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Der Clubfonds-Ticker
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Der US‑Präsident stürzt die Welt ins Chaos

Wir müssen uns heute mit dem Schmierstoff der Welt, dem Erdöl, beschäftigen. Auch wenn einige mit dem Fahrrad, einem E‑Auto oder zu Fuß unterwegs sind, fahren die meisten an den Tankstellen nicht einfach vorbei. Die Preise für Waren und Dienstleistungen steigen sofort an, wenn der Ölpreis die Herstellung und den späteren Transport verteuert. Gestern schlug die Internationale Energieagentur deshalb vor, 400 Millionen Barrel aus den strategischen Reserven ihrer Mitgliedsländer freizugeben. Ziel war es, einen Markt zu entlasten, der seit der faktischen Schließung der Straße von Hormus unter erheblichem Druck steht, und damit die Preise wieder zu senken. Doch die Ankündigung löste keine nennenswerte Marktreaktion aus – ebenso wenig wie die Ankündigung der Bundesregierung, die nationale Ölreserve teilweise freizugeben.

Warum ist das so? Das fragen sich nun viele. Der Rückgriff auf strategische Bestände signalisiert Investoren zugleich, dass die Störungen auf dem Ölmarkt noch eine gewisse Zeit anhalten könnten. Außerdem wird das Gleichgewicht am Ölmarkt durch Ströme bestimmt, nicht durch Lagerbestände. Entscheidend ist daher, wie viele zusätzliche Barrel pro Tag tatsächlich auf den Markt gebracht werden können. Die Citigroup schätzt, dass derzeit zwischen elf und sechzehn Millionen Barrel pro Tag aus dem Persischen Golf fehlen. Die Freigabe strategischer Reserven kann diese Lücke nur teilweise schließen.

Fakt ist: Die Inflation wird wieder einmal zum Schreckgespenst für die Verbraucher und die Märkte. Die erwartete Zinssenkung der Fed dürfte nun in den nächsten Monaten ausfallen – unabhängig davon, wie sehr sich der US‑Präsident eine Zinssenkung vom neuen, von ihm ausgewählten Fed‑Chef wünscht.

Ein Blick auf die vergangenen zehn Tage zeigt jedoch, dass sich die US‑Indizes vergleichsweise robust gehalten haben. Der S&P 500 liegt seit Freitag, dem 27. Februar – dem Tag vor Beginn der US‑israelischen Operation – lediglich rund zwei Prozent im Minus. In Europa fiel der Rückgang deutlicher aus, da der Kontinent stärker vom Energieschock betroffen ist. Der STOXX 600 verlor im gleichen Zeitraum fünf Prozent. Dennoch bleibt dies ein begrenzter Rücksetzer für Indizes, die zuvor nahe ihren Rekordständen notierten.

Alle vertrauen auf den großen Zampano im Weißen Haus. Die Aktienmärkte scheinen also weiterhin auf die These eines kurzen Konflikts zu setzen. Diese Einschätzung wurde durch mehrere Äußerungen von Trump zu Beginn der Woche gestützt. Nachdem er erklärt hatte, der Krieg könne „sehr bald“ enden, sagte er zudem gegenüber einigen Gesprächspartnern, dass es im Iran ohnehin nichts mehr zu zerstören gebe.

Wie sieht es nun mit der Realität aus? Es handelt sich hier nicht um einen „Liberation Day“. Es geht nicht einfach darum, Zölle zu verhängen und sie später wieder aufzuheben. Der US‑Präsident hat einen regionalen Konflikt mit globalen Auswirkungen ausgelöst. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten ihrerseits, dass sie entscheiden würden, wann der Konflikt endet. Sie konnten kaum etwas anderes sagen, ohne ihr Gesicht zu verlieren. Doch selbst ein stark geschwächtes iranisches Regime könnte weiterhin über beträchtliche Störpotenziale verfügen und den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus noch monatelang beeinträchtigen.

Seit den US‑israelischen Angriffen auf das iranische Mullah‑Regime ist der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus praktisch zum Erliegen gekommen. Die schmale Passage am Persischen Golf zählt zu den wichtigsten Energierouten der Welt. Normalerweise passieren hier täglich Tanker mit rund einem Fünftel des global gehandelten Öls – etwa 20 Millionen Barrel pro Tag. Doch jetzt bleiben Schiffe stehen, Reedereien ziehen ihre Tanker ab, Versicherungen verweigern die Deckung für Fahrten durch die Kriegszone. Schließlich wenden sich die Versicherer an die Rückversicherer – etwa unseren Clubfonds‑Wert Munich Re –, die dieses unüberschaubare Risiko bestimmt nicht eingehen werden. Übrigens: Auch die zwei anderen Big Player am Markt, Swiss Re und Hannover Rück, tun dies nicht.

Kriegsschiffe, Drohnenangriffe und Raketenbeschuss reichen aus, um den Schiffsverkehr fast vollständig zum Erliegen zu bringen. Zuletzt haben Berichte über angeblich vom Iran in der Straße von Hormus verlegte Seeminen die Sorge um die Sicherheit der internationalen Energieversorgung befeuert. Die Straße von Hormus ist allerdings nur das jüngste Beispiel dafür, wie verletzlich die Infrastruktur der globalisierten Weltwirtschaft geworden ist. Etwas weiter westlich liegt bereits das nächste Nadelöhr: das „Tor der Tränen“, die Meerenge Bab al‑Mandab zwischen dem Jemen und Ostafrika. Wer vom Indischen Ozean Richtung Mittelmeer will, muss hier hindurch – und damit auch durch das Rote Meer. Normalerweise laufen hier etwa 10 bis 12 Prozent des weltweiten Seehandels und rund 30 Prozent des globalen Containerverkehrs. Genau dort greifen seit Monaten die vom Iran unterstützten Huthi‑Terroristen Handelsschiffe an.

Der Suezkanal ist zwar (noch) nicht von einer kriegerischen Auseinandersetzung betroffen, aber wir erinnern uns an 2021, als ein einziges havariertes Containerschiff im Suezkanal die Weltwirtschaft blockierte.

Noch gefährlicher wird es, wenn die Taiwanstraße durch eine sich bereits jetzt abzeichnende Auseinandersetzung zwischen China, Taiwan und den USA zur Konfliktzone würde. Über sie laufen wichtige Handelsrouten zwischen Ostasien, Europa und Nordamerika. Gleichzeitig sitzt in Taiwan mit TSMC einer der wichtigsten Hersteller moderner Halbleiter – jener Chips, ohne die heute kein Auto, kein Smartphone und kaum eine Industrieanlage funktioniert. Wir hatten darauf schon mehrfach hingewiesen. Taiwan produziert heute mehr als 60 Prozent der weltweiten Chips und mehr als 90 Prozent der modernsten Halbleiter. Eine kriegerische Auseinandersetzung in dieser Straße würde dann nicht nur den Welthandel betreffen, sondern ganze Industrien.

Das Schlimme ist: Der US‑Präsident hat keine Exit‑Strategie – und sein Partner Israel auch nicht. Leider!