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Kutzers Standpunkt: Anleger sollten auch good News sammeln!

Kommentar von Hermann Kutzer, ehem. Börsenkorrespondent für das Handelsblatt und “N-TV”

Warten Sie auf bessere Zeiten, geschätzte Anleger? Müssen Sie nicht. Denn insbesondere die „Selbstentscheider“ sollten sich nicht nur auf Analysten und Medien verlassen, sondern sich aktiv um Nachrichten kümmern, die für das individuelle Money Management relevant sein können. Und das sind nicht nur die negativen News, die bekanntlich stärker beachtet werden (in aller Regel) als die positiven. Im Börsenhandel, der besonders sensibel auf böse Überraschungen reagiert, gilt dies mehr noch als auf anderen Gebieten.

Die zurückliegenden Wochen lieferten Politik und Wirtschaft eine seltene Häufung von bad News. Die Finanzmärkte haben darauf auch reagiert und tun es weiterhin. Doch hätte man Schlimmeres befürchten können. Insbesondere die geopolitischen Krisen sorgen für gefährliche Unordnung der Welt. Für die jüngsten entsetzlichen Nachrichten aus Nahost findet man kaum noch Worte. Kann da die engagierte Krisendiplomatie von Scholz und Biden überhaupt Mut machen? Der Optimist wird vorsichtig nicken.

Ein anderes Beispiel (von der Bedeutung nicht vergleichbar) liefern jüngste Konjunkturindikatoren: Schreibt mir eine namhafte Bank folgende Stellungnahme Anfang der Woche: „Deutschlands Finanzmarktprofis blicken auf die aktuelle Wirtschaftslage laut ZEW-Barometer erneut pessimistischer. Immerhin ist der Rückgang gegenüber dem September nur marginal. Dass wir keine Aufhellung sehen, ist kein Wunder. Die Lage bleibt im Oktober für die hiesige Wirtschaft angespannt. Die Einzelhandelsumsätze sind zuletzt gesunken und die Industrieproduktion schwächelt. Auch die Warenexporte sind zurückgegangen. Noch schlimmer sieht es bei den Baugenehmigungen aus, die sich im Sinkflug befinden. Die Bewertung der Konjunkturerwartungen haben sich dagegen spürbar verbessert. Das liegt an der allmählich sinkenden Inflation. Ein mögliches Erreichen des Zinsgipfels im Euro-Raum nährt nun die Hoffnung auf ein Ende der wirtschaftlichen Schwächephase zum Jahreswechsel.“

Halt! Was ist neu, besonders, wichtig? Die Stimmungsforscher des Mannheimer Instituts haben ihre monatliche Meldung anders aufgemacht: „Erwartungen steigen, Tiefpunkt bei Lage erreicht?“ Sie sprechen von einem „deutlichen Anstieg“ der Konjunkturerwartungen in Deutschland und resümieren die Umfrageergebnisse: „Die Talsohle scheint erreicht. Die Konjunkturerwartungen der Finanzmarktexpertinnen und -experten steigen im Oktober 2023 spürbar an…“ Ich habe das als good News (auch für die Börse) interpretiert.

Wenn Sie, liebe Leser, nicht einfach kurzfristigen Kurszuckungen folgen wollen, sollten Sie sich eine eigene Meinung bilden. Ich sympathisiere zwar mit dem Lager der Trendfolger („The trend is your friend“), doch bezieht sich das auf die langfristige Perspektive. Versuchen Sie nicht nur die bad News zu gewichten. Ich erinnere mich an meine mehrere Jahrzehnte (!) alte Idee, eine Zeitung oder einen Newsletter herauszugeben, die ausschließlich good News erhalten. Das Projekt wurde rasch verworfen, denn wer wollte ein solches Print-Produkt schon lesen (und bezahlen)? Heute empfehle ich Ihnen stattdessen, einmal „good News“ zu googeln. Sie werden sich wundern!