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Der Clubfonds-Ticker
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Eine Neuordnung der Märkte – Woher kommt das Kapital? (Teil 1)

Bevor wir zum eigentlichen Thema kommen, möchten wir einen Mann würdigen, der als Fed-Chef für seine oft unklaren Ankündigungen zur Entwicklung der Leitzinsen bekannt war. Alan Greenspan, langjähriger Vorsitzender der US‑Notenbank Fed, ist im Alter von 100 Jahren gestorben. 

Von 1987 bis 2006 führte er die US‑Wirtschaft unter anderem durch den Börsencrash von 1987 und die Dotcom‑Blase, ehe er kurz vor der Weltfinanzkrise aus dem Amt schied. Früh betonte er, dass der technische Fortschritt der 1990er‑Jahre die Produktivität stärker erhöhe, als die amtlichen Daten zeigten, und hielt die Geldpolitik daher lange wachstumsfreundlich. Später geriet dieser Kurs in die Kritik, weil er die Kreditexpansion begünstigte, die dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im Jahr 2008 vorausging. Greenspan räumte jedoch selbst ein, dass auch die lockere Regulierung des Finanzsektors und die Fehleinschätzungen irrationaler Anleger zur späteren Finanzkrise beitrugen.

Ob wir wegen der milliardenschweren IPOs, die in diesem Jahr über die Bühne gehen sollen, ebenfalls wieder in eine Finanzkrise hineingeraten, kann uns Alan Greenspan nun leider nicht mehr sagen. Aber auch der jetzige Fed‑Chef Kevin Warsh weiß es höchstwahrscheinlich nicht. Also machen wir uns einfach einmal ein paar eigene Gedanken dazu.

Gut ist, dass unser Depotwert Alphabet eine gigantische Kapitalerhöhung durchgezogen hat. Die neuen 84,75 Milliarden Dollar sollen in neue KI‑Rechenzentren fließen. Im Zuge des Geschäfts übernimmt auch unser Depotwert, die Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway von US‑Investorenlegende Warren Buffett, Papiere von Alphabet für 10 Milliarden Dollar. Auch NDAC‑Meta denkt darüber nach, mit einer mehrere zehn Milliarden Dollar schweren Kapitalerhöhung im KI‑Rennen nachzuziehen.

Die zwei IPO‑Kandidaten OpenAI und Anthropic sowie das bereits gelaufene IPO von SpaceX könnten allein am Markt rund 200 Milliarden Dollar aufsaugen. Ob es so kommt, weiß natürlich niemand genau. SpaceX ist nach dem Börsengang bereits wieder zurückgekommen. Das Geld aus dem Börsengang ist zwar erst einmal auf dem Konto verbucht, trotzdem muss man feststellen: Das Ausmaß der US‑Börsengänge plus der Kapitalerhöhungen ist gigantisch.

Auch müssen wir die zu erwartende Marktkapitalisierung der drei Neulinge am Markt betrachten. Sie werden dann vom Marktwert her automatisch zu den 15 größten börsennotierten Unternehmen in den USA zählen, die zusammen einen Umfang von ca. 69 Billionen Dollar ausweisen. Dazu kämen dann noch weitere drei bis vier Billionen Dollar – nur mal zum Vergleich: Das ist etwa zweieinhalbmal so viel wie der DAX40.

Die Frage stellt sich nun: Ist der Markt fähig, für solche gewaltigen Giga‑IPOs Kapital bereitzustellen? Bei SpaceX haben wir gesehen: Er ist es. Das IPO lief ohne Probleme über die Bühne und machte aus dem Milliardär Elon Musk einen Billionär – auch wenn er jetzt wieder „nur“ ein normaler Milliardär ist. So schnell kann es gehen.

Solange die Volkswirtschaft und auch die Geldmenge wachsen, ist grundsätzlich Liquidität im Markt vorhanden. Allerdings sehen wir hier bereits ein Risiko. Sollte nämlich die Inflation auf ihrem Niveau verharren oder weiter ansteigen, könnte auch der Leitzins stärker angehoben werden als die eine Erhöhung, die bereits in den Kursen eingepreist ist – egal, ob es dem Mann im Weißen Haus gefällt oder nicht. Anleihen dürften dann renditemäßig besser laufen und dem Aktienmarkt Liquidität entziehen.

Da die meisten Investoren keine 200 Milliarden Dollar für IPOs und Kapitalerhöhungen irgendwo herumliegen haben – Kapital muss schließlich arbeiten – wird das meiste Geld aus Umschichtungen kommen. Also aus dem Verkauf anderer Papiere, auch aus dem Tech‑Sektor. Es ist also ein Wettkampf zwischen den einzelnen Unternehmenskategorien zu erwarten. Ein breiter Abverkauf ist nicht zu erwarten. Das wiederum wird zu Verschiebungen in den Indizes führen, denn dort machen sich sehr schnell die Neulinge am Markt breit.

Wir sollten also mit einem gewissen kurzfristigen Verkaufsdruck rechnen, allerdings wird er sich auf hunderte bis tausende Unternehmen weltweit verteilen.

Bei SpaceX ist die Rallye erst einmal ausgestoppt. Das Papier verlor nach einem starken Kursrückgang 600 Milliarden Dollar. Das Geld aus dem IPO reicht nicht. Die Kursbewegungen fallen laut Bloomberg in eine Phase, in der SpaceX erstmals Anleihen ausgeben will, um mindestens 20 Milliarden Dollar aufzunehmen und damit unter anderem die KI‑Ambitionen des Unternehmens zu finanzieren. Auch von einer Verschmelzung des Tesla‑Konzerns mit SpaceX ist gerüchteweise an den Märkten die Rede.

Die geplante Finanzierung kommt kurz nach dem Börsengang von SpaceX mit einem Volumen von 75 Milliarden Dollar. In den ersten Handelstagen schwankte der Aktienkurs laut Bloomberg besonders stark. Das sei typisch für neue Börsengänge, bei denen nur ein kleiner Teil der Aktien frei handelbar ist, während bei SpaceX gleichzeitig viele Anleger Interesse an der Aktie zeigten. Es scheint, als hätten die Verkäufer bei diesem Wert die Kontrolle wieder übernommen – aber das kann sich auch sehr schnell wieder ändern.