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Kutzers Zwischenruf: Nach der Vorsicht kommt die Zuversicht

Kommentar von Hermann Kutzer, ehem. Börsenkorrespondent für das Handelsblatt und “N-TV”

Doch, trotz der immer noch vorherrschenden Unsicherheit an den Börsen gibt es auch Futter für die Bullen. Entscheidend ist, ob sie Geduld aufbringen und zunächst noch tiefere Kurse ertragen können. Jüngste Analysen machen zumindest deutlich, dass nur mit Wenn und Aber eine Meinungsbildung sinnvoll erscheint. Das wiederum sollte die individuelle Strategie und Taktik maßgeblich beeinflussen. Auffallend ist, dass der Krieg und seine denkbare Eskalation in den Vorschauen der Experten keinen breiten Raum einnehmen. Aber wer kann (wer wollte) den Verlauf dieses Konflikts schon vorzeichnen?

Bemerkenswert konkret sind die Strategen von M.M. Warburg & Co., die sich mit der möglichen Differenzierung der Börsentendenz beschäftigen. Das halte ich für wichtig, denn auch die Anleger sollten nicht nur den zeitlichen Horizont ihres Investments festlegen, sondern das Kaufen und Verkaufen auch mit der Börsenstimmung verbinden. Fazit: „Trotz der bereits hohen Kursverluste an den Aktienmärkten raten wir im Moment weiterhin zur Vorsicht. Der Dax dürfte in absehbarer Zeit nochmal seinen Jahrestiefstand bei rund 12.400 Punkten in Angriff nehmen.“ Sollte dieses Niveau nicht halten, stellt der Buchwert bei knapp 10.000 Punkten im Worst-Case-Szenario die entscheidende Auffanglinie dar. Diese hat in den beiden großen Abschwüngen im Jahr 2002 und 2008 als untere Begrenzung gehalten, spätestens dann muss man die Aktienquote wieder erhöhen. Da man den unteren Wendepunkt ohnehin nur mit Glück erwischen wird, sollte man auch in dieser Marktphase ein Basisportfolio aus wenig konjunkturabhängigen Aktien mit guter Preissetzungsmacht halten.

Eine Alternative: Kommt es nicht zu einer Rezession oder bildet sich die Inflation schneller als momentan erwartet wieder zurück, würde dies den Weg für eine deutliche Kurserholung ebnen. Hat man dann keine Aktien im Depot, läuft man der Erholung hinterher. Zudem gilt auch in dieser schwierigen Marktphase: Langfristig dominiert an den Aktienmärkten der Aufwärtstrend. Bislang wurden alle in Krisenzeiten entstehenden Kursverluste wieder aufgeholt und Anleger dafür entschädigt, durch ein Tal der Tränen zu gehen. Die Vordenker von Warburg sind (wie ich) überzeugt davon, dass es auch diesmal so sein wird.

Ähnlich zeichnen internationale Asset Manager das Bild. Die allgemeine Aktienstimmung ist jetzt auf einem Niveau, das man normalerweise als konträres Kaufsignal betrachten würde. Ein Blick auf die Positionierung der Anleger zeigt jedoch ein anderes Bild. Auch wenn Aktien, Kredite und die meisten anderen Risikoanlagen jetzt günstiger sind als zu Jahresbeginn, scheint es noch zu früh zu sein, um Positionen deutlich aufzustocken. Eine nachhaltige Erholung der Risikobereitschaft und der Risikoanlagen lässt sich nur schwer begründen, solange es keine Anzeichen dafür gibt, dass die Inflation ihren Höhepunkt überschritten hat, die Arbeitsmärkte sich abkühlen und die Zentralbanken in einer Weise reagieren, die hoffen lässt, dass sie den Widrigkeiten trotzen und eine weiche Landung herbeiführen können. Bis dahin dürften Risikoanlagen weiterhin unter Bewertungsdruck stehen – durch steigende Realrenditen und negativen Einfluss der wirtschaftlichen Wachstumsabschwächung.

PS.: China steht wieder im Fokus. Bei der regionalen Einschätzung sind in den vergangenen Tagen gleich mehrere Kaufempfehlungen internationaler Vermögensverwalter für chinesische Aktien (mein alter Favorit) vorgelegt worden. Die haben ihre Baisse schon hinter sich.