Der Dieselmotor und die Folgen für den Anleger

Rudolf Diesel (geb. 1856, gest.1913), der Erfinder des gleichnamigen Motors würde sich im Grabe herum drehen, wenn er wüste, welche Kapriolen seine Erfindung heute schlägt. Ich glaube, er würde nur den Kopf schütteln über so viel Ignoranz von seinen Nachfahren. Er hätte bestimmt, den aus dem Jahre 1893 mit Hilfe von Friedrich Krupp entwickelten Motor, an die heutigen Umweltauflagen angepasst. Dass es damals auch nicht so schnell ging, beweist die Tatsache, dass der erste funktionstüchtige Dieselmotor erst nach vier Jahren im Jahre 1897 in Serie produziert wurde. Aber an den vier Jahren sollten sich die Automanager mit ihren technischen Möglichkeiten von heute ein Beispiel nehmen!

Die Entscheidung und die Reparaturversuche

Seit der aktuellen Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes über die Rechtmäßigkeit von Fahrverboten wegen der Umweltbeeinträchtigungen der Dieseltechnologie ist nichts mehr so, wie es einmal war. Wenn die Konzerne nicht so viel Geld in die Lobbyarbeit und die Verhinderung von Umweltauflagen gesteckt hätten, dann wäre vielleicht schon früher eine tragfähige Lösung gefunden worden. Ob die durchgeführten Software- Updates bei Dieselfahrzeugen mit Schummel- Software helfen, darf auch noch stark bezweifelt werden. So werden die Autofahrer sich mit blauen Plaketten in vermutlich allen möglichen Schattierungen die Wege in die Innenstätte freikämpfen müssen.

Das gemeinsame Politik- und Wirtschaftsversagen

Die Autoindustrie fürchtet die Fahrverbote, die in Deutschland bald kommen werden, wie der Teufel das Weihwasser. Deren Manager haben ganz einfach auf die alte Technologie gesetzt und damit Schiffbruch erlitten. Die Politik können wir leider auch nicht freisprechen von ihrem Versagen. Verkehrsminister jedweder politischen Richtung haben die Autoindustrie geschützt und die Justizminister spielten dabei die willfährigen Helfer, in dem sie z.B. Gesetze zu Sammelklagen verhinderten. So müssen jetzt Gerichte in Einzelfällen entscheiden, ob die Kläger als betrogene Kunden, Schadensersatz wegen arglistiger Täuschung erhalten können. Aber auch hier vermeidet die Autoindustrie alles, was zu einem Präzedenzfall und einem höchstrichterlichen Urteil mit Gültigkeit für die gesamte Bundesrepublik führen könnte. So wird es sicher keine Revisionsverhandlung des aktuellen Urteils über den Schadensersatz für eine Kundin aus Sachsen- Anhalt geben, die einen Diesel zurückgeben darf und den größten Teil ihres Geldes (abzüglich der Nutzungsentschädigung) zurück erhält.
Auch jetzt schlafen die politisch Verantwortlichen in diesem Land weiter. Wenn bspw. Fahrverbote kommen, dann müssen diese über die Polizei durchsetzt werden. Nur gibt es dafür nicht genügend Personal. Also werden müssen die verbleibenden Polizisten diese Aufgaben auch noch irgendwie schultern.

Weitere Probleme der Autoindustrie

Jetzt ist der Aufschrei unter den Managern groß, denn nicht nur mit dem Dieselproblem haben sie zu kämpfen. Die Absatzzahlen im Inland gehen zurück. Das Auto als Statussymbol verliert seine Strahlkraft. Carsharing ist für die jungen Leute zumindest in den Ballungsgebieten eine Option und lässt die Umsätze sinken. Elektroautos werden anderswo entwickelt und deren Einsatz dort richtig subventioniert (z.B. in Norwegen und China). Andere Länder werden nachziehen. Schwedische Autobauer und ganz aktuell der japanische Autokonzern Toyota verzichten auf den Dieselmotor. Auch hier wird es einen internationalen Nachahmungseffekt geben. Und sollte China sein ehrgeiziges Ziel mit E-Automobilität vor Deutschland erreichen, dann dürfen wir in China höflich nachfragen, ob wir diese Autos importieren können. Und da ist auch noch der Tesla- Konzern mit seinen visionären E-Autos. Hier können die deutschen Autokonzerne sehen, wie schwer sich so ein Modellversuch zu vernünftigen Preisen in die Praxis umsetzen lässt, es geht nicht von heute auf morgen.

Und das Depot der Kleinanleger?

Früher brauchten Kleinanleger sich keine Sorgen machen, wenn sie Autoaktien im Depot als sogenannte Cashcows hatten. Die Dividende und die Kursentwicklung der Wertpapiere bestätigten die Kaufentscheidung. Deutschland war und ist ein Auto- Land. Ob das in der Zukunft so bleibt, werden wir daran sehen, wie schnell die einzelnen Manager in den Konzernen das Ruder herumreißen können. Und da in Deutschland sehr viele Arbeitsplätze an der Autoindustrie und der dazu zugehörigen Zulieferindustrie hängen, darf über einen verstärkten und klugen Einsatz von Subventionen für die E- Mobilität, wie in bspw. China, von Seiten der Politik nachgedacht werden.
Hier liegen auch die Chancen für die Anleger. Die klassische Autoindustrie wird es noch eine Weile geben, auch die Dieselmotoren. Aber der Absatz der Autos mit alter Technologie wird schwinden, umso mehr sich die neue Technologie (Hybrid, E-Autos etc.) durchsetzen. Fakt ist auf jeden Fall, dass die neuen Technologien nicht so viele Arbeitskräfte mehr benötigen. Das wiederum wird die Produktionskosten absenken und die Gewinne der Konzerne, die rechtzeitig umgedacht haben, werden steigen. Und diese Konzerne müssen leider nicht mehr im alten Autoland Deutschland liegen, sie können es aber.
Kleinanleger sollten auf alles vorbreitet ein. Neues setzt sich manchmal sehr schnell durch. Bei Rudolf Diesel dauerte es nur vier Jahre.

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