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Der Clubfonds-Ticker
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Blick nach Osten – Japans Märkte erwachen  wieder

Das Land der aufgehenden Sonne, wie das ostasiatische Kaiserreich schon immer genannt wird, hatte in den 80iger des vorigen Jahrhunderts einen Wirtschaftsboom erlebt. Die Immobilienpreise explodierten, die Aktienkurse vervielfachten sich und der japanische Aktienmarkt erreichte Ende der 1980er-Jahre Rekordhöhen. Doch der Boom basierte auf wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und spekulativen Erwartungen, die sich als instabil erwiesen. Als die Notenbank des Landes, die Bank of Japan (BoJ) erkannte, dass alles aus dem Ruder lief, begann sie mit Zinsanhebungen und Kreditrestriktionen. Die Immobilienpreise brachen in der Folge ein, und die Aktienkurse stürzten ab.

Wie immer in Boomzeiten hatten sich viele Firmen aber auch sehr viele private Haushalte enorm verschuldet und auch überschuldet. Es kam,  wie es nicht anders zu erwarten war, zu massiven Zahlungsausfällen, mit denen die Banken schwer zu kämpfen hatten. Die Kreditvergabe wurde daraufhin drastisch eingeschränkt, was Investitionen stoppte und die japanische Wirtschaft zum Erliegen brachte. Viele Unternehmen waren über verschachtelte Beteiligungen und überteuerte Assets belastet, was eine rasche Erholung der Märkte erschwerte.

Es folgten verlorene Jahrzehnte mit Deflation und schwachem Wirtschaftswachstum. Unternehmensgewinne stagnierten oder sanken. Für Anleger bedeutete dies: schwache Aktienrenditen, geringe Dividendenausschüttungen und schwache Wachstumsaussichten, weshalb ausländische Investoren lange einen großen Bogen um den japanischen Aktienmarkt machten.

Ok, die Krise hat einige Jahre und viel zu lang angehalten. Doch das ist jetzt vorbei. Japan ist inzwischen erwacht und gestärkt aus der Krise hervorgegangen, bereit für Investoren.

Nach dem Platzen der Immobilienblase Anfang der 1990er-Jahre wurde die Geldpolitik erheblich gelockert. Der Leitzins, der zu Hochzeiten des Börsenbooms mehr als 8 Prozent betragen hatte, wurde schrittweise gesenkt und sackte 1995 erstmals unter die 1-Prozent-Marke. Bis heute notierten die Zinsen nie mehr darüber. Doch selbst Zinsen nahe der 0-Prozent-Marke konnten die Wirtschaft viele Jahre lang nicht entscheidend ankurbeln. Daher entschied sich die Bank of Japan im Jahr 2016, den Leitzins in den Negativbereich zu senken, wo er bis Februar 2024 verweilte. Die lockere Geldpolitik hatte natürlich negative Folgen für die Landeswährung, den japanischen  Yen, der sich im Vergleich zu den meisten Währungen stark abschwächte und zum Sinnbild wirtschaftlicher Unsicherheit wurde. Doch heute wirkt der schwache Yen wie ein Konjunkturprogramm. Die  Exportindustrie – von Autoherstellern bis hin zu Elektronikgiganten – profitiert massiv von der günstigen Währung. Waren aus Japan werden im Ausland preislich attraktiver, während die inländischen Gewinne nach Umrechnung in Yen Rekordhöhen erreichen. Die Währungsschwäche hat auch die Attraktivität des japanischen Aktienmarkts für ausländische Investoren deutlich erhöht.

Fakt ist aber auch, dass es nicht allein der schwache Yen ist, der den Aufschwung treibt. Die japanische Industrie vereint bekannter weise Tradition und Innovation wie kaum eine andere. Da Japan traditionell in Bereichen wie Elektronik, Maschinenbau und Robotik stark ist, erwachsen hier Wettbewerbsvorteile – besonders wenn die Nachfrage wie aktuell global steigt. Im globalen Hype um Themen wie Halbleiter, Künstliche Intelligenz und Robotik hat sich Japan inzwischen zu einem der wichtigsten Zulieferer entwickelt. Politik und Notenbank haben die Wirtschaft speziell in den vergangenen Jahren auf ein neues Fundament gestellt. Strukturelle Reformen, Steueranreize und eine gezielte Deregulierung haben die Investitionsbereitschaft japanischer Unternehmen spürbar erhöht. Zudem hat sich die Corporate- Governance-Kultur stark verändert. Unternehmen achten verstärkt auf Aktionärsinteressen, Transparenz und Kapitalrendite – ein Bereich, in dem Japan dem Westen lange hinterherhinkte. Die Unternehmensbilanzen sind so solide wie lange nicht, die Dividenden und Aktienrückkäufe sogar so hoch wie nie zuvor, was vor allem ausländische Investoren überzeugt, wieder in den Markt einzusteigen.

 Alle Probleme konnte Japan jedoch noch nicht lösen. Das Land muss sich weiterhin demografischen Herausforderungen (alternde Bevölkerung, niedrige Geburtenrate) und strukturellen Problemen stellen, die aus der langen wirtschaftlichen Stagnation resultieren. Das Verhältnis zu China ist noch verbesserungswürdig, allerdings hängt das nicht nur allein von Tokio ab. Doch die noch immer viertgrößte Volkswirtschaft der Welt ist auf einem guten Weg. Der japanische Aktienmarkt gilt im internationalen Vergleich auch nach der jüngsten Rally noch immer als günstig.

In der zweiten Jahreshälfte wurden japanische Aktien durch inflationsbedingte Margen-Verbesserungen, anhaltende Governance-Reformen, die Nachfrage nach KI-bezogenen Investitionen und verstärkte Erwartungen an die Politik unter der neuen erzkonservativen Premierministerin Sanae Takaichi begünstigt. Finanzexperten glauben, dass japanische Aktien ein starkes Potenzial für ein zweistelliges Gewinnwachstum haben. Exportbranchen wie die Automobilindustrie, die von den US-Zöllen betroffen waren, dürften sich erholen, da sie ihre Produktion weiter lokalisieren, ihre Lieferketten diversifizieren und die Preise nach Möglichkeit erhöhen.

Darüber hinaus dürfte die Binnennachfrage – insbesondere aus dem Unternehmenssektor – von der starken Investitionsbereitschaft profitieren, die durch Inflationserwartungen und KI-bezogene Nachfrage angetrieben wird und das Wirtschaftswachstum stützt. 

Das Land der aufgehenden Sonne wird für Anleger wieder interessant.