Verkauf Wirecard AG 

Wirecard – die große Enttäuschung des Monats

In diesem Monat ist der einst gefeierte Börsenstar und DAX-Liebling in die Insolvenz gegangen. Leider hatten auch wir diesen Wert in unser Depot kürzlich noch aufgenommen. Immer in der Hoffnung, dass Wirecard einen Nachweis für die im Feuer stehenden 1,9 Milliarden Euro erbringt. Aber vergebens, Wirecard konnte das nicht. Und da die fehlende Summe nicht gerade Peanuts darstellen, war die Beantragung der Insolvenz folgerichtig. 

Nun muss sich der Insolvenzverwalter, wahrscheinlich wird der in Großinsolvenzen erfahrene Münchner Jurist Michael Jaffe (Kirch media, P&R Gruppe (Seecontainer) etc.) damit beauftragt, einen Überblick über das wirkliche Ausmaß des Desasters verschaffen. Dass das fehlende Geld gefunden wird, ist nahezu ausgeschlossen. Markus Braun räumte seinen Platz als Vorstandsvorsitzender und verbrachte einige Stunden in Untersuchungshaft, bevor er gegen Hinterlegung einer hohen Kaution wieder auf freien Fuß kam. Neben dem Insolvenzverwalter, der das hauptsächliche Sagen haben wird, gibt es eine neue Personalie in der Führung von Wirecard zu vermelden. Der US-amerikanische Jurist James H. Freis jr. wurde noch schnell bis zum 30.06.2023 zum Vorstandsvorsitzenden bestellt. Vielleicht die beste Entscheidung der letzten Tage von WireCard, denn jetzt sind keine Visionen mehr gefragt. Jetzt muss die juristische Aufarbeitung des Skandals beginnen.

Wie konnte es soweit kommen?

Das Schmuddel-Image aus den Anfängen (Zahlungsabwickler für Onlinecasinos, Pornoseitenbetreiber etc., die gern eine höhere Gebühr für die problemlose Abwicklungen der Zahlungen auf den Tisch legten) hatte Wircard längst abgestreift.

Zu den Kunden von Wirecard gehörten und gehören zum Teil noch Aldi, Lidl und viele andere Einzelhändler mit sauberem Geschäft. Der Fehler in den Überlegungen war „Geld verdienen”. Wirecard wies jedes Jahr Gewinne aus, doch die Realität zeigte, es wurden in den letzten Jahren nur Verluste erwirtschaftet.

Auf den Seiten von Finanz-Szene.de wird vorgerechnet, dass Wirecard vermutlich seit 10 Jahren kontinuierlich Verluste erwirtschaftet hat, durch Bilanztricks jedoch stets Gewinne auswies.

Mit einer Standard-Bankdienstleistung, etwas anderes hat das Unternehmen im Massengeschäft nicht angeboten, wurden Gewinne ausgewiesen, die Verluste waren.

Aber nun gerät eine andere Branche in Verruf, die Wirtschaftsprüfer. Erst einmal nur Ernst & Young (EY), eine der renommiertesten Gesellschaften auf diesem Gebiet. Wie konnten mit allen Wassern gewaschene und mit allen Bilanztricks vertraute Wirtschaftsprüfer diese Abschlüsse überhaupt testieren? Spätestens seit die Fachjournalisten von „Financial Time“ die Zahlen von Wirecard anzweifelten, das war 2017, also vor dem DAX –Eintritt, hätte EY diese Jahresabschlüsse genauer unter die Lupe nehmen müssen. Anleger haben keine Möglichkeit diese Abschlüsse zu prüfen und sie zu hinterfragen, sie müssen bei ihren Anlageentscheidungen, wie wir vom NDAC auch, darauf vertrauen können, dass die Wirtschaftsprüfer einen ordentlichen Job machen.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat sich vor unseren Augen als zahnloser Tiger erwiesen, völlig nutzlos in der jetzigen Form. Was wir brauchen ist eine Aufsichtsbehörde mit mehr Fachkompetenzen, denn wenn die Beamten irgendwo auftauchen oder Nachweise anfordern, wie bei Wirecard geschehen, werden sie wahrscheinlich nur müde belächelt. Man gibt ihnen das, was wieder andere Beamte für ihre Tätigkeit benötigen. Keiner will einen Börsenstar vor den Kopf stoßen, schließlich könnte der abwandern.   

Das andere Kaliber, wie die US amerikanische Börsenaufsicht übrigens auch schon gescheitert ist, zeigte der Fall der milliardenschweren ENRON-Pleite aus dem Jahr 2001. Aber seither ist nichts wieder in dieser Größenordnung dort passiert.

Was können Kleinanleger noch tun?

Ist das Geld verloren, was Kleinanleger in Wirecard investiert haben? Manche Anleger denken das, aber solange noch Masse vorhanden ist, gibt es die  Möglichkeit, die Ansprüche der Kleinanleger bis zu einem gewissen Grad zu befriedigen. Zumindest ist eine im Kapitalmarktrecht erfahrene Kanzlei mit den ersten Klagen an die Öffentlichkeit getreten. Über 12.000 Anleger sind dort bereits registriert.

Denn neben der Wirecard AG gibt es noch weitere Musterverfahren gegen weitere Haftungsgegner, insbesondere gegen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young sowie die Ex-Vorstände Braun und Marsalek, der erst einmal untergetaucht ist, und das Vorstandsmitglied von Knoop.  

Auch gegen die Bafin sollte eine Staatshaftungsklage nicht ganz aussichtlos sein. Geschädigte Anleger können sich immer noch ,z.B. auf der Webseite der Kanzlei Tilp, für die Sammelklage registrieren.

Es steht aber jedem frei, selbst einen Anwalt zu beauftragen oder anderen Sammelklagen beizutreten. Kleinanleger sollten aber eine Rechtschutzversicherung für diesen Fall in der Hinterhand haben.

Fazit:

Wirecard ist erst einmal Geschichte, aber wir haben daraus gelernt, kritisch die Zahlen und  Prognosen zu hinterfragen. Und noch eines möchten wir betonen, die überwiegende Mehrheit der Unternehmen arbeitet sauber und mit nachvollziehbaren und renditestarken Geschäftsmodellen.

Tipps und Informationen für Anleger und Sparer

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