quartal in Zusammenhang mit dem Hurricane “Melissa” in der Karibik von einer Schadensbelastung im dreistelligen Millionen Euro-Bereich ausgeht.
Bei aller Robustheit der aktuellen Zahlen zeigt die Münchener Rück damit eine charakteristische Vorsicht. Der Versicherungsriese macht Gewinne, wo es geht, aber riskiert nichts – eine Strategie, die in unruhigen Zeiten durchaus ihre Berechtigung haben dürfte.
Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) erwartet für 2025 einen Rückgang der Eigenkapitalrendite auf 12 bis 14 Prozent, nach über 21 Prozent 2023 und fast 17 Prozent 2024. 2026 soll diese sogar nur noch bei 11 bis 13 Prozent liegen. S&P sieht jedoch dennoch eine stabile Entwicklung der Branche. Auch A.M. Best hält an seiner positiven Einschätzung fest, da die Preise trotz Rückgangs immer noch deutlich über dem Niveau von 2017 liegen.
Nach dem starken Abschneiden in den vergangenen drei Quartalen sieht man sich weiter auf Kurs, in 2025 mit sechs Milliarden Euro einen neuen Rekordgewinn einfahren zu können. Da man im ersten Halbjahr bereits kumuliert 3,2 Mrd. Euro beim Nettoergebnis erzielt hat, sollte Munich Re dieses ambitionierte Gewinnziel sicher erreichen können. Auch fundamental macht unser Depotwert eine gute Figur. Nach den zuletzt gesehenen Rücksetzern weist die Aktie auf Basis der Schätzungen für 2026 ein KGV von 10,6 auf, während die Dividendenrendite ebenfalls zukünftig attraktiv ausfällt. Das laufende Aktienrückkaufprogramm über zwei Milliarden Euro sollte den Kurs außerdem nach unten absichern.
Da die Nachfrage nach qualifiziertem Rückversicherungs-Schutz angesichts der weiter steigenden Großschadensrisiken in Zusammenhang mit den Auswirkungen des Klimawandels weiter hoch bleiben dürfte, bleiben die Aussichten für die Munich Re im Kerngeschäft weiter vielversprechend. Entsprechend rechnet der Analystenkonsens nach einem EPS von knapp 58 Euro für 2026 bereits mit einem Gewinn von rund 50 Euro/Aktie, womit das KGV auf 10,67 sinkt, was auch im Branchenvergleich moderat erscheint.
Attraktiv ist die Munich Re auch aufgrund der aktionärsfreundlichen Ausschüttungspolitik. So rechnet der Analystenkonsens für 2025 mit einer Rekord-Dividende von 22,00 Euro je Aktie, nachdem man im Vorjahr 20,00 Euro je Aktie an die Aktionäre ausgeschüttet hatte. Damit liegt die Dividendenrendite aktuell bei knapp attraktiven 4,2 Prozent. Das laufende Aktienrückkaufprogramm über 2 Mrd. Euro sollte die Aktie außerdem nach unten absichern. Auch das Konzernmanagement scheint von den weiterhin positiven Aussichten im operativen Geschäft überzeugt zu sein, was die jüngsten Insiderkäufe eindrucksvoll belegen. So erwarb CFO Dr. Christoph Jurecka Mitte November Anteilsscheine im Gesamtwert von 325.560 Euro. Auch Vorstandsmitglied Marie-Lizette Malherbe nutzte die zuletzt gesehenen Rücksetzer unseres NDAC-Clubfondswertes für Zukäufe und erwarb Anteilsscheine im Gesamtwert von 198.485 Euro. Wir bleiben auch dabei…