Der Brexit – Eine unendliche Geschichte

Wir wissen nicht, was die Queen von ihrer Premierministerin hält. Zu der regelmäßigen Berichterstattung der oder des gerade regierenden Premiers Ihrer Majestät sind keine Journalisten zugelassen, und es gibt auch keine Verlautbarung über den Inhalt der Gespräche. Aber es dürfte wohl klar sein, dass die Queen ein derartiges Trauerspiel wie den Brexit in ihrer langen Zeit als Staatsoberhaupt noch nicht erlebt hat.

Aber auch die EU kommt in diesem Drama nicht besonders gut weg.

Wir haben bewusst nicht mehr zu jeder Etappe des nunmehr bald zweijährigen Austrittsprozesses Stellung genommen, ja sogar zuletzt insgeheim gehofft, dass Theresa May doch noch einen Plan B aus ihrer großen Handtasche hervorzaubert. Aber leider waren diese Hoffnungen vergebens.

Ein harter Brexit rückt immer näher

Am 30. März 2019 wird das Vereinigte Königreich höchstwahrscheinlich gemäß Artikel 50 des EU-Vertrages nicht mehr zur Europäischen Union gehören, aber der Brexit wird Folgen haben, die uns alle betreffen. Speziell die Wirtschaft wird die Auswirkungen mitunter schmerzhaft zu spüren bekommen und mit ihr die Unternehmen und Bürger.

Dabei liegt ein vollständig ausgehandelter Austrittsvertrag vor. Aber alles nur auf das wirklich nicht unwichtige und zum Teil auch in seiner politischen Wirkung gefährliche Detail Backstop zu schieben, ist zu kurz gesprungen. Die mit dem Backstop gemeinte Regelung betrifft die offene Grenze zwischen dem EU-Mitglied Irland und der britischen Provinz Nordirland. Durch den Brexit entsteht nun auf der irischen Insel eine Außengrenze der Europäischen Union. Normalerweise kontrollieren Grenzbeamte an solchen Grenzen Waren und Personen, es gibt Schlagbäume und Grenzzäune. Doch genau das soll an der historisch sensiblen Grenze nicht geschehen, damit alte, blutige Konflikte zwischen Nordirland und Irland nicht neu aufflammen.

Wenn die Europäische Union und Großbritannien es in der Übergangsphase – sie ist bis 2020 terminiert – nicht schaffen, ein gemeinsames Handelsabkommen auf die Beine zu stellen, dann bleibt ganz Großbritannien in der Zollunion der Europäischen Union und Nordirland zusätzlich noch im europäischen Binnenmarkt. So sollen ein freier Warenverkehr garantiert und Grenzkontrollen verhindert werden. Der Backstop ist unbefristet. Er gilt solange, wie es kein gemeinsames Handelsabkommen zwischen der EU und Großbritannien gibt. Und ganz wichtig ist: Er kann nicht von einer Seite aufgekündigt werden. Damit entfällt der Druck auf die EU, schnell ein Abkommen auszuhandeln – eine bequeme Lösung für die EU.

Und genau daran stören sich die „Brexiteers“ im britischen Parlament. Denn so wird der Brexit unterlaufen, und Großbritannien bleibt weiter in der Zollunion und an die EU gebunden, nur dass sie nicht mehr mitreden dürfen.

Es war von vornherein klar, dass diese Meisterleistung der EU-Granden, die auf der wirtschaftlichen Stärke der Union beruht, im britischen Parlament auf erbitterten Widerstand stoßen würde. Fakt ist auch, dass die Briten damit eine sehr lange Zeit in der EU festhängen werden, denn die EU hat so kein Interesse an einem neuen Freihandelsabkommen mit dem abtrünnigen Königreich. Denn im abgelehnten Abkommen ist ebenso geregelt, dass Großbritannien auch keine neuen Handelsabkommen mit anderen Ländern der Welt abschließen darf und sich noch lange nach dem Brexit weiterhin an EU-Regeln halten muss.

Für die EU wäre der Backstop eine runde Sache: Der freie Warenverkehr ist damit garantiert, und das EU-Mitglied Irland ist geschützt.

Dann schon lieber einen „No-deal-Brexit, so dagegen die Befürworter des harten Brexits.

Die wirtschaftlichen Folgen des Brexits

Nicht umsonst existieren Notfallpläne in der und für die Wirtschaft in Deutschland und allen anderen beteiligten Ländern. Es wird sicher einige Probleme – auch Versorgungsprobleme – auf beiden Seiten geben, auf der britischen Seite jedoch vermutlich größere.

Die Finanzindustrie, die einen großen Teil des britischen Bruttosozialprodukts erwirtschaftet, hat zudem schon sehr früh damit begonnen, den Finanzplatz London zu verlassen. Die Gewinner sind Irland und noch mehr das neue europäische Finanzzentrum Frankfurt.

Und auch Investitionen wurden überall zurückgestellt, bis alle Unsicherheiten beseitigt sind. Sollte es allerdings auf eine Absage des Brexit hinauslaufen, dann wird die Investitionstätigkeit geradezu einen Boom auf der Insel erleben.

Wie verhalten sich Kleinanleger?

Vorweg sei gesagt: Es gibt keine „Brexit-Aktien“, weil wir nicht erahnen können, in welche Richtung die Dinge sich entwickeln. Immerhin hat Theresa May fast unbemerkt versichert, EU-Bürger dürfen garantiert in Großbritannien bleiben. Dies kann auch für Unternehmen gelten – schon dies wäre ein positives Ende des Dilemmas.

Die Worst-case-Szenarien sind schon in die Kurse eingepreist. Anleger müssen sich folglich keine Gedanken um eine deutliche Verschlechterung im Brexit-Chaos machen. Wenn es zu einer Einigung oder gar einem zweiten Referendum käme, werden die Kurse wegen des vorhandenen Investitionsstaus voraussichtlich sogar eine Erleichterungs-Rallye hinlegen.

Der Erwerb von Qualitätsaktien oder gemanagten Aktienfonds ist für jeden Anleger ein Gebot der Stunde. Eine günstigere und so preiswerte Gelegenheit wird so schnell nicht wieder kommen.

Wir werden uns jetzt erst wieder mit einer Einschätzung des Brexit und der Folgen zurückmelden, wenn es wirklich ein greifbares Ergebnis so oder so aus London und Brüssel gibt.

Tipps und Informationen für Anleger und Sparer

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