Gudesstraße 3- 5

29525 Uelzen

0581 / 973 696 00

Der Clubfonds-Ticker
Gudesstraße 3- 5

29525 Uelzen

0581 / 973 696 00

Ein Unternehmen liefert gute Zahlen ab – und die KI-Welt scheint wieder gerettet

NVIDIA hat geliefert und die Anlegergemeinde beruhigt. Wären die Zahlen enttäuschend ausgefallen, hätte die KI-Blase womöglich bereits vorzeitig platzen können.

Das Unternehmen, das als Barometer, Puls, Elektroenzephalogramm und Psychotropikum – ja sogar als Therapeut der Märkte – dient, hat erneut seine „historische“ Mission erfüllt. Unser Clubfondswert präsentierte am Mittwochabend nach Börsenschluss Ergebnisse, die an Obszönität grenzen, und beruhigte damit Anleger, die inmitten der schwindelerregenden Geldflüsse in die KI-Branche nach Orientierung suchen.

Diese Beruhigung war dringend nötig, denn die Hoffnungen auf Zinssenkungen in den USA schwinden rapide – auch wenn es dem Don im Weißen Haus nicht gefallen wird.

Wie erwartet übertrafen die Ergebnisse von NVIDIA erneut sämtliche Prognosen. Selbst ohne den wertvollen Umsatz in China – aufgrund von US-Restriktionen – lagen die Erlöse über den Erwartungen, und die Gewinne bleiben schier astronomisch. CEO Jensen Huang wischte Bedenken über Blasenbildungen, Überinvestitionen oder überzogene Bewertungen beiseite.

Der mit einer Marktkapitalisierung von über 4,5 Billionen Dollar wertvollste Konzern der Welt erzielte im zurückliegenden Quartal einen Umsatz von 57 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Reingewinn hat laut NVIDIA ähnlich stark auf 31,91 Milliarden Dollar zugelegt. „Die Verkaufszahlen sind unglaublich hoch“, sagte Konzernchef Jensen Huang. Prozessoren für Rechenzentren seien ausverkauft.

Für das laufende vierte Quartal gibt sich das Unternehmen ebenfalls optimistisch: NVIDIA stellt einen Umsatz zwischen 63,7 und 66,3 Milliarden Dollar in Aussicht – deutlich mehr als die bisherigen Analystenschätzungen. Damit signalisiert der Konzern, dass der Nachfrageboom rund um KI, Rechenzentrumslösungen und High-End-Chips auch zum Jahresende ungebremst anhält und dass NVIDIA die Preissetzungsmacht behält.

Aber auch jenseits unseres Clubfondswertes werden herausragende Ergebnisse erzielt, denn auch andere Chipwerte gewinnen zunehmend an Bedeutung. Die Preise für DRAM-Chips (Arbeitsspeicher für Prozessoren) werden voraussichtlich in allen wichtigen Segmenten im vierten Quartal 2025 um rund 20 Prozent steigen – seit April dürften sie sich damit mehr als verdreifacht haben. Die verstärkte Nachfrage von Serverkunden, die mittlerweile Lieferverträge bis 2027 abschließen, erhöht die Unsicherheit bezüglich der Zuteilung für andere wichtige Bereiche wie PCs und Smartphones. Diese Entwicklung stärkt die Verhandlungsposition der Speicherchip-Hersteller.

Da die Rentabilität von DRAM-Chips steigt, könnten Hersteller mehr Ressourcen von der Produktion der HBM-Chips (Arbeitsspeicher, die direkt in Hochleistungsprozessoren wie KI-Chips integriert sind) in die DRAM-Fertigung verlagern. Während HBM-Chips derzeit operative Margen von etwa 60 Prozent erzielen, liegen DRAM-Chips bei rund 40 Prozent. Die Rentabilitätslücke zwischen beiden Segmenten dürfte sich jedoch 2026 deutlich verringern. Übrigens: 70 Prozent der globalen DRAM-Produktion und 80 Prozent der HBM-Produktion stammen aus Südkorea. Nur einmal so als kleiner Tipp: Auch andere Länder sind erfolgreich, wenn es um Chips geht. Es muss nicht immer die USA sein, denen Anleger ihr Geld quasi in den Rachen werfen.

Nach mehreren Jahren, in denen europäische Aktien ihren US-Pendants hinterherhinkten, hat sich das Blatt in diesem Jahr gewendet. Während die US-Börsen weiterhin von der Euphorie rund um KI profitieren, konnte der STOXX 600 in Europa seit Jahresbeginn einen beachtlichen Zuwachs von 19 Prozent verzeichnen – deutlich mehr als der S&P 500, der lediglich um vier Prozent in Euro zulegte. Allerdings ist in Europa insgesamt kein dynamisches Gewinnwachstum zu erkennen. Der aktuelle Vorsprung europäischer Aktien gegenüber amerikanischen Pendants resultiert vor allem aus der deutlichen Schwäche des Dollars gegenüber dem Euro. Aber let’s hope … vielleicht kommt auch das noch – nur eben etwas später.

Schauen wir nach Spanien: Wir hatten die Wirtschaft im Rahmen unserer Reihe über die „PIGS“ in diesem Jahr analysiert. Spaniens Haushaltsdefizit dürfte 2026 auf 2,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sinken – das ergaben Berechnungen der spanischen Notenbank. Damit sinkt die Defizitquote im fünften Jahr in Folge und könnte erstmals seit fast 20 Jahren unter der deutschen liegen – für Deutschland erwarten die Märkte im kommenden Jahr ein Defizit von 3,5 Prozent des BIP.

Die kontinuierliche fiskalische Verbesserung Spaniens ist dem robusten Wirtschaftswachstum zu verdanken. Markterwartungen zufolge wird 2026 mit einem Wachstum von 2,1 Prozent gerechnet. Dieses wird vom wachstumsorientierten Fiskalpaket „Next Generation EU“ unterstützt.

Wer sein Depot stabilisieren möchte, sollte Folgendes im Hinterkopf behalten: Für zehnjährige spanische Staatsanleihen erwartet der Markt im kommenden Jahr eine Rendite von 3,5 Prozent – gegenüber 2,9 Prozent bei deutschen Papieren. Spanische Staatsanleihen wurden im Laufe des Jahres von führenden Ratingagenturen auf „A+“ heraufgestuft und liegen damit nur vier Noten unter dem deutschen AAA. Für langfristig orientierte Anleger, die Renditen jenseits der deutschen Festgeld- und Sparbuchromantik suchen, bleiben spanische Anleihen daher durchaus attraktiv. Ihr Autor fragt sich angesichts dieser Zahlen, warum der Kanzler nicht längst nach Spanien gereist ist, um sich Tipps für seine Wirtschafts- und Finanzpolitik zu holen.

Das Jahr dürfte für die meisten kein schlechtes gewesen sein – und die Neigung der Anleger, sich auf die Benchmark zurückzuziehen bzw. Risiken zu reduzieren (wer’s kann), ist relativ groß. Doch viele warten nun auf die Jahresendrally. Ob diese allerdings nicht nur bei den Preisen für Schokoladenerzeugnisse zum Weihnachtsfest eintritt bzw. bereits eingetreten ist, werden wir vielleicht schon nächste Woche genauer wissen.