Wieder eine Generaldebatte zum Haushalt überstanden – naturgemäß die Gelegenheit der Opposition zur Abrechnung mit der Regierungspolitik. Abgehakt und vergessen, könnte man sagen. Aber da sind ja noch die jungen Abgeordneten in den Regierungsparteien, deren Verhalten das Zeug dazu hat, die aktuell agierende Bundesregierung zu sprengen. Wir sehen es gerade an der Rentendiskussion. Der Autor glaubt nicht daran, dass die jungen Rebellen die Regierung stürzen werden, denn das würde Neuwahlen bedeuten.
Die Jungabgeordneten dürften dann mit allen anderen Abgeordneten gemeinsam zittern, ob sie in ihren Parteien noch einmal einen günstigen Listenplatz für ein Bundestagsmandat erreichen werden. Ja, und die 23 Millionen Wählerinnen und Wähler über 60, zuzüglich der unter 60-Jährigen, die sich auf eine halbwegs gesicherte Rente verlassen, dürften auch nicht begeistert sein von den Regierungssprengern. Warten wir also den großen Knall ab – der vielleicht gar nicht eintreten wird.
Wir haben ja noch das Milliardensondervermögen, oder besser gesagt: die grundgesetzlich beschlossenen Schulden, die einen Wirtschaftsaufschwung bringen sollen. Dazu liegt ein Bericht des Bundesfinanzministeriums vor. Schauen wir einmal, wie es damit aussieht. Der jüngste Bericht im Oktober enthält erstmals auch Informationen zur Inanspruchnahme der außerbudgetären Sondervermögen „Bundeswehr“ und „Infrastruktur“. Demnach ist das Gesamtdefizit des Bundes von knapp 60 Milliarden Euro im September auf über 90 Milliarden Euro im Oktober gestiegen.
Auf den ersten Blick könnte die Bundesregierung ihre ehrgeizigen Ausgaben- und Defizitziele damit tatsächlich eher erreichen, als von vielen erwartet. Eine genauere Betrachtung ergibt jedoch ein ernüchterndes Bild. Der Anstieg des Oktober-Defizits im Kernhaushalt – also ohne Sondervermögen – ist dem saisonalen Trend folgend ausschließlich auf Mindereinnahmen von rund zwölf Milliarden Euro gegenüber dem Vormonat zurückzuführen. Diese sollten bis Ende des Jahres durch saisonbedingte Mehreinnahmen ausgeglichen werden. Unter dem Strich dürfte das Kernhaushaltsdefizit somit zum Jahresende weiterhin etwa zehn Milliarden Euro unter dem Ziel der Bundesregierung von rund 82 Milliarden Euro liegen. Die Inanspruchnahme des Sondervermögens „Bundeswehr“ fiel mit 1,5 Milliarden Euro im Oktober moderat aus und deutet auf eine Unterschreitung des angestrebten Budgets für 2025 um mehr als fünf Milliarden Euro hin.
Die Nettokreditaufnahme über den neuen Infrastrukturfonds bleibt aufgrund fehlender monatlicher Daten die größte Unbekannte. Bisher sind insgesamt Mittel von knapp 13 Milliarden Euro abgerufen worden. Zwar könnte die vollständige Inanspruchnahme des für 2025 veranschlagten Volumens von 37 Milliarden Euro das Defizit des Bundes gemäß Finanzstatistik bis zum Jahresende deutlich erhöhen. Da die Mittel jedoch vornehmlich zur Deckung laufender Defizite der Einzelressorts verwendet werden, dürfte die Defizitquote gemäß volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung für 2025 weiter deutlich unter der Drei-Prozent-Marke verharren. Wenigstens die Drei-Prozent-Marke für die EU halten wir ein. Es ist kein „blauer Brief“ aus Brüssel zu erwarten.
