Kommentar von Hermann Kutzer, ehem. Börsenkorrespondent für das Handelsblatt und “N-TV”

Kutzers Zwischenruf: Laaangfristig investieren ist sinnvoll und sicher

Wenn Märkte einen unsicheren, richtungslosen Eindruck machen, gewinnen die langfristigen Perspektiven an Bedeutung. So auch jetzt. Deshalb wird in Analysen und Prognosen besonders oft der zeitliche Rahmen der Aussagen eingegrenzt – kurz-, mittel- oder langfristig. Das Dumme ist nur, dass dem geneigten Leser in aller Regel nicht die konkrete Definition mitgeliefert wird: Bedeutet „kurzfristig“ für ein paar Monate oder ein bis zwei Jahre? Fängt „langfristig“ schon bei drei oder erst bei fünf bis sieben Jahren an?

Die Antworten sind nicht trivial. Und einem engagierten Privatanleger hilft die grundsätzliche Feststellung wenig, dass heute (im digitalen Zeitalter) alles viel kurzfristiger als früher ist. Mein Vorschlag vorweg: Definieren Sie für sich, geschätzte Anleger, vor Ihren strategischen Entscheidungen auch den zeitlichen Horizont – möglichst genau. Und bauen Sie erst dann die passenden Empfehlungen der Profis in Ihre Überlegungen ein. Wo möglich, sollte man bei Ratgebern nachhaken, was sie denn gemeint hätten.

Abgesehen davon haben mich heute zwei unterschiedliche Betrachtungen internationaler Anlagestrategen erreicht, in denen die Qualität langfristiger Investments unterstrichen wird. Langfristig (nach meinem Verständnis ab fünf Jahre) zu investieren, ist gemessen an der Performance besonders sicher und sinnvoll. Das gilt insbesondere für Sachwerte wie Aktien, Edelmetalle und Immobilien.

Schreibt mir Robert M. Almeida, Globaler Investmentstratege bei MFS Investment Management: Wir investieren aktiv. Wir wollen Finanzinstrumente langfristig besitzen, nicht nur für einen Marktzyklus, sondern oft für mehrere. Vor allem in konjunktursensitiven Sektoren muss man Unternehmen finden, deren Produkte wenig standardisiert sind – Firmen mit einem individuellen Angebot und hoher Wertschöpfung. Sie können unabhängig von der Wirtschaftslage langfristigen Mehrwert schaffen.

Aktives Investieren ist nach Darstellung des Portfolio-Managers mehr, als Anlagen mit der Aussicht auf hohe und nachhaltige risikoadjustierte Erträge auf Sicht von mehreren Jahren zu finden. Investieren bedeute, sich an Unternehmen mit der Aussicht auf nachhaltigen Mehrwert zu beteiligen – an Firmen, die etwas bewirken. Verantwortliche Kapitalanlage bedeutet, nicht nur auf finanzielle Risiken zu achten.

Wie eine Ergänzung dazu liest sich eine Empfehlung des internationalen Analyse- und Ratinghauses Morningstar: Unternehmen mit den besten Bewertungen für verantwortungsvolles Verhalten werden von Managern geführt, die im Sinne der Aktionäre handeln. Diese Manager sind herausragende Verwalter des Aktionärskapitals – und das ist wichtig, da Entscheidungen über die Kapitalallokation letztendlich zur Schaffung oder zur Vernichtung von Wert für die Aktionäre führen. Doch sollte man nicht vernachlässigen, dass selbst zuverlässige Unternehmen überteuert und daher aus preislicher Sicht zweifelhaft sein können. Die Bewertung ist entscheidend.

Konkret empfiehlt Morningstar sechs Unternehmen und erläutert: „Auch wenn nach unseren Maßstäben derzeit keine der Aktien auf der Liste ein ‚Kauf‘ ist, lohnt es sich, sie im Auge zu behalten.“ (Clorox, Coca-Cola, Colgate-Palmolive, Dominion Energy, PepsiCo, Procter & Gamble). Langfristig.

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