Bayer – Viel Geld für ein Aufatmen!

Unser NDAC-Clubfonds-Depotwert Bayer aus dem Segment Substanzaktien kann wieder etwas optimistischer in die Zukunft sehen. Für ca. 11 Milliarden Dollar soll das Drama um den Unkrautvernichter Roundup und dessen Wirkstoff Glyphosat beendet werden. Dabei hat Bayer das Mittel nicht einmal selbst hergestellt, sondern sich die Probleme mit der Übernahme des US- amerikanischen Konkurrenten Monsanto im Jahre 2016 ins Unternehmen und damit auch in die Bilanzen geholt. Die Übernahme kostete den deutschen Chemiekonzern 62 Milliarden und nun noch einmal 11 Milliarden Dollar zusätzlich.

Der Leverkusener Konzern wird 8,8 bis 9,6 Milliarden Dollar zahlen, um die aktuellen Roundup-Fälle beizulegen. Darin enthalten ist eine Pauschale, mit der Ansprüche abgedeckt werden sollen, die noch nicht beigelegt sind. Für immer noch mögliche künftige Fälle stellt das Unternehmen dann noch einmal 1,25 Milliarden Dollar bereit. 

Bei 125.000 eingereichten und noch drohenden Klagen scheint der Betrag aber wohl gut investiert zu sein.

Glyphosat

Erinnern wir uns zurück. Monsanto ließ den Wirkstoff Glyphosat in den 1970ern in den USA patentieren und brachte ihn 1974 als Pflanzengift “Roundup” auf den Markt. Monsanto entwickelte sich zum führender Hersteller sowohl von glyphosathaltigen Herbiziden (“Roundup”) als auch von glyphosatresistenten gentechnisch veränderten Pflanzen (“RoundupReady”). Mittlerweile ist das Patent für Monsanto in den meisten Ländern abgelaufen, so dass glyphosathaltige Herbizide nun auch von anderen Konzernen hergestellt werden können. Als Beispiel sein hier nur “Touchdown” von Syngenta oder “Durango” von Dow AgroSciences aufgeführt. Außerdem werden große Mengen an Glyphosat in China hergestellt.

Glyphosat wird über die grünen Pflanzenteile aufgenommen und führt zum Tod der Pflanze, wobei Glyphosat-resistente Pflanzen beim Einsatz von Glyphosat nicht absterben. Im Boden kann Glyphosat die Nährstoffaufnahme bei Kulturpflanzen sowie den glyphosat-resistenten Pflanzen beeinträchtigen, zu höherer Schädlingsanfälligkeit und geringeren Erträgen führen.

Glyphosat hat einige Nebenwirkungen, wobei die wahrscheinlich krebserregende Wirkung beim Menschen hauptsächlich in Erinnerung geblieben ist und Bayer jetzt zu den Mehrausgaben in Milliardenhöhe zwingt.

Der Blick in die Bücher:

Ein wahrer Favorit ist Bayer bei den Anlegern derzeit noch nicht. An den Zahlen liegt es  nicht, die entsprechen den Erwartungen der Finanzexperten. Das Unternehmen legte einen operativ guten Jahresstart hin. Der Umsatz legte im ersten Quartal um sechs Prozent auf 12,8 Milliarden Euro zu, der bereinigte Gewinn stieg um zehn Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Im ersten Quartal zeigten sich bereits die Auswirkungen der Corona-Pandemie: Der Konzern hat einerseits mit Problemen zu kämpfen, wie etwa in der Steuerung von Lieferketten und Produktion. Andererseits profitieren die Leverkusener von der Krise. Der Umsatz ist auf Grund der erhöhten Bevorratung stark gewachsen (rezeptpflichtige Arzneien, Gesundheitsprodukte wie bspw. Vitaminzusätze etc.).

Auf der virtuellen Hauptversammlung am 28.04.2020 wurde für das Geschäftsjahr 2018/2019 (1. Oktober 2018 bis 30. September 2019) eine Dividende von 2,80 Euro, wie im Vorjahr, beschlossen.

Auf Grund der Schadensersatzklagen ist auch die Verschuldung von Bayer interessant. Im 1. Quartal 2020 wies der Konzern eine Nettofinanzverschuldung von rund 35,4 Milliarden Euro aus. Allerdings nimmt das Unternehmen weitere 6 Milliarden Euro neue Schulden auf. Vier Anleihen wurden am 01.07.2020 platziert, dabei profitiert der Chemiekonzern von der Niedrigzinsphase und zahlt für die nächsten 4 bis 12 Jahre Zinsen in Höhe von 0,375 bis 1,375 Prozent.

Fakt ist auch, dass trotz der Risiken durch Glyphosat die Analysten weiterhin positiv für unseren Depotwert gestimmt sind. 12 Mal lautet das Urteil kaufen und 5 Mal halten, keiner empfiehlt aktuell einen Verkauf. Als durchschnittliches Kursziel errechnet sich ein Wert von 84,69 Euro, wobei die Schätzungen der Analysten im Bereich von 110 Euro (UBS) bis 70 Euro (Credit Suiss) liegen. Aktuell schwankt der Wert um 67 Euro und hat damit seinen 52-Wochen-Tiefpunkt von 45,00 Euro überwunden und so weit ist der Weg bis zum maximalen 52-Wochen-Wert von 79,00 Euro auch nicht mehr.

Fazit:

Bayer muss innerhalb von 4 Jahren beweisen, ob Glyphosat krebserregend ist oder nicht, so die Selbstverpflichtung. Dazu soll eine Gruppe künftiger Kläger und ein unabhängiges Wissenschaftsgremium eingerichtet werden, welches innerhalb von vier Jahren zu einer Entscheidung kommen wird, woran sich Bayer halten will. Sollte das Wissenschaftsgremium beschließen, dass es keinen Kausalzusammenhang gibt, wird es den Mitgliedern der Gruppe verwehrt sein, in künftigen Verfahren gegen das Unternehmen das Gegenteil zu behaupten. Und hier liegt die Chance für die Aktie. Im umgekehrten Fall droht eine neue Klagewelle.

Aber Bayer besteht nicht nur aus Glyphosat/Roundup, sondern hat, wie wir in einer Unternehmensvorstellung schon einmal geschrieben haben, noch mehr Produkte in der Pipeline, die auf dem Weltmarkt gefragt sind. Wir bleiben dabei.

Tipps und Informationen für Anleger und Sparer

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