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Kutzers Standpunkt: Kein Bock auf Deutschland? 

Kommentar von Hermann Kutzer, ehem. Börsenkorrespondent für das Handelsblatt und “N-TV”

Wie kann es sein, dass alle Deutschland schlecht machen – vor allem die Deutschen selbst –, die Börse aber bestens gelaunt neue Rekordhöhen erklimmt? Ich habe über die Jahrzehnte hinweg mehrfach Alles-ist-schlecht-Phasen erlebt. Die Aktuelle entwickelt sich zur bisher schlechtesten, denn jetzt kommt alles zusammen: Vom Krankenmann Europas bis zur Pisa-Studie, von der gefährlich flackernden Berliner Ampel mit einer Haushaltskatastrophe bis hin zu einer schier endlosen Kette von miesen Lageberichten aus der Wirtschaft sowie nicht zuletzt die vielen Enttäuschungen aus dem Profisport im internationalen Wettbewerb (u.a. Fußball). Nur den Dax juckt das nicht.

Das Neueste: „Alarmierender Rückgang bei der Innovationsbereitschaft.“ Ob Digitalisierung, klimafreundlichere Energie oder die Bewältigung des demografischen Wandels: Die aktuellen Herausforderungen unserer Zeit erfordern innovative Lösungen. Insbesondere gilt der Innovationsbedarf im Umgang mit den Krisen, die allerdings erhebliche negative Auswirkungen auf deutsche Unternehmen haben. Dieser Sachverhalt schlägt auch auf deren Innovationsleistung durch. Das zeigt der DIHK-Innovationsreport 2023, dem die Angaben von mehr als 2.200 Betrieben zugrunde liegen.

Die Innovationsbereitschaft der deutschen Wirtschaft ist 2023 auf den niedrigsten Stand seit der ersten Erhebung im Jahr 2008 gesunken. Bei der letzten Befragung 2020 gaben noch knapp die Hälfte der Unternehmen an, ihre Innovationsaktivitäten ausweiten zu wollen. Aktuell plant das nur noch rund ein Drittel von ihnen. 15 Prozent der deutschen Firmen kündigen sogar an, ihre Innovationsaktivitäten in den kommenden zwölf Monaten zu verringern. Das ist eine besorgniserregende Entwicklung, denn gerade jetzt sind neue Verfahren und Lösungsansätze dringend notwendig, um die bevorstehenden Transformationen zu bewerkstelligen. Größte Hemmnisse: Fachkräftemangel und Bürokratie.

Mich erinnert das an eine zunehmend defätistische Haltung, an Schwarzseherei und Mutlosigkeit. Zyniker könnten ergänzen, den Deutschen mache es Spaß, sich selbst schlecht zu reden. Gewiss, vieles ist zu reparieren, zu verbessern. Aber das wird nur Optimisten gelingen, die mit Mut und Überzeugungskraft – und möglichst mit Unterstützung von Politik und Medien! – daran gehen, für eine bessere Stimmung im Land zu sorgen. Die Schlagzeilen können noch schlechter werden, aber nicht von Dauer. Der Dax signalisiert schon seit Wochen, dass viele internationale – und deutsche – Investoren auf Deutschland vertrauen. Wenigstens der.