Im Jahr 2025 hatten wir allerhand Turbulenzen an den Börsen zu überstehen. Das begann schon wenige Wochen nach der zweiten Amtseinführung von Donald Trump im Januar.
Während die erste Trump-Präsidentschaft 2017–2021 eher wie ein Unfall der Geschichte aussah, zeigt sich die zweite Amtszeit bislang als gut vorbereitet. Eine beispiellose Zerstörung der Grundwerte begann. Die USA zogen sich als Führungsmacht der westlichen Welt zurück und stellten sich an die Seite der Kriegsherren dieser Welt.
Gut, das konnten wir alles voraussehen, aber der sogenannte Wertewesten, also Europa, war trotz der bekannten Eskapaden Trumps wieder nicht auf den Mann im Weißen Haus vorbereitet.
Dass aktuell eine gewisse Veränderung im globalen System stattfindet, weil der orangene Mann im eierförmigen Büro alles mutwillig kaputthaut, dürfte inzwischen allerdings niemandem mehr entgangen sein. Die Weltordnung, wie sie die Generation ihres Autors gewohnt war und ist, scheint Geschichte zu sein. Die Hoffnung, dass der Übergang von der alten US‑zentrierten Ordnung in eine neue, möglicherweise multipolarere Ordnung einigermaßen friedlich (im Sinne von: keine überregionalen kriegerischen Auseinandersetzungen) vonstattengeht, dürfte angesichts der tatsächlichen bzw. geplanten kriegerischen Handlungen (Ukraine, Nahost, Sudan, Venezuela, eventuell auch Kuba und Grönland etc.) starke Zweifel hervorrufen.
So viel ist 2025 geschehen, aber erfreulicherweise ist nichts (zusätzlich!) Dramatisches passiert. China ist nicht in Taiwan einmarschiert, Russland hat die NATO zwar ein wenig geärgert (dafür haben wir jetzt eine teure, hoffentlich erfolgreiche Drohnenabwehr), aber auch dort kam es zu keiner Eskalation. Israel scheint seine Kriegsziele weitgehend erreicht zu haben und führt inzwischen nur noch gezielte militärische Operationen durch. Ob Trump Putin eine ähnliche Vorgehensweise ans Herz legt, damit er endlich einen europafreien Zugang zu den dortigen Vorkommen seltener Erden bekommt, wissen wir nicht so richtig, sind aber auch darauf wiederum nicht vorbereitet.
Joe Biden mag viele Fehler in seiner Amtszeit gemacht haben. Trotzdem blieb er der vorerst letzte Transatlantiker, den wir jetzt so sehr als Führungskraft vermissen. Es gibt im Augenblick niemanden, der die Rolle übernehmen kann. Frankreichs Macron ist aktuell mit seinem Platz in der Geschichte beschäftigt, der neue Bundeskanzler Merz muss seine Rolle nach innen und außen noch finden, und der Einfluss von Tusk geht politisch zurück. Er muss sich unter dem neuen Präsidenten Polens, der mit Hilfe der PiS-Partei gewählt wurde, ebenso bemühen, eine Mehrheit der PiS in unserem Nachbarland zu verhindern.
Außenpolitisch macht der neugewählte Bundeskanzler Friedrich Merz eine akzeptable Figur, nur wartet die Bevölkerung immer noch auf die wirtschaftlichen Akzente seiner versprochenen Wachstumspolitik. Geschenkt dabei, dass er den deutschen Staat in eine horrende Schuldenspirale geschickt hat. Irgendwie muss man die Infrastrukturprojekte und die Aufrüstung in Deutschland finanzieren. Allerdings sollten der Finanzminister und seine Beamten nicht weiter versuchen, Haushaltslöcher mit den – der Autor nennt sie beim richtigen Namen – „Sonderzusatzschulden“ zu stopfen, um dann am Ende einen einigermaßen ausgeglichenen Haushalt zu präsentieren. Der deutsche Steuerzahler wird ohnehin für beides zahlen müssen: Haushaltsschulden und Sonderzusatzschulden. Übrigens neben den Zinsen auch für die Tilgung der aufgenommenen Kredite.
Selten war ein Börsenjahr so widersprüchlich wie 2025: zwischen Inflationssorgen und Zinshoffnungen, Industriekrise und Handelsstreit, DAX‑Rally und KI‑Boom. Selbst an den Märkten sind die Katastrophen ausgeblieben, abgesehen vielleicht von Bubletts bei Hühnereiern usw. Jedenfalls sind bis dato weder die Blasen bei Private Equity, Private Debt noch rund um den AI‑Themenkreis geplatzt – und das, obwohl sich die Prognostiker in alter Roubini‑Tradition mit Doomsday‑Calls überschlagen. Wobei wir das trotzdem genau beobachten sollten, um darauf vorbereitet zu sein. Abgesehen davon wissen wir aus der Historie und auch sonst, dass es immer hauptsächlich auf das Timing ankommt. Haben wir also Zeit wie Warren Buffett (wobei das mit 95 Jahren wohl auch eher relativ ist) und sitzen auf so viel Cash wie überhaupt noch nie, dann warten wir eben. Die nächste Krise kommt bestimmt. Frei nach Carl Mayer Rothschilds Motto: „Kaufen, wenn die Kanonen donnern, und verkaufen, wenn die Violinen spielen.“
Natürlich braucht man dafür etwas Geduld, aber die neue Bundesregierung ist zu geduldig, wenn es um die Umsetzung der angekündigten Reformen geht. Ein „Herbst der Reformen“ wurde uns angekündigt. Nun ja, der Herbst ist schon einige Wochen vorbei. Aber jetzt im Winter ist es soweit. Die Umsatzsteuersenkung für gastronomische Einrichtungen wurde laut Koalitionsvertrag umgesetzt (zweifelhaft, ob die 12 Prozent zu mehr Verzehr in Gaststätten führen werden, zumal wenn sie nicht an die Gäste weitergegeben werden). Die Aktivrente wird nur Mitnahmeeffekte durch die eher länger arbeitenden Rentner jenseits der Altersgrenze hervorrufen. Mit der Altersvorsorge inklusive der geplanten Frühstartrente werden wir uns gesondert 2026 auseinandersetzen. Was wir nicht mehr diskutieren werden, ist die von der CSU gewollte Mütterrente.