Amazon – der Gigant wird Trump überleben

Die Maßbänder liegen bei vielen schon bereit, denn in weniger als hundert Tagen entscheidet sich, ob Donald Trump Präsident der USA für die nächsten vier Jahre bleiben wird oder ob er in die Weltgeschichte als eine leicht zu vergessende, aber doch verrückte Episode eingehen wird. Wir wissen nicht, ob Jeff Bezoes, seines Zeichen Chef des Online-Giganten Amazon, auch ein solches Maßband angefangen hat, vermutlich aber nicht. Trotzdem hassen sich die beiden abgrundtief.

Der reichste gegen den (noch) mächtigsten Mann

Mit 130 Milliarden Dollar im Hintergrund ist der Amazon-Chef klar im Vorteil auch die letzten paar Tage bis zur Wahl zu überstehen und damit auch die Hasstiraden des eitlen Präsidenten  an sich abperlen zu lassen. Die Wurzel des Hasses liegt vermutlich in einer Beteiligung von Bezos an der „Washington Post“. Dieses Medium wagt es, im Gegensatz zu Trumps Lieblingssender FOX, in ihren Publikationen häufig regierungskritische Inhalte zu veröffentlichen, die den US-Präsidenten und seine Amtshandlungen anprangern. Im Gegenzug bezeichnet Trump diese dann als “Fake News” und “Propagandamaschine”, die Bezos für “seinen Lobbyismus” nutze. Beweise für seine Anschuldigungen blieb der US-Präsident allerdings die ganzen vergangenen knapp 4 Jahre schuldig.

Ein Höhepunkt war die Auseinandersetzung aus dem Jahre 2018. Es ging um die Ausstattung des US-Militärs mit einem zentralisierten Computersystem mittels Cloud-Technologie. Ein milliardenschwerer Deal, um den die Konzerne Oracle, Microsoft und Amazon kämpften. Im Rennen um diesen Auftrag wurde Amazon, wegen der bereits bestehenden langjährigen Kooperation der Amazon-Web-Services und der US-Regierung, als Favorit gehandelt. Aber Amazon ging leer aus. Der Zuschlag ging letztendlich überraschend an Microsoft. Als Grund dafür gilt ein persönlicher Rachefeldzug des US-Präsidenten gegen den Amazon-Chef Jeff Bezos. Bis heute streiten sich beide Seiten vor Gericht und vielleicht erübrigt sich ein Urteil, da Trump vielleicht das Weiße Haus bald verlassen muss.

Die Liste der Unternehmen, mit denen der US-Präsident im Clinch liegt, könnte endlos fortgesetzt werden (Twitter, Huawei, General Motors, CNN Harley-Davidson, 3M etc.).

Unser Depotwert in Zahlen

Wir haben Amazon in der Vergangenheit schon ein paarmal besprochen, deshalb hier nur eine kurze Erinnerung an das Geschäft der US-Gesellschaft. Der online-Gigant im weltweiten Einzelhandel betreibt sechs globale Webseiten und bietet dort zusammen mit seinen unzähligen Verkäufern Millionen von neuen und gebrauchten Artikeln wie Bücher, Musikträger jeder Art, DVDs/Videos, Spielsachen, Computerspiele, Haushaltsartikel etc. an. Zu dem Unternehmen gehört auch eine Internet Movie Datenbasis (IMDb).

Coronabedingt geschlossene Geschäfte und Ausgangsbeschränkungen in vielen Staaten der Welt haben dem Giganten Amazon im ersten Quartal 2020 einen Umsatzanstieg um 26,4 Prozent auf 75,5 Milliarden Dollar gebracht.

Wegen höherer Kosten ging der Gewinn um 29 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar zurück. Coronabedingt stellte Amazon vorübergehend die Aufnahme für Produkte ein, die als nicht wesentlich eingestuft wurden. Um der Auftragsflut erfolgreich zu begegnen, war die Einstellung von 175.000 weiteren Beschäftigten für seine Lager und sein Liefernetzwerk notwendig. Die Versandkosten wuchsen weltweit auf 10,9 Milliarden Dollar, eine Steigerung um 49 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die größten Belastungen stehen jedoch noch bevor. Für das zweite Quartal warnte Amazon im Vorfeld schon vor Sonderkosten von rund 4 Milliarden Dollar wegen der Corona-Pandemie. Der Konzern will in seine Lieferlogistik und in Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter investieren. Dazu dienen auch die Lieferdrohnen, die immer mehr erprobt und verbessert werden.

Große Schwierigkeiten hat Amazon auch im Heimatmarkt zu überwinden. Die Corona-Pandemie hat die Nachfrage nach Amazons Lieferdiensten in vielen US-Regionen regelrecht explodieren lassen. Mit dem großen Andrang war Amazon zeitweise überfordert. Nach wie vor müssen viele Kunden länger als gewöhnlich warten oder können bei den begehrten Lebensmittelbringdiensten gar keine Bestellungen aufgeben. Diese Probleme will der Konzern mit hohen Investitionen lösen. Dadurch rechnet Amazon im zweiten Quartal 2020 mit einem Ergebnis zwischen – 1,5 bis +1,5 Milliarden Dollar. Trotzdem wird von einem weiteren Umsatzwachstum zwischen 15 und 28 Prozent ausgegangen.

Fazit:

Der schiere Wachstumskurs von Amazon mag noch eine Weile anhalten und vielleicht auch noch eine Steigerung durch globale Übernahmen erreichen. Aber mittlerweile bedarf es in Zukunft einer hohen Kursfantasie, denn die Konkurrenz ist bereits gefährlich nahe gerückt. Wir reden hier sicher nicht von der deutschen Otto-Gruppe, die gegen Amazon geradezu wie ein Zwerg wirkt. Aber Amazon wird sich auf einen harten Konkurrenzkampf mit dem chinesischen Pendant Alibaba einstellen müssen, der ebenfalls auf Wachstum im selben Segment setzt und für 2020 einen Jahresumsatz von 20 Milliarden Dollar anstrebt. Der zu verteilende Kuchen für Amazon wird also immer kleiner.

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