Es gab bestimmt schon bessere Situationen als die für den Start von Kevin Warsh als Chef der US-Notenbank Fed. Auf der einen Seite die hohen Erwartungen aus dem Haus nach Zinssenkungen und andererseits die harte ökonomische Realität der steigenden Inflation in den USA, die eine Zinserhöhung erfordern.
Wer ist nun dieser Mann, der die Quadratur des Kreises meistern soll?
Kevin Maxwell Warsh (geboren am 13.April 1970 in Albany, US- Bundesstaat New York) ist ein US-amerikanischer Kapitalmarkt- und Bankmanager. Er war bereits Mitglied des Federal Reserve Board of Governors von 2006 bis 2011.
Während und in der Folgezeit der Weltfinanzkrise 2007/2008 war Warsh der wichtigste Verbindungsmann der Zentralbank zur Wall Street Er fungierte als Vertreter der Federal Reserve zur G20-Gruppe und als Gesandter des Boards gegenüber den Volkswirtschaften in Asien. Zuvor hatte er als Special Assistant des US-Präsidenten für Wirtschaftspolitik sowie als Executive Secretary des National Economy Council des Weißen Hauses gearbeitet.
Er forschte im Bereich von Wirtschaft und Finanzen und beriet mehrere private und staatliche Unternehmen. Einige Jahre war er Partner in Stanly Druckenmillers Family Office.
Warsh ist gegenwärtig Mitglied der Shepard Family Distinguished Visiting Fellow in Economics der Hoover Institution an der Stanford University, Wissenschaftler und Dozent an der Stanford Graduate School of Business, Mitglied der Group of Thirty und Mitglied des Panel of Economic Advisers des Congressional Budget Office. Er war Mitglied des Steuerungskomitees der Bilderberg-Konferenz.
Kevin Warsh wurde am 12. Mai 2026 durch den Senat mit 51 zu 45 Stimmen zu einer 14-jährigen Amtszeit als Governors, und am folgenden Tag zu einer 4-jährigen Amtszeit als Präsident bestätigt.
Bemerkenswert ist, wie schnell er von vielen Marktteilnehmern als geldpolitischer Falke eingeordnet wird – häufig mit Verweis auf Positionen, die er vor zehn bis fünfzehn Jahren vertreten hat. (Da hat ihr Autor übrigens auch andere Positionen vertreten.)
Vorsicht, jetzt wird es wissenschaftlich!
In mehreren Interviews hat er die zentralen Leitgedanken bzw. seine Haltung formuliert:
Die Inflation ist letztlich eine politische Entscheidung, angetrieben wird sie durch Geldschöpfung. Der US-amerikanische Ökonom Milton Friedman entwickelte den Monetarismus in den 1960er Jahren. Einige Teile seiner Theorie wurden später in den 1980er Jahren, vor allem in den USA und Großbritannien umgesetzt. Der Monetarismus ist eine wirtschaftswissenschaftliche Theorie. Sie besagt, dass die Wirtschaft am besten funktioniert, wenn sich der Staat aus ihr heraushält. Er soll nur die Geldmenge steuern, die sich im Umlauf befindet.
Die Fed funktioniert als Stabilisator des Bankensystems, muss sich jedoch zurückziehen, sobald diese Aufgabe erfüllt ist.
Warsh vertritt die Meinung, dass inflationäres Geld gleichermaßen von der Fed und der Regierung geschaffen wird. (Nicht richtig, denn Haushaltdefizite erzeugen inflationäre Geld, während geldpolitische Maßnahmen lediglich Bankreserven schaffen.)
Er argumentiert, dass die Fed-Bilanz mittlerweile so groß sei, dass sie den privaten Sektor verdrängt. (Nicht richtig, der private Sektor arbeitet mit einer anderen Geldform, es sind Bankeinlagen, es findet also keine Verdrängung statt.)
Wir müssen aus dem fiskalischen und monetären Schlamassel herausfinden, den wir geerbt haben. Die Zinsausgaben sind höher als die Verteidigungsausgaben. (Da hätte der Wissenschaftler Warsh schon einen Plan ausarbeiten können, welchen Weg er verfolgen würde und diesen öffentlich diskutieren lassen.)
Wenn wir die Druckerpresse etwas langsamer laufen ließen, hätten wir niedrigere Zinssätze (das haben in der Historie seit 1929 schon viele versucht, aber sie sind letztendlich daran gescheitert).
Der Ansatz besteht darin, die Fed-Bilanz zu verkleinern, um niedrigere Zinssätze zu ermöglichen, damit der private Sektor florieren kann. (Falsche Druckerpresse; Finanzminister Scott Bessent kontrolliert die wirklich relevante und nicht die Fed.)
Die Zinssätze sollten niedriger sein, weil wir seiner Ansicht nach am Beginn eines Produktivitätsbooms stehen.
Fed sollte nicht datenabhängig agieren, Wirtschaftsdaten würden ständig revidiert – warum also darauf reagieren? Besser sei es eine klare Meinung zu haben und daran festzuhalten. Zudem soll die Fed keine Wirtschaftsdaten, Prognosen u. ä. veröffentlichen. Die Unsicherheit würde sonst weitersteigen.
Soweit die Vorstellungen des neuen Fed-Chefs. In wie weit sie in die Praxis umgesetzt werden können, lassen wir jetzt erst einmal dahingestellt.
Positiv zu vermerken bleibt leidglich die Tatsache, dass Jay Powell am Fed-Board bleibt, um den wahrscheinlich schlimmsten Auswüchse seines Nachfolgers Argumente entgegen zu setzen. Allerdings hat Warsh mit Stephen Miran einen Mann in der Fed-Spitze, auch vom Weißen Haus eingesetzt, der ihm die Vorgaben macht.
Die Märkte haben immer wieder die Fehler der Entscheider korrigiert und damit den aktuellen Präsidenten unter Druck gesetzt, der nur auf die Märkte hört.
Wünschen wir Kevin Warsh als Fed-Chef trotzdem eine glückliche Hand und die notwendige Einsicht in die harte Realität.