Der Kursrückgang unseres Depotwertes Alibaba – Gibt es Probleme?

Unser Depotwert Alibaba aus dem Reich der Mitte ist in den vergangenen Tagen zurückgekommen. Nun fragen sich viele Anleger warum?

Zunächst einmal, im Gegensatz zu den Negativschlagzeilen in den Finanzmedien ist ihr Autor nicht pessimistisch für das Alibaba-Papier gestimmt. 

Wir haben vor kurzem noch darüber berichtet, dass mit der Ant Group das bis dato weltgrößte IPO an der chinesischen Börse bevorsteht. 

Institutionelle Investoren hatten bereits Aktien im Volumen von 37 Milliarden Dollar des chinesischen Fintech Ant Financial gezeichnet und wahrscheinlich eine nicht unbedeutende Anzahl von Kleinanlegern stand wohl auch Gewehr bei Fuß, um die Aktie zu erwerben. Aber trotz immenser Nachfrage, immerhin hätte der Börsengang das bisher führenden IPO von Saudi- Aramco aus dem Vorjahr (29 Milliarden Dollar) weit in den Schatten gestellt, wurde das Großereignis kurzfristig zwei Tage vorher durch die Börse in Shanghai abgesagt.

Die Marktteilnehmer, Großinvestoren, Banken und andere rätseln über die Hintergründe, denn die Ant-Führung unter Großaktionär Jack Ma steht seit Monaten im engen Austausch mit den Behörden und hätte so auch alle noch auftretenden eventuellen Probleme klären können.

Jack Ma ist der schwerreiche und auch (fast) unabhängige Gründer und CEO von Alibaba. Der Alibaba-Chef ist wie sein US-amerikanisches Pendant Amazon Chef Jeff Bezos (er hat sich mit Präsident Trump angelegt, allerdings ohne Folgen) ein sehr selbstbewusst auftretender Milliardär und CEO. Sein taktischer Fehler dabei war wohl, dass er sich zu kritisch über chinesische Staatsbanken geäußert hat. Diese wiederum werden Ant als immer stärkere und unkontrollierbare Konkurrenz bei der Kreditvergabe an die chinesische Wirtschaft gesehen haben. Die Ant Group beinhaltet unter anderem die Smartphone-Bezahl-App Alipay und vergibt Kredite. Die kommunistischen Parteikader (oder was auch immer für Leute da sitzen) in den chinesischen Staatsbanken haben sich dabei wohl selbst ein faules Ei ins Nest gelegt oder die Reden von Partei- und Staatschef Xi Jinping nicht richtig verstanden. Die Börsenstandorte Shenezen und Hongkong sollen gestärkt werden, um den globalen Anspruch des Reichs der Mitte im Finanzsektor weiter zu stärken. Wegen dieser Fehlentscheidung werden wohl wieder einige Köpfe in den staatlichen Banken rollen… Ihr Autor ist der Meinung, dass der Börsengang sehr schnell nachgeholt wird. Es geht schließlich um ein Milliardengeschäft.

Aber die Börse hat reagiert und das auch eng mit Jack Ma verbundene Unternehmen Alibaba zu Unrecht auf Talfahrt geschickt, denn Alibaba hat noch enormes Wachstumspotential. Das bewies auch der vor kurzem durchgeführte „Singles Day“ (entspricht dem amerikanischen und mittlerweile auch deutschem Black Friday). An diesem Tag verkaufte der Online-Riese Waren im Wert von 498,2 Milliarden Yuan, das entspricht beachtlichen 63,68 Milliarden Euro. Zum Vergleich, der weltweite Jahresumsatz der deutschen Otto-Group 2019/2020 beträgt 14,265 Milliarden Euro.

Auch das Cloud-Geschäft, dem der Konzern mehr Aufmerksamkeit schenken will, war kräftig gewachsen. Dank der beschleunigten Digitalisierung weltweit stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um 60 Prozent auf 14,9 Milliarden Yuan. Gewinne sind in der Cloud-Sparte Alibaba noch lange nicht zu verzeichnen. Das bereinigte operative Cloud-Ergebnis verbesserte sich auf einen Verlust von 156 Millionen Yuan – nach einem Negativergebnis von 521 Millionen Yuan im Vorjahresquartal. Amazon, Microsoft und andere Cloud-Anbieter mögen nur müde lächeln über die Konkurrenz aus Fernost, aber wer die Chinesen unterschätzt, wird eines nicht so fernen Tages einen scharfen Wettbewerber um die Marktanteile bekommen. 

Die Analysten sind jedenfalls nach wie vor optimistisch gestimmt. Seit der Jahresmitte ist das Kursziel der Analysten laut der Bloomberg-Datenbank auf Sicht der kommenden zwölf Monate im Durchschnitt um knapp 100 Dollar gestiegen. 340,69 Dollar lautet der derzeitige Konsens der Einschätzungen, der damit knapp 32 Prozent über dem aktuellen Kurs liegt. Auch wenn wir die aktuellen Kursziele der letzten Tage betrachten, sehen wir mit den Einschätzungen zwischen 296 Dollar und 394 Dollar doch ein erhebliches Wachstumspotential für Alibaba. Der aktuelle Kurs des Papiers liegt bei 253 Dollar oder 214 Euro.

Fazit 

Bei chinesischen Papieren spielen immer die staatlichen Stellen/Politik eine Rolle, das müssen wir als Anleger akzeptieren und solche Aktionen aber auch richtig einordnen. Alibaba ist breit und attraktiv in Zukunftsbereichen wie E-Commerce und Cloud positioniert. Die IPO-Verschiebung der Ant Group mag sich ebenso wie Chinas Regulierungsbestrebungen kurzfristig negativ auf den Kurs auswirken. Bislang gibt es allerdings keinen handfesten Grund an den positiven Langfristaussichten für Alibaba`s operatives Geschäft zu zweifeln. Der Kursrücksetzer ist daher eher eine Kaufgelegenheit als ein Verkaufsgrund. Auf solche Kursrücksetzer bei Wachstumswerten warten Anleger immer, um billiger wieder einzusteigen oder ihre Positionen auszubauen.

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