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Der Blick über die Märkte – New Space (Teil 2)

Eine Privatisierung könnte durchaus ein Erfolgsrezept sein und auch in Europa zu neuen Investitionen für und in den Weltraum führen. Die Kommerzialisierung des Alls läuft aktuell in neuen größeren Maßstäben. Davon profieren auch staatliche Akteure, sagen die Verfechter von New Space. Die NASA hat sich diesbezüglich weitgehend gewandelt und arbeitet eng mit New Space zusammen. Statt selbst Raketen und Raumgleiter zu entwickeln, vergibt sie an New- Space-Vertreter Aufträge. Das führt im New Space zu einem harten Konkurrenzkampf, mit der Folge, dass die Kosten sinken. Wettbewerb ist nun einmal sowohl für die Unternehmen als auch für die Kunden gut.

Wettbewerb bietet Kunden die besten Preise bei hoher Qualität und Unternehmen die Motivation, sich kontinuierlich zu verbessern und wettbewerbsfähige Angebote zu machen – und das soll nun eben auch für den Weltraum gelten. In Europa ist diese Herangehensweise nicht unbekannt, steckt aber noch in den Kinderschuhen. Zwar wurde mit der im Mai 2023 verabschiedeten Commercial Cargo Transportation Initiative (CCTI) der Versuch gestartet, verstärkt private Unternehmen in die Entwicklung kostengünstiger Raketen einzubeziehen, doch konkrete Ergebnisse stehen noch aus. Das führt dazu, dass sich die Kosten etwa für den Start einer Ariane-Trägerrakete, des „Raketen-Flaggschiffs“ der ESA, auf rund 100 Millionen Dollar belaufen. Für eine Falcon 9 von SpaceX hingegen müssen die Auftraggeber nur auf knapp 70 Millionen Dollar berappen. Beobachter sagen, dass SpaceX selbst zu Kosten von nur 50 Millionen Dollar pro Start noch gewinnbringend arbeiten würde.

Die Amerikaner sind damit deutlich günstiger, was ihnen einen Wettbewerbsvorteil sichert. Und damit ist sicherlich noch nicht das Ende der Kostensenkung erreicht. Mit Starship etwa, einer riesigen Rakete von SpaceX, die noch 2026 ihre Testphase beenden und den regulären Dienst aufnehmen soll, sollen die Kosten weiter gedrückt werden, auf wenige Hundert Dollar je Kilogramm Transportlast. Halten die Europäer nicht dagegen, so Kritiker, könnten sie eines Tages völlig aus dem Geschäft mit den Raketenstarts gedrängt. Die EU leidet leider an nationalen Egoismen ihrer Mitgliedsländer, wie wir bei Airbus sehen.

 

Dabei geht es nicht um die Größe allein. Während Ariane und Falcon und in Zukunft auch Starship durch Masse überzeugen, setzt man bei New Space auch häufig auf kleine bis mittelgroße Raketen. Hergestellt in Serie und weitestgehend wiederverwertbar sollen sie die Kosten auf ein Minimum reduzieren. Wie eine Art „Taxisystem“ sollen sie permanent Satelliten in das Weltall transportieren. Das funktioniert schon sehr gut. Das Unternehmen Rocket Lab aus Kalifornien etwa hat sich fest am Markt für private Raketenstarts im Bereich klein bis mittelgroß etabliert. Von Startplätzen in Neuseeland und im Bundesstaat Virginia hob die Electron-Rakete im zurückliegenden Jahr 21 Mal ab, und das jedes Mal erfolgreich. Die Electron wird von Experten als sehr zuverlässig gelobt. Seit ihrem Debüt im Jahr 2017 ist sie insgesamt 79-mal ins All geflogen und hat dabei nur vier Ausfälle verzeichnet. Allerdings hapert es noch bei den Kosten. Diese sind pro Kilogramm Transportlast in die erdnahe Umlaufbahn um ein Vielfaches höher als etwa bei SpaceX. Doch Rocket Lab bietet seinen Kunden gewisse Vorteile. So müssen sie auf keinen Starttermin warten, sondern können individuell bestimmen, wann die Rakete abheben soll. Rocket Lab ermöglicht also eine schnelle Verfügbarkeit, im Gegensatz zu SpaceX, wo die Kunden auf den Zeitplan des Hauptnutzlastgebers warten müssen. Vor allem das US-Militär schätzt diesen Service und gehört zum festen Kundenstamm der Kalifornier. Zudem will Rocket Lab mit der neuen kostengünstigen Rakete Neutron, die noch im laufenden Jahr ihr Debüt feiern soll, in Zukunft auch preislich attraktiv sein. Mit der Neutron sollen die Kosten für den Transport von Satelliten ins Weltall auf das Niveau von SpaceX und der Falcon 9 gesenkt werden. Der Aktie von Rocket Lab bekam das gut. Von einem Tief bei  22 Euro im Juni 2025 kommend, eroberte die Aktie im Januar 2026 einen neuen Höchststand von 83 Euro im Januar 2026. Aktuell  bewegt sich das Papier um die 70 Euro.

Der Wettbewerb wird zunehmen, auch Deutschland mischt fleißig mit. Jede Menge kleinere private Unternehmen, teilweise im Start-up-Format, wie Isar Aerospace, Hyimpulse und Rocket Factory Augsburg (RFA), tüfteln an Raketen. Auch wenn diese Unternehmen nicht über die gleichen finanziellen Mittel wie die großen Unternehmen aus den USA verfügen, in Sachen Know-how können sie locker mithalten. Dann gibt es natürlich die zahlreichen, Zulieferer, zum Beispiel die zum Bremer Konzern OHB gehörende MT Aerospace aus Augsburg, die zwar keine Raketen bauen, aber wichtige Schlüsselkomponenten liefern. Die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie hat laut dem Bundesverband BDLI 2024 einen Umsatz von mehr als 52 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das ist ein Plus von 13 Prozent. Dabei entfallen rund 3 Milliarden Euro auf die Raumfahrt. Die Zahlen für 2025 liegen noch nicht vor dürften aber höher liegen.