Carsten Witt klärt auf

Aktiensplits und umgekehrte Aktiensplits

Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des Niedersächsischen Anlegerclubs (NDAC)
 

Würden Sie eine Aktie kaufen, die schlappe, runde 285.000 Euro kostet? Das dürfte wohl das Cash- Limit eines Kleinanlegers sprengen. Aber es gibt solche teuren und exklusiven Aktien, die auch noch einen relativ regen Umsatz aufweisen. Berkshire Hathaway wäre zum Beispiel so ein teures Exemplar, wohlgemerkt die A-Version. Aber gut, das Warren Buffet eine B-Version für den schmaleren Geldbeutel an die Börse gebracht hat. Diese haben wir in unserem NDAC- Depot und sie ist wohl in vielen Depots von Kleinanlegern und auch nicht so „kleinen Anlegern“ vertreten. Diese Qualitätsaktie kostet aktuell um die 190 Euro und ist somit für eine breite Masse erschwinglich.

Zwei Varianten einer Aktie an den Börsen anzubieten ist eine, wenn auch selten praktizierte, Möglichkeit für den Handel von zu teuer gewordenen Aktien.

Die weitaus mehr praktizierte Methode ist ein Aktiensplit.

Was ist ein Aktiensplit?

E-Auto Produzent Tesla hat es getan, aber auch unsere Depotwerte, der Online Gigant Amazon und der Smartphone Hersteller Apple, haben einen Aktiensplit vorgenommen.

Bei einem Aktiensplit handelt es sich lt. Definition um eine Maßnahme, bei der eine Aktiengesellschaft den Nennwert der Aktien herabsetzt oder die Anzahl der ausgegebenen Aktien erhöht, um den Kurs einer börsennotierten Aktie zu reduzieren und die Aktie damit leichter handelbar zu machen. Teilt ein Konzern seine Aktien beispielsweise im Verhältnis 1:5, wird die Anzahl der ausstehenden Anteilsscheine verfünffacht, während der Preis je Wertpapier gefünftelt wird.

Eine solche Splittung kann natürlich nicht das Management allein festlegen, dazu bedarf es in der Regel der Zustimmung der Hauptversammlung. Hier wird über einen möglichen Aktiensplit sowie das Tauschverhältnis abgestimmt. Dabei genügt eine einfache Mehrheit der auf der Hauptversammlung vertretenen Stimmrechte.

Wenn es sich um Nennbetrags-Aktien handelt, werden die alten Aktien eingezogen und neue Aktien mit gleicher Wertpapierkennnummer in die Depots gebucht. Handelt es sich hingegen um Stückaktien ohne Nennwert, wird die Aufteilung mit Hilfe einer Satzungsänderung durchgeführt.

Das führt manchmal zu kurzzeitigen Irritationen bei Anlegern, die nicht unbedingt öfter in ihr Depot schauen und dann auf einmal feststellen, dass der Kurs stark gefallen ist. Erst der zweite Blick bringt dann die Erklärung, wenn der Wert des Depots und die Stückzahl der Effekten in das Blickfeld des Anlegers geraten.

Warum werden Splits vorgenommen?

Ein Aktiensplit ist immer psychologisch bedingt und hat mit dem Wert eines zu Grunde liegenden Unternehmens nicht das Geringste zu tun. Mit solch einem Schritt reduziert sich unmittelbar der Preis pro Aktie. Die jeweilige Aktie wirkt so optisch billiger und ist in der Regel ebenfalls leichter handelbar, da der geringere Preis eine größere Zielgruppe anspricht. Aktien mit einem Preis von beispielsweise 10 Euro sind so für jede Anlegerschicht erschwinglich, während Aktien mit einem Preis von 2.000 Euro pro Stück schon eine gewisse Kapitalausstattung des Investors erfordern. Fakt ist, das hier auf die Zielgruppe der Kleinanleger geschielt wird, den Großinvestoren wie Fonds, Banken, Versicherungen etc. ist es egal, ob gesplittet wird oder nicht. 

Ein Aktiensplit hat in der Regel Einfluss auf die Kursentwicklung eines Wertpapiers. So löst häufig allein die Ankündigung eines Splits eine kurzfristige Preisrally aus. Altaktionäre profitieren in der Regel von solchen Spielchen. Doch rein theoretisch handelt es sich dennoch um ein Nullsummenspiel.

Positiv zu sehen ist lediglich, dass der Kurs nicht verwässert wird, wie z.B. bei einer Kapitalerhöhung.

Neuaktionäre, die nach einem Split kaufen, sollten bedenken, dass es für die Maßnahme Gründe gibt. Denn häufig wird ein Aktiensplits gerade dann durchgeführt, wenn die Aktienkurse einer Gesellschaft schon über einen längeren Zeitraum enorm angestiegen sind oder sich die Aktien seit geraumer Zeit in einem Seitwärts-Trend befinden. Also bitte nicht die fundamentale Datenlage ausblenden. Zumal auch die eventuellen Ausschüttungen an die neue Situation angepasst werden.

Das Gegenteil: Der Reverse-Split

Was in die eine Richtung funktioniert, ist auch in die andere Richtung möglich. Wir sprechen dann von einem Reverse Split, also der Zusammenlegung von Aktien zu einer wertvoller erscheinenden Aktie. Wir kennen das: Was nicht viel kostet, taugt auch nichts. Also werden jetzt 10 Aktien von bspw. 0,50 Euro zu 5 Euro zusammen gelegt, hört sich doch gleich viel werthaltiger und solider an. Ist aber auch nur Psychologie, der gleiche Zweck wie beim normalen Split wird damit verfolgt. Neueinsteiger in das Börsengeschehen könnten damit veranlasst werden, ihr Kapital in wertlose Papiere zu investieren. Oder glauben Sie, dass bspw. Wirecard jetzt ein besseres Unternehmen wäre, wenn der aktuelle Aktienkurs von 0,60 Euro plötzlich auf 6,00 Euro ansteigen würde, weil es eine Zusammenlegung von Aktien gegeben hat?! 

Auch bei einem Reverse ist der aktive Anleger gefragt, der sich mit den Fundamentaldaten eines Unternehmens vor seiner Investition beschäftigt.

Tipps und Informationen für Anleger und Sparer

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