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Gastkommentar von Stefan Riße, Finanzanalyst und Börsenkorrespondent für “N-TV”

Viele Fehlprognosen sind in diesem Jahr bisher gestellt worden. Das Umfeld aus makroökonomischer Abschwächung, restriktiver Geldpolitik und geopolitischen Spannungen konnte logischerweise eigentlich nur zu Kursverlusten führen.

Und auch ich gebe offen zu, dass vor diesem Hintergrund die Kurse auch für mich in diesem Jahr überraschend stark gestiegen sind. Die letzte Phase des Quantitativ Tightening von 2017 bis 2018 hatte zu starken Kursverlusten geführt und das inmitten eines konjunkturellen Booms.

Donald Trump hatte damals gerade seine Steuerreform durchgesetzt, die Unternehmen stark entlastete. Es war wieder einmal ein Beleg dafür, wie entscheidend Geldpolitik für die Aktienkurse ist. Nun aber erleben wir, dass monatelanges Quantitativ Tightening auch mit steigenden Kursen einhergehen kann.

Antizyklisches Verhalten zahlte sich dieses Jahr aus

Wenn man eine Lehre aus diesem Jahr ziehen will, dann muss diese lauten, dass die Anlegerstimmung beziehungsweise deren Positionierung, die man aus der Stimmung abzulesen versucht, die offenbar noch wichtigere Rolle spielt. Grundsätzlich ist die Stimmung auch etwas, dass ich sehr genau beobachte. Dass die sehr vorsichtige Positionierung der Anleger, insbesondere am Jahresanfang, eine solche Aufwärtsbewegung hervorrufen kann inmitten derart restriktiver Geldpolitik, konnte ich mir aber auch nicht vorstellen.

Und ich befinde mich dort in sehr guter Gesellschaft mit deutlich bekannteren Experten als mir. Börsenerfahrung ist fraglos sehr wichtig, aber wie unser Altmeister André Kostolany so schön sagte: „An der Börse ist alles möglich, und auch das Gegenteil von allem.“ Will heißen, dass auch immer mal wieder das passieren kann, was erfahrungsgemäß eigentlich unwahrscheinlich erscheint.

Shorteindeckungen treiben die Kurse

Nun werden Prognosen zumeist ja nicht für die kommenden Wochen und Monate, sondern für ein ganzes Börsenjahr gestellt. Abschließend lässt sich insofern noch nicht bewerten, ob die Pessimisten am Ende nicht doch recht bekommen, auch wenn sie die Kursentwicklung im ersten Halbjahr sicherlich falsch prognostiziert haben. Wie aber wird es weitergehen? Die Belastungsfaktoren sind alle noch intakt. Die US-Wirtschaft schwächt sich weiter ab, eine Rezession ist sehr wahrscheinlich. Deutschland befindet sich bereits in einer solchen, und auch für ganz Europa sehen wir Schwächeanzeichen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hebt die Zinsen weiter an, die US-Notenbank hat zwar jetzt mal eine Pause eingelegt, aber auch hier dürften noch zwei Schritte nach oben folgen. Dazu kommt das Quantitativ Tightening und auch die Tatsache, dass der Staat in den USA jetzt wieder Berge an Staatsanleihen verkauft, um sich neu zu verschulden. Das konnte er lange nicht in der Form wegen der Schuldenobergrenze. Weil das im Grunde auch alle wissen, setzen viele Anleger aber eben immer wieder auch auf fallende Kurse. Meiner Einschätzung nach waren es deren Verlustbegrenzungen, die in Form von Rückkäufen leerverkaufter Aktien, ETFs oder Index- Futures passieren, die den Markt in diesem Jahr nach oben getrieben haben.

Abgerechnet wird am Jahresende

Geht das bis zum Jahresende so weiter? Ich kann es mir schwer vorstellen und der vergangene Freitag ist möglicherweise schon der Wendepunkt nach unten gewesen. Denn am 16. Juni war der große Verfallstag an den Terminbörsen in den USA und auch an der Eurex, der nicht selten ein Wendepunkt für die Märkte dargestellt hat. Es könnte gut sein, dass gerade die jetzt ausgelaufenen Optionen und Futures noch einmal den starken Anstieg verursacht haben. Wenn sich dann auf dem hohen Niveau keine Käufer mehr finden, dann könnte es konsolidieren. Gefährlich wird es an dem Punkt, wo die Stop-Loss-Orders der systematischen Ansätze liegen, die mit dem steigenden Trend investiert haben. Nur diese Anlegergruppe ist wieder deutlich stärker auf steigende Kurse positioniert als noch am Jahresanfang, weil dies ganz automatisch bei steigenden Kursen passiert. Bei rein diskretionär agierenden Anlegern, deren Stimmung durch schlichte Umfragen ermittelt wird, sieht man zwar auch eine Stimmungsverbesserung mit den steigenden Kursen, aber da sind wir so weit von Euphorie entfernt, dass dies nicht der Auslöser einer großen Baisse werden wird. Kurzum, ich denke, dieses Börsenjahr hält noch negative Überraschungen für uns bereit. Aus Investorensicht heißt dies aber nicht, alle Aktien jetzt zu verkaufen. Denn erstens könnte ich mich weiterhin irren, und zweitens spielen diese Schwankungen auf lange Sicht überhaupt keine Rolle. Wenn die Unternehmen, in die man investiert, ordentliche Erträge beim Aktionär abliefern, ist es viel gefährlicher, mit sämtlichem Kapital an der Seitenlinie zu stehen und zu lange zu warten, dass die Kurse wieder runterkommen. Im Zweifel läuft man ihnen dann ewig hinterher.