Steffen Koch klärt auf!

Dividendenrendite – Dividendentitel von Anlegern immer öfter bevorzugt

Steffen Koch ist beim NDAC verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit und gibt eine Vielzahl von Seminaren zu Themen rund um die Geldanlage

Bei Aktien denken die meisten Anleger sicherlich an mögliche Kursgewinne, wenn es um die erzielbaren Erträge geht. Oftmals wird in dem Zusammenhang jedoch vergessen, dass zahlreiche Aktientitel noch einen weiteren Ertragvorteil aufweisen können, nämlich die Dividende. Seit einigen Jahren setzen immer mehr Anleger bewusst verstärkt auf solche Aktienwerte, die mit einer überdurchschnittlichen Dividendenrendite ausgestattet sind und demzufolge als dividendenstarke Aktien oder Dividendenwerte bezeichnet werden. Mit diesen Aktienwerten möchten wir uns im folgenden Beitrag etwas näher beschäftigen.

Hintergrund: Worum handelt es sich bei der Dividende?

Im Bereich des Investments in Aktien gibt es immer wieder Anfänger, die bisher noch keine Erfahrungen mit diesen Wertpapieren haben. Daher macht es Sinn, auch zum Thema Dividendentitel etwas näher auf den Hintergrund einzugehen, also in diesem Fall auf die Dividende. Worum handelt es sich dabei eigentlich? Die Dividende ist eine Ausschüttung, die durch die Aktiengesellschaft vorgenommen wird, mit der Aktionäre am erzielten Jahresgewinn beteiligt werden. Allerdings ist ein vorhandener Gewinn nicht zwingend vorausgesetzt, denn manche Aktiengesellschaften schütten auch in Jahren eine Dividende aus, in denen das Betriebsergebnis negativ ist.

Sämtliche Aktionäre, die Aktien der Gesellschaft im Depot haben, haben ein Anrecht darauf, eine Dividende zu erhalten, falls die Ausschüttung generell auf der jährlichen Hauptversammlung der Aktiengesellschaft beschlossen wurde. Die Höhe der ausgeschütteten Dividende hängt hauptsächlich vom erzielten Jahresgewinn der Aktiengesellschaft ab, sie sagt jedoch noch nichts darüber aus, ob es sich tatsächlich um einen Dividendentitel oder um eine Aktie mit einer gewöhnlichen Dividendenrendite handelt. Zu diesem Zweck ist es wichtig, sich näher mit der Dividendenrendite zu beschäftigen.

Hohe Dividende bedeutet nicht automatisch überdurchschnittliche Dividendenrendite

Nicht wenige Anleger machen den Fehler, bei der Wahl der Aktien vor dem Hintergrund einer möglichst guten Dividendenrendite solche Titel auszuwählen, die eine nominal vergleichsweise hohe Dividende ausschütten. Diese Vorgehensweise ist deshalb nicht empfehlenswert, weil die Höhe der nominalen Dividende nichts darüber aussagt, ob der Anleger auch eine überdurchschnittliche Dividendenrendite mit diesem Titel erzielen kann. Es ist demzufolge wichtig, sich den Unterschied zwischen Dividende und Dividendenrendite deutlich zu machen.

Wie berechnet man die Dividendenrendite?

Die Dividendenrendite ist eine Größe, die in erster Linie auf Grundlage von zwei Zahlen berechnet wird, nämlich zum einen auf Basis des aktuellen Aktienkurses und zum anderen wird ebenfalls die nominal ausgeschüttete Dividende je Aktie für die Ermittlung der Dividendenrendite benötigt. Anhand der folgenden Formel können Sie für jede Aktie die aktuelle Dividendenrendite berechnen, bei denen die Ausschüttung einer Dividende stattgefunden hat und von der Sie den aktuellen Kurs kennen. Dabei wird die folgende Formel verwendet:

(Nominale Dividende je Aktie * 100) / aktueller Aktienkurs = Dividendenrendite

Nehmen wir für die Beispielrechnung einmal an, dass Sie sich für eine Aktie interessieren, bei der in diesem Jahr eine Dividende in Höhe von 3,50 Euro je Aktie ausgeschüttet wird und deren Kurs sich momentan im Bereich von 102 Euro aufhält. Aktuell ergäbe sich laut der zuvor genannten Formel daraus eine Dividendenrendite in Höhe von 3,43 Prozent. Die Frage ist nun, ob man bei dieser Dividendenrendite tatsächlich bereits von einem Dividendentitel, also von einer dividendenstarken Aktie, sprechen kann.

Was zeichnet einen Dividendentitel aus?

