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Kutzers Zwischenruf: Mit großer Geduld die Krisen überstehen

Kommentar von Hermann Kutzer, ehem. Börsenkorrespondent für das Handelsblatt und “N-TV”

 

Börsianer sind ungeduldige Typen, sagt man. Natürlich ein Pauschalurteil über Händler und Anleger. Die Zeitfrage steht aber immer wieder im Mittelpunkt der Anlageüberlegungen – wann kaufen, halten oder verkaufen? Dabei hat sich inzwischen auch unter Privatanlegern herumgesprochen, dass es weniger um den Zeitpunkt der zu treffenden Schritte geht, sondern mehr noch um den Zeitraum des Investments. Wer kann, sollte es mit dem grandiosen Wilhelm Busch halten: „Ausdauer wird früher oder später belohnt – meistens aber später.“

Gilt das auch jetzt, in einer äußerst brisanten Zeit, werden sich zweifelnde Aktienfans fragen. Die Börse hat in den vergangenen Tagen eine positive Antwort gegeben, denn angesichts gravierender Belastungen im Umfeld hätte die Kursschwäche viel stärker ausfallen können. Dabei sind die globalen Inflations- und Zinsängste unverändert präsent, wenngleich die Signale für meine monetäre Wende der Notenbanken deutlicher werden. Und die weitere Entwicklung der Pandemie bleibt ein aufgeregt umstrittenes Thema der Wissenschaftler und Politiker – mittlerweile auch der ganzen Bevölkerung. Umso mehr wäre die plötzliche Eskalation des Ukraine-Konflikts geeignet gewesen, eine stärkere Aktienbaisse auszulösen.

Große Zahlen beherrschen nach wie vor die Krisen-Schlagzeilen – nicht nur mit Blick auf die Inflationsprognosen, darunter auf die Preisperspektiven für Öl und Gas. Die wirtschaftlichen Ausfälle durch Corona belaufen sich in Deutschland laut Ifo-Institut auf 330 Milliarden Euro (!) für die Jahre 2020 und 2021. Dies entspricht einem volkswirtschaftlichen Verlust in Höhe von zusammen 10 Prozent der Wirtschaftsleistung des Jahres 2019. Künftige Wertschöpfungsverluste, die etwa durch Ausfälle in der Bildung entstünden, sind darin noch nicht berücksichtigt.

Wie können (nicht: müssen) Sie sich aktuell verhalten, geschätzte Anleger? Angesichts der vielen langfristigen Strategien und kurzfristigen Taktiken gibt es natürlich kein sicheres Patentrezept. Im Börsenjahr 2022 ist Durchhaltevermögen gefragt, schreiben die Strategen von Grüner Fisher Investments in ihrer neuen Marktanalyse. Bei den Helaba-Analysten heißt es jetzt: In unserem Hauptszenario gehen wir immer noch davon aus, dass die Weltwirtschaft mit Auslaufen der Corona-Restriktionen wieder Fahrt aufnimmt. Bei einer Verschärfung der Auseinandersetzungen in der Ukraine wären davon Abstriche zu machen.

Beharrlichkeit ist auch das Stimmungsbild an der Frankfurter Börse, wie der Verhaltensbeobachter Joachim Goldberg erkennt. Nach wie vor stellt der derzeitige Sentiment-Index per se keine nachhaltige Bedrohung für den Dax dar, wobei im Falle steigender Kurse erste bremsende Abgaben der bullischen Akteure vermutlich zwischen 15.700 und 15.750 Zählern zu erwarten wären. Und auch die internationalen Fondsmanager, von denen immer noch netto 30 Prozent (Januar 35 Prozent) nach eigenen Angaben in Aktien der Eurozone übergewichtet sind, scheinen dem Dax noch wohlgesinnt zu sein.

Geduld predigte auch der legendäre André Kostolany: „Einer Straßenbahn und einer Aktie darf man nie nachlaufen. Nur Geduld: Die nächste kommt mit Sicherheit.“