Gudesstraße 3- 5

29525 Uelzen

0581 / 973 696 00

Der Clubfonds-Ticker
Gudesstraße 3- 5

29525 Uelzen

0581 / 973 696 00

Freihandel zwischen Indien und der EU kommt langsam in die Gänge

Nicht ganz so lange wie bei Mercosur (25 Jahre), aber dennoch viel zu lange verhandelte die EU ein Freihandelsabkommen mit Indien, das nach 20 Jahren in der vergangenen Woche zwischen beiden Seiten geschlossen wurde und nun der Ratifizierung durch das EU-Parlament harrt. Zumindest dürfte keine Bauernlobby mit wütenden Protesten die Parlamentarier aufhalten, denn um Landwirtschaft geht es bei diesem jüngsten Freihandelsabkommen nicht.

Ganz so schnell dürften die Zölle auch danach nicht sinken. Innerhalb von fünf bis zehn Jahren sollen Zölle auf mehr als 99 Prozent aller Waren, die die EU aus Indien importiert, sowie auf 96 Prozent aller Waren, die Indien aus der EU einführt, schrittweise gesenkt oder abgeschafft werden. Die Auswirkungen auf die indische Wirtschaft sind erheblich, schließlich machen die Exporte in die EU rund ein Fünftel aller Warenexporte des Landes aus. Dagegen ist die Bedeutung Indiens als EU-Exportmarkt mit einem Anteil von rund zwei Prozent gering, was auch die verhaltene Marktreaktion erklärt. Selektiv dürften aus europäischer Sicht vor allem Unternehmen aus den Bereichen Industrie, Chemie und Automotive profitieren.

Indien dürfte mit prognostizierten Wachstumsraten von mehr als sechs Prozent auf absehbare Zeit die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft unter den G20 bleiben, weshalb das Potenzial für eine künftige Handelsausweitung aus EU-Sicht deutlich größer ist. Damit das Abkommen in Kraft tritt, bedarf es jedoch der Zustimmung des indischen und des europäischen Parlaments sowie des EU-Rates – ein Prozess, der im besten Fall noch in diesem Jahr abgeschlossen wird.

Vielleicht sollten die Unterhändler künftig nicht alles bis ins kleinste Detail aushandeln. Die Zeit drängt, wie wir alle wissen…

 

Indien statt China?

Selbst die sonst so chinafreundlichen deutschen Manager schüttelten nur noch den Kopf. Fünf Prozent Wachstum? Das glaube doch ohnehin niemand mehr, sagten sie. Was reitet die Führung in Peking, stur an diesem Wert festzuhalten? Merkt sie denn nicht, wie lächerlich sie sich damit macht und wie sie in der Bevölkerung noch mehr Vertrauen verliert? So ungefähr fielen die Reaktionen kürzlich aus, als China erneut ein Wirtschaftswachstum von fünf Prozent ankündigte. Mit der Stimmung und der gefühlten Wirtschaftslage vor Ort hat dieser Wert wenig zu tun. Statistiken sollte man nur glauben, wenn man sie selbst gefälscht hat – frei nach Churchill.

 

Die Weltwirtschaft zeigt sich trotz US-geführter Handelsstörungen unerwartet resilient. Für 2026 erwartet der Internationale Währungsfonds nach jüngsten Schätzungen ein globales Wachstum von 3,3 Prozent – gestützt auf nachlassende Handelsspannungen, expansive Fiskalpolitik, günstige Finanzierungsbedingungen sowie die hohe Anpassungsfähigkeit privater Akteure. Besonders positiv wirkt der kräftige Investitionsschub im IT-Sektor, getragen von Fortschritten in der Künstlichen Intelligenz. In den USA sind die IT-Investitionen auf den höchsten Stand gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) seit 2001 gestiegen – sie dürften mindestens ein Drittel des BIP-Wachstums erklären. Diese Investitionen erhöhen die Produktivität, stärken Unternehmensgewinne und fördern internationale Spillover, insbesondere in asiatischen Technologieexporten.

Im Gegensatz zur Dotcom-Ära verlaufen Bewertungsanstiege moderater und basieren stärker auf realen Erträgen. Die Erträge sind jedoch nicht so hoch, dass die Unternehmen ihre Investitionen allein daraus stemmen könnten. Deshalb entstehen Risiken durch steigende Verschuldung, hohe Marktkonzentration und mögliche Neubewertungen von Technologieaktiva. Ein potenzieller Abschwung könnte über Vermögens- und Nachfragekanäle global wirken. Vor diesem Hintergrund sind mittelfristig eine strikte Finanzaufsicht, eine präzise geldpolitische Kalibrierung sowie fiskalische Konsolidierung erforderlich. Flankierend müssen arbeitsmarkt- und wettbewerbspolitische Maßnahmen sicherstellen, dass KI-bedingte Produktivitätsgewinne breit verteilt werden und nachhaltiges, inklusives Wachstum ermöglichen. Die USA sind dafür sicherlich nicht das beste Beispiel.

 

Die Aktienmärkte setzen ihren Aufwärtstrend fort, getragen von Techwerten in den USA und Banktiteln in Europa (abgesehen von der Deutschen Bank, die am Mittwoch erneut wegen Geldwäscheverdachts im Fokus der Ermittlungen stand). Während Aktien weiterhin im Gleichschritt nach oben marschieren, brodelt es an anderer Stelle – nirgends so deutlich wie an den Devisenmärkten. Der Dollar fiel auf 1,20 Dollar je Euro – ein Viereinhalbjahrestief – sowie auf ein Zehnjahrestief gegenüber dem Schweizer Franken. Wieder einmal ist die erneute Abwertung der Weltleitwährung dem Don im Weißen Haus zu verdanken. Der Dollar sei „in großartiger Verfassung“, sagte er – ein Satz, den die Märkte als Zeichen dafür werteten, dass Washington derzeit mit dem Status quo zufrieden ist. Nun ja, als Präsident der größten Wirtschaftsnation sollte er schon darauf achten, was er in die Welt posaunt. Manchmal ist Schweigen eben doch besser, insbesondere wenn man keine Ahnung hat.

 

Die US-Notenbank ist mit einer intern umstrittenen Zinspause ins Jahr gestartet. Nach drei Senkungsschritten in Folge beließ sie den Leitzins in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. An den Finanzmärkten war damit gerechnet worden. Im für die Zinspolitik zuständigen Offenmarktausschuss gab es allerdings zwei Gegenstimmen: Die Fed-Direktoren Christopher Waller und Stephen Miran votierten für eine weitere Senkung. Die Zentralbank hatte den Leitzins im vergangenen Jahr insgesamt um einen Dreiviertelprozentpunkt gesenkt, um den Arbeitsmarkt zu stützen. Die Inflation bleibe „etwas erhöht“, während der Arbeitsmarkt „Anzeichen einer Stabilisierung“ zeige, erklärte die Fed nun. Was soll die Fed auch tun? Eine Zinssenkung würde den Dollar weiter schwächen – insbesondere im Zusammenhang mit den Äußerungen des US-Präsidenten.