Mit dem Begriff Dividendentitel sind natürlich in erster Linie solche Aktien gemeint, bei denen die zu erzielende Dividendenrendite über dem Durchschnitt liegt. Doch was ist der Durchschnitt? Die meisten Analysten und Experten betrachten sich zunächst möglichst viele Aktien aus der gleichen Branche und ermitteln so die durchschnittliche Dividendenrendite dieser Wertpapiere. Anschließend können dann diejenigen Wertpapiere identifiziert werden, bei denen die eigene Dividendenrendite höher als der Durchschnitt ist.

Exakt diese Aktienwerte werden dann als Dividendentitel bezeichnet. Zur Beurteilung, ob eine Aktie an Dividendentitel ist oder nicht, ist es auf jeden Fall sinnvoll einen Vergleich nur innerhalb der Branche zu ziehen. Die zahlreichen Branchen am Markt sind nämlich durchaus dadurch gekennzeichnet, dass die jeweiligen Aktiengesellschaften abweichende Dividenden zahlen. Besonders hohe Dividendenrenditen finden Sie vor allem bei Aktien, die aus einer der folgenden Branchen stammen:

  • Versorger
  • Versicherungsgesellschaften
  • Chemie- und Pharma-Unternehmen

In erster Linie ist es also eine überdurchschnittlich hohe Dividendenrendite, durch die sich dividendenstarke Aktien auszeichnen. Darüber hinaus gibt es aber noch weitere Eigenschaften, die solche Dividendentitel haben sollten. Dazu zählt zum Beispiel, dass die Dividendenrendite nicht nur zum aktuellen Zeitpunkt überdurchschnittlich hoch ist, sondern dies sollte zumindest auch in der Vergangenheit für einen längeren Zeitraum zutreffen. An dieser Stelle wird allerdings auch ein Problem der Bewertung deutlich, ob es sich bei einer Aktie um einen Dividendentitel handelt oder nicht. Die Dividendenrendite ist nämlich nur eine Momentaufnahme und ändert sich sofort, wenn sich ein neuer aktueller Kurs bei dem jeweiligen Wertpapier bildet. Aus diesem Grund kann es alleine im Verlauf eines Jahres dazu kommen, dass sich die Dividendenrendite einer Aktie innerhalb einer sehr großen Spanne bewegt. Daher betrachten sich zahlreiche Analysten die Höhe der ausgeschütteten Dividende, deren Entwicklung und die Dividendenrendite über einen längeren Zeitraum hinweg.

Wie kann sich Dividendenrendite verändern?

Selbst unter der Voraussetzung, dass die Aktiengesellschaft über viele Jahre hinweg die gleiche nominale Dividende an die Aktionäre zahlt, kann sich die Dividendenrendite dennoch in größerem Umfang im gleichen Zeitraum verändern. Der Grund besteht darin, dass die nominale Dividende nur ein Teil der Berechnung ist, denn der mindestens ebenso wichtige zweite Teil ist der jeweilige Kurs des Wertpapiers. Um dies zu verdeutlichen, möchten wir gerne anhand der folgenden drei Beispiele zeigen, wie sich die Dividendenrendite unter der Voraussetzung ändern kann, dass die nominale Dividende identisch bleibt, sich jedoch der Kurs des Wertpapiers verändert:

Nominale Dividende: 3,50 Euro je Aktie

Kurs: 38,30 Euro

Dividendenrendite: 9,13%

Nominale Dividende: 3,50 Euro

Kurs: 45,90 Euro

Dividendenrendite: 7,63%

Nominale Dividende von 3,50 Euro

Kurs: 56,70 Euro

Dividendenrendite: 6,17%

Dieses Beispiel zeigt auf der einen Seite, dass die Dividendenrendite im Laufe des Jahres deutlich gesunken ist. Auf der anderen Seite ist dies allerdings nur geschehen, weil der Kurs der Aktie deutlich gestiegen ist. In diesem Fall ist das Sinken der Dividendenrendite zwar nachvollziehbar, allerdings aufgrund der deutlichen Kurssteigerungen für den Aktionär alles andere als problematisch. Dieser erzielt nämlich mit den im Depot befindlichen Aktien aufgrund des Kursanstieges gute Gewinne, sodass die gesunkene Dividendenrendite, die ohnehin eine statistische Zahl ist, kaum ins Gewicht fällt.

Aus dem vorherigen Grund ist es demzufolge auch bei dividendenstarken Aktien wichtig, dass Anleger bei der Wahl darauf achten, wie sich der Kurs in der Vergangenheit verhalten hat. Eine noch so starke Dividendenrendite ist nämlich nur wenig wert, wenn diese vorrangig aufgrund von Kursrückgängen bei dem entsprechenden Wertpapier entstanden ist. In diesem Fall kann sich der Anleger zwar über eine gute Dividendenrendite freuen, muss allerdings gleichzeitig größere Kursverluste und somit Kapitalverluste beklagen. 

Tipps und Informationen für Anleger und Sparer

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