Die angestrebte Wende in der Finanzpolitik und die darauf ruhenden Hoffnungen einer konjunkturellen Belebung der deutschen Wirtschaft dürften sich demnach erst im kommenden Jahr vollziehen. Inwieweit der von Finanzexperten erwartete kurzfristige Aufschwung jedoch auch mittelfristig trägt, wird vor allem von Umfang und Tempo der dringend erforderlichen strukturellen Reformen – beispielsweise des Arbeitsmarktes und des Rentensystems – sowie vom Grad der Investitionen in Bildung, Forschung und Entwicklung und vom Abbau administrativer Restriktionen abhängen. Da haben wir sie wieder, die angemahnten Reformen… Im Superwahljahr 2026 – ob sich das jemand traut? Dem Autor kommen da erhebliche Zweifel.
Unser NDAC-Clubfonds ist gut aufgestellt, wenn es um die Infrastrukturmaßnahmen geht. Nachdem die Bundesregierung in diesem Jahr angekündigt hatte, Infrastrukturinvestitionen und -entwicklung zu einer ihrer zentralen Prioritäten zu machen, sind die außerbudgetären Haushaltsausgaben des Bundes für den Infrastruktur- und Klimafonds von null im September auf 12,8 Milliarden Euro im Oktober gestiegen. Die Ausgaben im Kernhaushalt sowie im außerbudgetären Militärfonds gingen jeweils leicht um 0,2 Milliarden beziehungsweise 0,5 Milliarden Euro zurück, sodass die gesamten Haushaltsausgaben gegenüber September um 12,0 Milliarden Euro stiegen. Die tatsächlichen kumulierten Ausgaben des deutschen Bundeshaushalts seit Jahresbeginn belaufen sich auf 405,6 Milliarden Euro und liegen damit noch unter dem Zielwert von 502,5 Milliarden Euro für 2025.
Krise? Welche Krise? Die Luxusbranche, darunter auch unser Clubfondswert LVMH, balanciert weiterhin zwischen konjunkturellem Gegenwind und struktureller Resilienz. Luxusgüter – darunter Bekleidung, Lederwaren, Schmuck und Uhren – repräsentieren einen globalen Markt von über 370 Milliarden Dollar und zeigen selbst in Zeiten makroökonomischer Unsicherheit Stabilität. Das breitere Luxus-Ökosystem, das gehobenes Reisen, Hotellerie und Luxusautos umfasst, wird voraussichtlich stetig wachsen und innerhalb des nächsten Jahrzehnts ein Volumen von 530 Milliarden Dollar erreichen, unterstützt durch eine langfristige jährliche Wachstumsrate von fünf bis sechs Prozent. Während das kurzfristige Wachstum im Luxusgütersegment voraussichtlich moderat bleibt – Analysten erwarten in den kommenden Jahren Zuwächse von etwa ein bis drei Prozent –, behalten Marken ihre starke Preissetzungsmacht und disziplinierte Kostenstrukturen bei, wodurch gesunde Margen erhalten bleiben.
Noch etwas spricht für Aktien aus dem alten Kontinent: Die Risikoprämie für Aktien gegenüber sicheren Anlagen liegt in Europa aktuell bei rund vier Prozentpunkten – der niedrigste Wert seit 2008. Verantwortlich dafür sind steigende Kapitalmarktzinsen und höhere Aktienbewertungen. Die Aktienrisikoprämie zeigt an, wie attraktiv Aktien auf Basis der Renditeerwartung im Vergleich zu risikofreien Anlagen wie Staatsanleihen sind. Der Rückgang ist vor dem Hintergrund der veränderten Zinslandschaft nachvollziehbar. Zwischen 2009 und 2021 hielten die Zentralbanken die Zinsen aufgrund geringer Inflation außerordentlich niedrig. In dieser Phase boten Anleihen kaum Ertrag, und die Risikoprämien für Aktien waren entsprechend hoch. Alles spricht für Aktien zum langfristigen Vermögensaufbau – egal, ob die Aktienrente nun kommt oder nicht.