Alle starrten wieder wie das berühmt-berüchtigte Kaninchen auf die Schlange beim World Economic Forum (WEF) im Schweizerischen Davos. Obwohl er sich einigermaßen gemäßigt gab, der Don mit seiner Rede war dort der Höhepunkt. Ihr Autor hat es sich die angetan, die Rede des amerikanischen Präsidenten zu verfolgen. Wie zu erwarten, lobte er sich selbst über den Maßen in der zeitweise seltsam erratisch anmutenden Rede. Bis zum Beginn seiner zweiten Amtszeit vor einem Jahr seien die USA ein „totes Land“ gewesen und fügte hinzu: „jetzt sind wir das angesageste Land der Welt“, weiter ging es mit der Selbstbeweihräucherung. Was kann der amerikanische Präsident besonders gut? Genau: den Mund voll nehmen. Das hat er nicht nur während seiner episch langen Rede am WEF demonstriert.
Eins mag ja etwas realistisch klingen: „Die USA sind er Wirtschaftsmotor der Welt. Und wenn Amerika boomt, boomt die ganze Welt.“ Vielleicht nicht die ganze Welt, aber einige Länder schon.
Das Europa in seinen Augen nicht in die richtige Richtung geht, wussten wir schon vorher.Die militärische Option zur Besetzung der zu Dänemark gehörenden Insel Grönland („Wir brauchen das Stück Eis“) schloss er aus. Der frühere Immobilienmogul will die Insel kaufen.
Wie schnell sich alles ändert, sahen wir dann am Abend. Und damit stand er wieder im Mittelpunkt, wohin er nach seiner Meinung natürlich immer gehört. Die eigentlich ab Februar geltenden Strafzölle gegen die EU-Staaten, die es gewagt hatten, eine schnelle militärische Begutachtung des von ihm beanspruchten Stück Eis vorzunehmen, waren plötzlich vom Tisch. Ein Rahmenabkommen zu einer zukünftigen Vereinbarung zu Grönland sorgte dafür.
Laut Trump habe er im Rahmen des Weltwirtschaftsforums in Davos ein “sehr produktives Treffen” mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte gehabt. Dabei habe man den Rahmen für ein Abkommen über Grönland und die gesamte Arktis-Region abgesteckt. Was genau dieses Abkommen beinhalte, ließ Trump offen, doch sei die gefundene Lösung “eine sehr gute für die Vereinigten Staaten von Amerika und alle Nato-Staaten.” Zurzeit würden weitere Gespräche geführt. Verantwortlich für diese seien Vizepräsident JD Vance, Außenminister Marco Rubio sowie der eigentlich für Russland zuständige Sondergesandte Steve Witkoff (eigentlich hat der mit den Friedensverhandlungen mit Russland schon genug zu tun). Aber delegieren kann der Don, dass muss man schon sagen. Vor allen Dingen, wenn es eng wird.
Feststellen müssen wir aber auch, dass Europa zusammenstand im Kampf um Grönland. Nicht nur das dürfte den Don beeindruckt haben, sonder auch, dass sein Agieren nicht unbedingt auf ungeteilten Zuspruch bei seiner republikanischen Partei trifft. Die „Midterms“ dürften auch im Blickfeld der Partei stehen und vielleicht hat ihm ein Parteifreund verklickert, dass er nach den Zwischenwahlen als „Lame Duck“ enden könnte, wenn seine auf ihn zugeschnittene Partei die Wahlen wegen seiner Politik verliert. Man stelle sich einmal vor, der Don als „Lame Duck“, das würde er nicht verkraften 😉
Dann sind da auch noch die Märkte, die auch nicht gerade mehr euphorisch auf das, was der Präsident so von sich gibt und danach handelt, reagieren. Wobei, an die unabänderliche normative Kraft des faktischen und letztendlich an die alles überstrahlende Macht des Marktes, glaubend, sollte am Ende doch die Ratio siegen und der orange-häutige Greis, wenn schon nicht abdanken doch zumindest einlenken müssen.
Fakt ist jedenfalls auch, dass das Europäische Parlament die Zustimmung zu dem Mercosur-Abkommen nach 25 (!) Jahren Verhandlungszeit verweigerte. Das dürfte die Märkte auch wieder abkühlen, schließlich ist es ja so, dass die Abgeordneten damit ein wichtiges politisches Instrument der Kommission und damit der Wirtschaft aus den Händen schlugen. Das Abkommen wird erst einmal dem EuGH zur Prüfung vorgelegt. Das dauert dort wieder ewig. Da wird China schnell dem Mercosur einen Deal anbieten, zu dem nicht nein sagen können, zumal Peking sowieso den Markt dort ins Auge gefasst hat. Es gibt zwar noch die Möglichkeit, das Abkommen vorläufig in Kraft zu setzen. Aber das Vertrauen in die Kraft der EU hat gelitten. Jetzt werden andere Länder die EU ebenfalls mehr als „Lame Duck“ sehen. Ausgerechnet die deutschen Grünen haben in der äußerst knappen Abstimmung dagegen votiert. Es waren übrigens die Grünen, die immer davon sprachen, neue Bündnisse, fern der USA einzugehen, ach so?! Danke schön, europäisches Parlament!
Um noch einmal abschließend für heute auf die Zölle zurückzukommen. Unser NDAC-Clubfondswert Amazon warnt. Die Zollpolitik des US-Präsidenten lässt Amazon-Chef Andy Jassy zufolge die Verbraucherpreise in den Vereinigten Staaten allmählich steigen. Der weltgrößte Online-Händler und die auf der Plattform aktiven Händler hätten im vergangenen Jahr zwar erhebliche Warenbestände aufgebaut, bevor die Zölle in Kraft traten, sagte Jassy dem TV-Sender CNBC beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Diese Reserven seien jedoch im Herbst ausgegangen. Damit “kriechen” die Zölle nun auch in die Preise einiger Waren. Amazon selbst versuche stets, die Preise so niedrig wie möglich zu halten. Allerdings seien im Einzelhandelsgeschäft mit den traditionell niedrigen Margen die Optionen “nicht endlos”, sagte der Amazon-Chef. “Wenn bei den Leuten die Kosten um zehn Prozent steigen, gibt es nicht viele Stellen, an denen man das auffangen kann.” Trumps Regierung hatte Warnungen von Wirtschaftsexperten, dass letztlich US-Verbraucher die Kosten der Zölle tragen würden, stets zurückgewiesen. Der Präsident und seine Minister behaupten immer wieder, es gebe keine zusätzliche Inflation durch die Abgaben. Vielmehr machten die Zölle die USA reich und förderten Investitionen in die Produktion im Land, heißt es aus dem Weißen Haus. Nun ja, das kommt davon, wenn die Regierung inklusive eines Präsidenten beratungsresistent ist. Bis zu den „Midterms“ schlagen die Preise voll auf die Verbraucher durch, aber soweit denkt der Don vorerst nicht.