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Schwere Zeiten für Bären – Gastkommentar Stefan Riße, Finanzanalyst und Börsenkorrespondent für “N-TV”

 

Gastkommentar von Stefan Riße, Finanzanalyst und Börsenkorrespondent für “N-TV”

Immer wieder analysiere ich die Aktienmärkte an dieser Stelle anhand von Stimmungsindikatoren. Und wenn ich etwas gelernt habe in über 30 Jahren Analyse, dann eines: Trotz guter Stimmung und selbst bei Euphorie können Märkte oft noch lange weiter steigen. Stimmungsindikatoren funktionieren einfach deutlich besser, um das Tief an den Aktienmärkten auszuloten, als einen möglichen Hochpunkt. Sind sie dann aber überhaupt brauchbar, um mit ihrer Hilfe Ausstiegszeitpunkte oder möglicherweise auch Zeitpunkte zu bestimmen, an denen man auf fallende Kurse setzt? Isoliert betrachtet eher nein, in Kombination mit anderen Faktoren allerdings schon. Gab es bereits eine längere Aufwärtsphase an den Aktienmärkten gepaart mit schon länger sehr optimistischen Stimmungsindikatoren, kann man beim Eintreffen schlechter Nachrichten mit einer starken Abwärtsreaktion rechnen. Denn in diesem Fall gibt es viele spekulative Kaufpositionen im Markt, die dann aufgelöst werden.

Es kam wie prognostiziert
Vor fünf Wochen – wie wir heute wissen, ziemlich genau am Tiefpunkt der April-Korrektur – schrieb ich an dieser Stelle, dass die Bewegung der dann folgenden Tage für den weiteren Weg der Märkte entscheidend sein könnte. So war es auch. Die Korrektur setzte sich nicht fort und löste somit auch keine weiteren Stopp-Loss-Verkäufe aus. Im Gegenteil, der Markt drehte, und brachte unterinvestierte Fondsmanager und short positionierte Hedgefonds in Bedrängnis. Ihre Käufe trugen dann die Kurse abermals auf Rekorde. Es sind wirklich schwere Zeiten für Bären. Ich gebe unumwunden zu, dass ich mich schon seit längerem in diesem Lager befinde.

Stimmungsindikatoren sind bereits wieder sehr optimistisch
Die Rekordkurse haben ihre Spuren hinterlassen. Die Bullen haben mittlerweile wieder Oberwasser. Börsenbriefe für Technologie-Aktien in den USA zeigen sich zu über 80 Prozent optimistisch. Man kann an diesem Indikator aber auch gut erkennen, dass mit der Korrektur im April die Stimmung sehr schnell einbrach. Das ist ein besonderes Kennzeichen der aktuellen Aufwärtsbewegung. Gibt es eine Korrektur, stürzen sich sehr schnell viele Marktteilnehmer mit entsprechenden Positionen auf diese, in der Annahme, dass jetzt die vorhandenen Unsicherheitsfaktoren eingepreist werden.

Aktuell sind diese eine mögliche Stagflation in den USA, geopolitische Spannungen zwischen China und Taiwan und damit auch der westlichen Welt und die US-Wahl. So entstehen in jeder Korrektur schnell große Short-Positionen und damit das Potenzial eines Short Squeeze, in dessen Folge die Kurse wieder nach oben schießen. Denn erst wenn die Kurse schon ein Stück korrigiert haben, geraten diejenigen in Not, die auf deren Anstieg gesetzt haben. Insofern haben die internationalen Aktienfondsmanager mit ihren historisch geringen Barquoten von vier Prozent derzeit kein Problem.

Das könnte sich aber ändern, wenn es in näherer Zukunft zu negativen Ereignissen, wie beispielsweise einer überraschenden Zinserhöhung in den USA oder einer Verschärfung geopolitischer Konflikte kommt. In diesem Fall wäre das Abwärtspotenzial derzeit groß.