Kutzers Zwischenruf:

„Die Deutschen sind zu skeptisch!“ 

Schieben wir einmal den massiven Spekulationsärger an der Wall Street beiseite, um einen möglichst klaren Blick für die entscheidenden wirtschaftlichen und monetären Rahmenbedingungen der Börse zu gewinnen – das ist schwer genug. „Erfüllt“ hat sich bisher nur die von mir wiederholt ausgesprochene Mahnung, den auch von den Medien stets stark beachteten Daten und Prognosen nicht zu viel Bedeutung für den Aktienmarkt beizumessen. Denn erfahrungsgemäß sind immer Korrekturen der Zahlen erforderlich – oft sogar deutliche. Aktuell wird die Beurteilung von Lage und Aussichten zusätzlich durch einen tückischen Verlauf der Pandemie in Frage gestellt. Zum Abschluss des ersten Monats im neuen Jahr möchte ich mit einer Portion Gelassenheit den jüngsten Konjunkturzweifeln begegnen. Das bedeutet börsenseitig: Keine Angst vor einer Kursblase!

Dazu greife ich gerne auf eine neue Analyse von M.M. Warburg & Co. zurück, deren Vorschau Ihnen, geschätzte Aktienfans, Mut machen kann. Eine Bewertungsblase würde erst dann entstehen, heißt es einleitend, wenn bei einem unveränderten Aktien-KGV der Zins bzw. die Rendite von Staatsanleihen deutlich ansteigt. Angesichts der Tatsache, dass sowohl die Europäische Zentralbank auf ihrer Sitzung in der vergangenen Woche als auch die Federal-Reserve an diesem Mittwoch klargestellt haben, dass sie an ihrer expansiven Geldpolitik noch für sehr lange Zeit festhalten werden, ist davon aber nicht auszugehen. Bleiben die Renditen auf dem aktuellen Niveau, würde dies aber auch bedeuten, dass Aktien keinen weiteren Rückenwind von noch höheren Bewertungskennzahlen bekommen: „Eine positive Aktienmarktentwicklung, so wie wir sie für dieses Jahr erwarten, würde dann allein auf höheren Unternehmensgewinnen beruhen. Genau dies halten wir für eine sehr plausible Annahme.“ Das klingt gut.

Die Berichtssaison für das vierte Quartal 2020 zeigt, dass sich die Unternehmensgewinne positiver entwickelt haben, als dies die Analysten prognostiziert hatten. In den USA, wo bereits rund ein Drittel aller Firmen ihre Quartalszahlen veröffentlicht haben, konnten rund 90 Prozent der Unternehmen die Gewinnerwartungen und rund 80 Prozent die Umsatzerwartungen übertreffen. Dies dürfte dazu führen, dass die Gewinnprognosen für die nächsten Quartale angehoben werden. Entweder führt dies bei unveränderten Aktienkursen zu niedrigeren Bewertungen oder bei unveränderten Bewertungen zu höheren Kursen. Von daher halten wir die jüngsten Börsenturbulenzen nicht für den Beginn einer langanhaltenden Bewertungskorrektur.

Wie schon häufiger in den letzten Quartalen scheinen einige Anleger während der laufenden Berichtssaison getreu dem Motto „Sell on good News” zu verfahren, um ihre Kursgewinne zunächst zu sichern. Solange die Zinsen aber nicht nachhaltig ansteigen und das Szenario einer konjunkturellen Erholung mit besseren Unternehmensgewinnen intakt ist, wird man sich aber schon bald fragen, wie man das Vermögen anlegen soll. Schwächere Kurse stellen somit eine Gelegenheit dar, um die Aktien von „guten“ Unternehmen mit einem langfristig erfolgreichen Geschäftsmodell aufzustocken.

Wichtig in diesem Kontext ist auch die Feststellung, dass europäische Aktien in den vergangenen Tagen wie fast immer stärker korrigiert haben als ihre US-Pendants – und das trotz der günstigeren Bewertung. Auch dies ist ein Hinweis dafür, so die Überzeugung von Warburg, dass die jüngsten Kursverluste nicht unbedingt etwas mit der Sorge vor dem Platzen einer Blase zu tun haben müssen. Stattdessen dürften in Europa und gerade auch in Deutschland die Sorgen vor den wirtschaftlichen Auswirkungen der neuen Corona-Mutationen sowie die Nachrichtenlage um die Verfügbarkeit der Impfstoffe eine beherrschende Rolle spielen. So wurden in der vergangenen Woche einige Prognosen für das deutsche Wirtschaftswachstum im Jahr 2021 deutlich reduziert.

Kommt darin zu viel Skepsis zum Ausdruck? Ja, sagt nicht nur mein inzwischen verbessertes Bauchgefühl. Deshalb teile ich die Zuversicht der Warburg-Strategen: Unseres Erachtens nach könnten sich diese Anpassungen als vorschnell erweisen, denn das vergangene Jahr hat gezeigt, wie schnell sich die Wirtschaft erholt, wenn die Beschränkungen reduziert bzw. aufgehoben werden. Hoffnung macht dabei der deutliche Rückgang der vom Robert-Koch-Institut ermittelten 7-Tage-Inzidenz, die zuletzt das erste Mal seit Ende Oktober wieder unter den Wert von 100 gefallen ist.

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