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Kutzers Standpunkt: Das Misstrauen der deutschen Anleger

Kommentar von Hermann Kutzer, ehem. Börsenkorrespondent für das Handelsblatt und “N-TV”

Es steht nicht gut um das Vertrauen in die deutsche Finanzbranche, zeigt das aktuelle 2023 Edelman Trust Barometer – Insights for Financial Services. Wie das? Von 17 ausgewählten Branchen schenken die Menschen weltweit Unternehmen aus dem Finanzsektor am zweitwenigsten Vertrauen – nur Unternehmen aus dem Social-Media-Sektor wird noch weniger vertraut. Nur 40 % der Befragten hierzulande geben an, Unternehmen aus dem Financial-Service-Sektor zu vertrauen – ein Misstrauensvotum, welches noch unter dem globalen Durchschnitt liegt (59 %). Ein Blick auf einzelne Subsektoren der Branche zeigt: Krypto-Währungen und digitalen Assets wird in Deutschland tiefes Misstrauen entgegengebracht – nur 18 % der befragten Deutschen vertrauen diesem Subsektor (der Misstrauensbereich liegt zwischen 1 und 49 Prozentpunkten). Ebenso im Misstrauensbereich liegen die Bereiche Investment Management (34 %), Finanzberatung (33 %) und Fintech-Unternehmen (31 %).

Auf die Frage „Dienen die Finanzdienstleistungsunternehmen den Interessen aller gleichermaßen und gerecht?“ haben nur 27 % der Deutschen mit Ja geantwortet. Lediglich 32 % stimmten der Frage zu „Haben sie eine Vision für die Zukunft, an die ich glaube?“ Insgesamt legen die Ergebnisse ein fundamentales Vertrauensdefizit in einen wichtigen Bereich unserer Volkswirtschaft offen, interpretiert Edelman die Ergebnisse. Hinzu kommt: Ein weiterer Rückgang des Vertrauens sei auch auf globaler Ebene zu erwarten: „Wir haben Ende vergangenen Jahres die Implosion des Krypto-Riesen FTX gesehen. In den USA haben Pleiten von Regionalbanken die meisten unvorbereitet getroffen. In der Schweiz gab es die von der Regierung geleitete Übernahme der Credit Suisse durch die UBS, die das Vermögensverwaltungsgeschäft weltweit und auch das Schweizer Bankwesen umgestalten wird. Kurz: Der gesamte Sektor stehe wieder in der öffentlichen Diskussion.“

Eingebettet ist diese Sektor-Skepsis in gesellschaftliche und existenzielle Ängste: Aktuell fürchten sich die global Befragten sowohl im persönlichen Bereich (89 % vor einem Jobverlust) als auch im gesellschaftlichen Bereich (76 % vor dem Klimawandel, 72 % vor einem Atomkrieg). Ebenfalls verbreitet ist die Angst vor Inflation, die global bei 74 % liegt. Wie können Unternehmen der Finanzbranche in diesem Misstrauens-Klima Vertrauen schaffen? Edelman hebt hervor: Im Zentrum stehen hier Transparenz und Aufklärung, wobei der eigenen Belegschaft eine wichtige Rolle zukommt, denn hier gibt es auch positive Signale.

Interessante Ergebnisse, die den Anbietern von Finanzdienstleistungen und Anlageprodukten wertvolle Hinweise für einen selbstkritischen Check liefern können. Nicht überbewerten sollte man nach meiner Einschätzung die immer weiter entwickelten politischen Maßnahmen auf nationaler und europäischer Ebene, wobei es ohne die überwachende Tätigkeit der Aufsichtsbehörden nicht mehr geht. Aber Vertrauensbildung? Die Kunden / Anleger selbst sollten einen eigenen Beitrag leisten und sich besser informieren, sollten mehr Zeit in ihr privates Geld-Management investieren! Meine alte Forderung zielt vor allem auf die Gruppe der „Selbstentscheider“ (mit oder ohne professionelle Beratung). Grundsätzlich halte ich auch an meiner alten Empfehlung fest: Bei größeren privaten Engagements und Investments (unabhängig von den Anlageklassen) sollten Kopf & Bauch zustimmen. Wenn dagegen einer von beiden warnt (Verstand oder Instinkt), dann lieber verzichten!