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Kutzers Zwischenruf: Bereiten Sie sich auf die „grauen Schwäne“ vor!

Kommentar von Hermann Kutzer, ehem. Börsenkorrespondent für das Handelsblatt und “N-TV”

Börsianer benutzen eine besondere Sprache – verwenden dabei bildhafte Begriffe, die auch der Privatanleger kennen sollte. Von den „schwarzen Schwänen“ haben die meisten von Ihnen schon gehört, liebe Leser. Aber auch von den „grauen Schwänen“? Deren Bedeutung kennt vermutlich nur eine Minderheit. In einer Zeit verbreiteter Unsicherheit, wenn wie jetzt Analysen und Prognosen immer wieder revidiert werden müssen, sollten Anleger gesteigertes Risikobewusstsein entwickeln – auch wenn sie (wie ich) Optimisten sind, also zum Lager der langfristigen „Börsen-Bullen“ gehören. Ist es dann sinnvoll, sich auf Ereignisse vorzubereiten, die zwar unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich sind? Ja, sagt Christopher Teschmacher, Fondsmanager bei Legal & General Investment Management (LGIM), zumindest wenn sie gravierende Auswirkungen auf Märkte und Portfolios haben können.

Im Gegensatz zu den schwarzen Schwänen – wirklich unvorhersehbare Ereignisse, gegen die man sich nur schwer absichern kann – sind graue Schwäne Risiken, die bei der Strukturierung eines Portfolios durchaus berücksichtigt werden können. Der Fondsmanager stuft 2022 als ein außergewöhnliches Jahr ein, ein Jahr der grauen Schwäne, wenn es je eines gegeben hat. Denn wir erlebten aggressive Zinserhöhungen, Krieg in Europa, die Abschottung Chinas, eine Energiekrise und hohe Inflation. Viele Ereignisse, die 2022 eintraten, waren Anfang des Jahres zwar als unwahrscheinlich einzustufen gewesen, aber sie waren nicht unvorhersehbar (Beispiele: Rückgang der Covid-Impfungen, Russlands Einmarsch in der Ukraine, die Wechselkurs-Parität zwischen Euro und US-Dollar, zwei aufeinanderfolgende Quartale mit negativem US-Wachstum, der Zusammenbruch des Kryptowährungsmarkts auf unter eine Milliarde US-Dollar und nicht zuletzt: die Verbreitung einer neuen Covid-Variante). Die Kombination der dramatischen Ereignisse führte 2022 zu einer negativen realen Performance in allen wichtigen Anlageklassen mit Ausnahme von Rohstoffen, wobei die Korrelation zwischen Anleihen und Aktien so positiv ausfiel wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Sollten sich die grauen Schwäne auch im laufenden Jahr häufen, kann man sich leicht vorstellen, dass die Auswirkungen auf die Finanz- und Realwirtschaft übergreifen. Der Anlagestratege verweist (ähnlich wie ich) unter anderem auf die geopolitische Bühne: „Im Ukrainekrieg scheint leider vieles denkbar. Auch eine Beteiligung der Nato am Ukraine-Russland-Krieges kann – zumindest theoretisch – nicht ausgeschlossen werden.“ Die Spannungen zwischen China und Taiwan könnten ebenfalls zunehmen und in einen offenen Konflikt münden. Anleger sollten die potenziellen Auswirkungen derartiger Ereignisse auf ihr Portfolio analysieren und Strategien zur Risikominderung prüfen. Weitere graue Schwäne, die LGIM für 2023 ins Auge fasst:

• Stagflation in den USA in mindestens einem Quartal: Sowohl der Verbraucherpreisindex als auch die Arbeitslosigkeit stehen bei mehr als fünf Prozent

• Rohöl der Sorte Brent kostet 200 US-Dollar pro Barrel

• Die Immobilienpreise in Großbritannien fallen um mehr als 15 Prozent  von ihrem Höchst- auf den Tiefststand

• Mehr als 500 Börsengänge bringen den US-Primärmarkt zurück auf Höchstwerte

• Nordkorea tritt in einen bewaffneten Konflikt mit Südkorea/Japan ein

• Eines oder mehrere Länder stoßen einen EU-Austritts-Prozess an

• In mindestens einem europäischen Land setzt die Regierung eine Lebensmittelrationierung durch