Auf europäischer Ebene dominieren vor allem unser NDAC-Clubfondswert Airbus und der französische Safran Technologiekonzern (ebenfalls börsennotiert) das Weltraumgeschäft. Mit der Ariane Group haben sie ein Joint Venture gegründet, das maßgeblich für die Konstruktion und den Bau der europäischen Trägerrakete Ariane zuständig ist. Die Ariane Group ist somit auch der wichtigste Akteur bei der europäischen Weltraumbehörde ESA. Inwieweit die Dominanz der beiden Konzerne in Zukunft ins Wanken geraten könnte, weil man nun auch in Europa in Sachen Weltraum auf Wettbewerb setzen möchte, ist schwer abzuschätzen und wird sich erst in den nächsten Jahren erweisen. Vielleicht schafft es ja doch ein europäisches Startup die beiden etwas aufzumischen.
Derweil tobt der Konkurrenzkampf in den USA unvermindert weiter, auch bei den ganz großen Raketen, die mit einem Flug viele Tonnen Nutzlast in den Weltraum transportieren können. Blue Origin etwa gilt als direkter Herausforderer von SpaceX, gegründet im Jahr 2000 von Amazon-Legende Jeff Bezos. Der hat sich bislang mit der Rakete New Shepard auf touristische Ausflüge jenseits der Wolkengrenze konzentriert, hat nun aber mit der New Glenn eine weltraumtaugliche Großrakete im Angebot. Erfolgreiche Starts gab es schon Anfang 2025. Die New Glenn kann bis zu 45 Tonnen Nutzlast in die erdnahe Umlaufbahn hieven und würde damit deutlich mehr Satelliten pro Flug transportieren können als die Falcon 9 oder die Ariane 6 (beide um die 22 Tonnen). Allerdings hält Elon Musk dagegen: Mit seiner Neuentwicklung Starship sollen über 100 Tonnen Transportlast pro Flug möglich sein. Beim Wettlauf um die höchste Transportlast geht es nicht nur um eine Poleposition bei der anvisierten Besiedlung von Mond und Mars, sondern auch beim aktuellen Ausbau des Satellitennetzes wollen alle dabei sein. Und die ist im vollen Gange. Weit über 10.000 Satelliten befinden sich derzeit in der erdnahen Umlaufbahn, der größte Teil davon zur Kommunikation auf der Erde. Allein Starlink, ein Satellitennetzwerk von SpaceX, besitzt über 8.000 Satelliten, die weltweit einen Highspeed-Internetzugang bieten, auch in extrem entlegenen Regionen. Der gemessen an der Satellitenzahl Zweitplatzierte, Amazon Leo (ehemals Amazon Kuiper), kommt derzeit auf rund 3.200 Satelliten.
Auch in Deutschland sind die Dienste von Starlink und Amazon Leo bald (ab Mai 2026) nutzbar – schnelles Internet, wo immer man sich bei uns aufhält, so das Versprechen der Anbieter. Auf Platz 3 rangiert OneWeb, ein in London ansässiger Anbieter für Satelliten-Breitbandinternet, der ein Netzwerk aus über 650 erdnahen Satelliten betreibt. One-Web gehört seit 2022 zur Eutelsat Group, einem französischen börsennotierten Unternehmen.
Dabei ist der Transfer von Daten zum Zweck der Kommunikation nur ein Teilaspekt der Satellitentechnik, die derzeit gefragt ist. Auch die Erdbeobachtung, etwa für das tägliche Wetter, Klimaveränderungen, Hochwasser, Waldbeobachtung (auch zur Früherkennung von Waldbränden) und die Landwirtschaftspielen zunehmend eine Rolle. (Wichtig ist das für die Versicherer und Rückversicherer!) Eine Entwicklung, die schon seit einigen Jahren läuft, dank technologischer Neuerungen aber immer gefragter wird. Von „Weltraum 2.0“ sprechen einige Beobachter, und spielen damit nicht nur auf das Vordringen der Privatwirtschaft in das All an, sondern auch darauf, dass das Weltall mehr und mehr zum Alltag für uns wird. Wie das konkret aussehen kann, lässt sich gut am Beispiel von Planet Labs (ebenfalls börsennotiert) zeigen. Das britische Unternehmen betreibt eine Flotte von 150 Erdbeobachtungssatelliten. Diese sogenannten Dove-Satelliten liefern kontinuierlich hochauflösende Bilder, die anschließend mit Datenanalyse-Software ausgewertet werden. Davon profitieren auch Landwirte. Sie analysieren anhand der Bilder von Planet Labs Erntezyklen, Schädlingsbefall und den Wasserbedarf der Pflanzen. In diesem Zusammenhang taucht auch immer wieder der Landmaschinenhersteller Deere & Co aus den USA auf. Deere (auch wieder börsennotier) nutzt Satellitentechnologie für hochpräzise Landwirtschaft. Seit 2024 kooperiert das Unternehmen mit SpaceX, um Landmaschinen mit dem Satellitennetz Starlink zu verknüpfen. Das ermöglicht Datenaustausch in Echtzeit, autonome Abläufe und Ferndiagnosen.
Tesla- und SpaceX-Chef Elon Musk rief vor wenigen in einem Podcast mit Dwarkesh Patel und John Collison aus: „Merken Sie sich meine Worte … In 36 Monaten, wahrscheinlich aber schon in 30 Monaten, wird der wirtschaftlich attraktivste Ort für KI der Weltraum sein.“ Das mag wie eine weitere kühne Behauptung in seiner langjährigen Geschichte mutiger Versprechen erscheinen, doch die Kommentare wurden eine Woche später von der Fusion zweier von Musks Unternehmungen, xAI und SpaceX, weiter angetrieben. Es scheint, als wäre Musk zumindest teilweise ernsthaft dabei, die Ressourcenbeschränkungen der Erde zu umgehen und den KI Boom in höhere Sphären zu leiten. Das dürfte ein weiterer Antrieb in naher Zukunft für KI- und New Space Aktien an den Börsen bedeuten. Wir sehen, New Space ist die Zukunft des Aktienmarktes. Allerdings nur dann, wenn wir dabei die Probleme auf unseren Blauen Planeten lösen.