Auch wenn der Don ständig versucht, sich in die Entscheidungen der US-Notenbank über die Zinshöhe einzumischen, bleiben der Chef der Notenbank und sein Board die bestimmenden Personen über die Zinspolitik in den USA. Nun ist endlich der Name des neuen Fed-Chefs bekannt gegeben worden. Der frühere Fed-Gouverneur Kevin Warsh (2006–2011) wurde von Donald Trump als neuer Vorsitzender der US-Notenbank ausgewählt.
Die langwierige und üble Nachfolgedebatte um Jerome Powell ist damit beendet, der damit auch weiß, wem er die Nachfolge in seinem Amt übergeben wird.
Dass der neue Mann an der Spitze Erfahrung vorweisen kann, hat er ja in der Vergangenheit schon bewiesen. Allerdings gibt es dabei ein Problem: Die Gouverneure der US-Notenbank werden für einmalige Amtszeiten von 14 Jahren ernannt. Kevin Warsh war jedoch bereits zwischen 2006 und 2011 Mitglied des Board of Governors. Mhm…wie kann Warsh erneut in den Rat der Gouverneure berufen werden, obwohl er dort bereits fünf Jahre verbracht hat?
Nun Die Lösung des Problems sieht so aus: Als Kevin Warsh 2006 ernannt wurde, übernahm er ein laufendes Mandat, dessen reguläres Ende für den 31. Januar 2018 vorgesehen war. Er trat jedoch bereits 2011 wegen Meinungsverschiedenheiten über die Politik der quantitativen Lockerung zurück. Sein Sitz wurde anschließend von Jeremy Stein übernommen, der seinerseits 2014 zurücktrat. Danach vollendete Randal Quarles dieses Mandat, bevor er 2018 selbst für eine volle Amtszeit von 14 Jahren ernannt wurde.
Entscheidend sind somit nicht die Personen, sondern die Mandate. Wird ein Gouverneur für eine volle Amtszeit von 14 Jahren berufen und führt diese bis zum Ende aus, kann er nicht erneut ernannt werden. Scheidet er jedoch vorzeitig aus, muss das laufende Mandat von einem anderen Gouverneur zu Ende geführt werden. Dieser kann anschließend für eine neue, volle Amtszeit von 14 Jahren nominiert werden.
Aber ganz sicher ist die Ernennung noch nicht, denn der Senat muss noch zustimmen. Läuft ein Mandat aus und wird kein Nachfolger rechtzeitig ernannt und bestätigt, bleibt der amtierende Gouverneur so lange im Amt, bis der Zustimmungsprozess abgeschlossen ist. Genau dies ist derzeit der Fall. Das Mandat von Stephen Miran endete am 31. Januar, dennoch ist er weiterhin im Amt. Dieser faktisch freie Sitz soll von Donald Trump genutzt werden, um Kevin Warsh erneut zu platzieren. Die Bestätigung durch den Senat könnte sich jedoch hinziehen, insbesondere wegen der Blockadehaltung des Senators aus North Carolina, Tom Tillis. Dieser Senator ist Mitglied der Republikanischen Partei des Präsidenten. Er lehnt derzeit jede Ernennung zur Fed ab, solange die Untersuchung gegen Jerome Powell nicht abgeschlossen ist. Wie wir wissen, ging es dabei um die Kostenüberschreitung bei der Renovierung der Fed. Soweit zu dieser etwas komplizierten Ernennung.
Es war ja eigentlich nur eine kurze Stimmungsflaute in der US-Wirtschaft, die sich jetzt wieder aufhellt. Der von ISM ermittelte Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende US-Gewerbe stieg im Januar deutlich auf 52,6 Punkte – nach 47,9 im Dezember hatten die Analysten dagegen im Konsens nur mit einem Anstieg auf 48,5 Punkte gerechnet. Vor allem sprang die Komponente „Neuaufträge“ auf 57,1 – ein Anstieg um 9,7 Punkte gegenüber Dezember und damit der stärkste monatliche Zuwachs seit Juni 2020. Die Märkte reagierten positiv – Aktien legten zu. Zusätzlichen Rückenwind für das Verarbeitende Gewerbe dürfte in diesem Jahr das Fiskalpaket „One Big Beautiful Bill Act“ liefern – der Industriesektor dürfte von zahlreichen Investitionsanreizen und Steuersenkungen für Unternehmen profitieren. Vor diesem Hintergrund erscheinen US-Industrieaktien gut unterstützt, wenngleich sie nicht günstig bewertet sind.
Auch der US-Markt für private, außerbörsliche Investitionen verzeichnete im vierten Quartal 2025 eine Verbesserung bei Kapitalzusagen, Fusionen und Übernahmen sowie bei Börsengängen. Das Momentum dürfte sich in diesem Jahr fortsetzen, wobei ein Anstieg des Deal-Volumens um bis zu 15 Prozent erwartet wird, gestützt durch Zinssenkungen und eine robuste Konjunktur. Von der Erholung dürften insbesondere die größten US-Investmentgesellschaften und Investoren im Bereich Private Markets innerhalb des S&P-500-Sektors Finanzdienstleistungen profitieren. Deren Bewertungen sind seit dem vergangenen September deutlich gesunken, nachdem sich die Sektor bezogenen Risiken infolge des Zusammenbruchs zweier US-Anbieter von forderungsbesicherten Finanzierungen verschärft hatten. Trotz anhaltender Unsicherheiten dürften die breit diversifizierten Portfolios dieser Investmentgesellschaften die Verluste weitgehend abgefedert haben. Für erfahrene Anleger ist das eine Chance.
Und auch in Deutschland geht es langsam wieder bergauf. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt überraschte zum Jahresende positiv und wuchs im vierten Quartal 2025 um 0,4 Prozent, nachdem es im dritten Quartal stagniert hatte. Für das Gesamtjahr 2025 ergibt sich ein Zuwachs um 0,2 Prozent. Getrieben wurde die Entwicklung vor allem durch eine stärkere Konsumtätigkeit der privaten Haushalte und des Staates. Die Bundesausgaben zogen zum Jahresende an. Dennoch lag das Haushaltsdefizit 2025 mit 110 Milliarden Euro deutlich unter dem von der Bundesregierung angestrebten Zielwert von 143 Milliarden Euro. Dies schafft mit Blick nach vorn zusätzlichen fiskalischen Spielraum. Entsprechend rechnet der Internationale Währungsfonds bei uns in diesem und im kommenden Jahr mit einer stetigen konjunkturellen Erholung und einem Wachstum von 1,1 beziehungsweise 1,5 Prozent. Davon sollten besonders Unternehmen mit starkem Deutschlandgeschäft profitieren, die im MDAX gelistet sind. Das für die kommenden Monate erwartete Gewinnwachstum der im MDAX vertretenen Unternehmen liegt für 2026 bei 9,4 Prozent – für 2027 sogar doppelt so hoch. Da sollten Anleger doch einmal etwas genauer hinschauen.