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Momentaufnahmen und längerfristige Entwicklungen

Ihr Torsten Arends, Geschäftsführung des NDAC

Auch wenn es nur eine Momentaufnahme ist, der ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Februar von 90,1 im Vormonat auf 91,1 Punkte. Aber es ist bereits der vierte Anstieg in Folge, so dass wir eine konjunkturelle Erholung für die Wirtschaft durchaus herleiten können. Es gibt aber durchaus Probleme, denn mit den aktuellen Geschäften waren die Unternehmen zwar weniger zufrieden als im Januar, die Erwartungen mit Blick auf die nächsten sechs Monate aber legten hingegen zu.

Unterdessen wurde die in einer Erstschätzung für Deutschland gemeldete Inflationsrate in Höhe von 8,7 Prozent für den Januar bestätigt. Besorgniserregender als die Gesamtrate dürfte aus Sicht der EZB die Beschleunigung der Kerninflation von 5,2 auf 5,6 Prozent sein. Dieser Schub kommt zunehmend von den Dienstleistungspreisen (plus 4,5 Prozent), wobei der Anstieg der Mieten um zwei Prozent den Durchschnitt noch etwas dämpft. Für viele Dienstleistungen sind bekanntlich die Löhne der wichtigste Kostenfaktor. Die jüngsten Lohnerhöhungen lösen jetzt erste Zweitrundeneffekte aus. Wir sehen es an den Tarifforderungen der Gewerkschaften und ersten Arbeitslegungen. Die Bundesbank schrieb in ihrem Monatsbericht, diese Effekte würden dazu beitragen, dass die Inflationsrate für längere Zeit über dem mittelfristigen Ziel von zwei Prozent für den Euroraum bleiben werde. Da diese Zweitrundeneffekte auch in anderen Ländern zu beobachten sind, könnte die EZB die Leitzinsen stärker als erwartet anheben und sie länger auf hohem Niveau belassen.

Gemäß einem an den Märkten vielbeachteten Frühindikator – den Einkaufsmanagerindizes, für die tausende Unternehmen befragt werden – hat sich die Stimmung im Euroraum im Februar weiter verbessert. Der Gesamtindex stieg zum Vormonat um 2,0 Punkte auf 52,3 Zähler, den besten Wert seit neun Monaten. Die Stimmungsaufhellung geht allerdings komplett auf den Dienstleistungssektor zurück, wohingegen sich die Stimmung in der Industrie leicht eintrübte.

Alle Jahre wieder, in den USA gibt es ein Problem, das sich bald auf die Märkte auswirken könnte. Es geht wieder einmal um die Schuldenobergrenze. Seit Erreichen der Schuldenobergrenze von 31,4 Billionen Dollar am 19. Januar finanziert sich das US-Finanzministerium über sogenannte außerordentliche Maßnahmen. Zusätzlich stehen liquide Mittel von aktuell rund 490 Milliarden US-Dollar bereit. Sollte sich der US-Kongress zuvor nicht auf eine neue Obergrenze einigen, dürfte der Finanzierungsspielraum laut Analysten im August oder September erschöpft sein. Zwar sollte es den politisch Verantwortlichen auch diesmal gelingen, einen bisher nie dagewesenen Zahlungsausfall abzuwenden – womöglich in letzter Minute, aber die Einigung der Republikaner mit den Demokraten dürfte sich wegen der knappen Mehrheitsverhältnisse im Kongress hinziehen und mit einigen Zugeständnissen der Biden-Regierung an die Opposition enden. Eigentlich wie jedes Mal… Nur ist so eine Hängepartie Gift für die Märkte.

Aktienrückkäufe pushen die Kurse der Unternehmen. Sie finden meist keine große Beachtung bei den Marktteilnehmern, weil die Aktionäre die Operationen abgesegnet haben. Die 500 größten US-Konzerne im Börsenindex S&P haben von Oktober 2021 bis Ende September 2022 eigene Anteile für 982 Milliarden Dollar zurückgekauft. Das zeigen Berechnungen des Bilanzexperten Howard Silverblatt vom Finanzdatenanbieter S&P Dow Jones. Im Jahr zuvor hatten die Konzerne für solche Rückkäufe noch 881 Milliarden Dollar ausgegeben. Die Unternehmen selbst sind damit die mit Abstand größte Käufergruppe an der Börse. Am meisten Geld für eigene Aktien gab 2022 Apple mit 88 Milliarden Dollar aus, gefolgt von Alphabet mit 60 Milliarden Dollar. Aber nicht nur in den USA gibt es Aktienrückkäufe, sondern auch in Deutschland, nur sind die Summen nominal nicht so hoch. Hier sind Linde mit knapp zehn Milliarden Dollar sowie Siemens und BASF mit jeweils drei Milliarden Euro die aktivsten Rückkäufer. Zuletzt kündigte Mercedes Rückkäufe für vier Milliarden Euro an. Der Aktienkurs stieg tags darauf um drei Prozent.

Bayer, Brenntag, Fresenius – kaum eine Woche vergeht, in der nicht der Einstieg eines aktivistischen Investors bei einem deutschen Unternehmen bekannt wird. Mittels einer mehr oder weniger großen Beteiligung versuchen die Fonds, die Strategie eines Unternehmens maßgeblich zu beeinflussen. Oftmals zielen die Forderungen in Richtung Aufspaltung oder Abspaltung von Konzernteilen, um so verborgene Werte frei zu setzen. Am Ende geht es fast ausnahmslos darum, den Aktienkurs nach oben zu bringen. Dieses Gebaren ist kein rein deutsches Phänomen. Laut der Lazard Capital Markets Advisory Group gab es im Jahr 2022 weltweit immerhin 235 Kampagnen von Aktivisten und damit 36 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei kommt es immer öfter vor, dass sich mehrere Aktivisten auf ein Unternehmen einschießen. Bekanntlich ist bei auch bei unserem Depotwert Bayer neben Inclusive mit Bluebell ein weiterer Hedgefonds eingestiegen. Das ist per se nicht schlecht, denn die aktivistischen Investoren wollen Geld verdienen mit ihrem Einstieg. Und das wollen Kleinanleger ebenfalls, also keine Panik.

Ein anderer Depotwert, die Deutsche Telekom, beglückt ihre Aktionäre mit einer Dividendenerhöhung von 0,64 auf 0,70 Euro. Im Schlussquartal stiegen die Umsätze des Konzerns insgesamt um 4 Prozent auf 29,8 Milliarden Euro, Analysten hatten allerdings mit 30,014 Milliarden Euro gerechnet. Das bereinigte EBITDA kletterte um 10,6 Prozent auf 9,964 Milliarden, verglichen mit einer Konsensprognose von 9,901 Milliarden. Wäre es nicht besser gewesen, die Konzernverbindlichkeiten zurückzuführen (steigende Zinsen)? Aber der Bundesbestand liegt aktuell bei 30,5 Prozent der Aktien, wovon 16,6 Prozent von der bundeseigenen KFW gehalten werden. Und Christian Lindner im Bundesfinanzministerium braucht das Geld wirklich für seinen Etat.