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Kutzers Zwischenruf: Bullen und Bären brauchen jetzt Geduld

Kommentar von Hermann Kutzer, ehem. Börsenkorrespondent für das Handelsblatt und “N-TV”

Kutzers Zwischenruf: Bullen und Bären brauchen jetzt Geduld

Geht dem Dax jetzt die Luft aus? Mit der Höhe wird sie bekanntlich dünner. Der Vergleich von Börse mit dem Bergsteigen ist populär und einleuchtend. Nur besteht ein entscheidender Unterschied, der oft vernachlässigt wird: Beim Kraxeln im Gebirge gibt es stets natürliche, feste Gipfel, deren Höhe von vornherein bekannt ist. Ein historischer Höchststand an der Börse ist nie (!) der ewig gültige Höhepunkt – unter Schwankungen und nach Kursrückschlägen geht es mit den Indizes immer weiter nach oben. An diesen eigentlich simplen Sachverhalt muss immer wieder einmal erinnert werden, wenn Anleger einen mitentscheidenden Erfolgsfaktor vernachlässigen: die Geduld.

Das gilt in der aktuellen Konsolidierungsphase für beide Lager. Die Bullen der Aktienbörse warten ungeduldig auf eine Fortsetzung des Anstiegs auf neue Dax-Höchststände – auf den Spuren der Wall Street. Unser Leitindex pendelt allerdings seit einiger Zeit in relativ enger Schwankungsbreite um die 15.000er Marke. Er hinterlässt einen unentschlossenen Eindruck, was in einer Konsolidierungsphase nichts Besonderes ist. Die Bären demgegenüber, die seit Wochen mit ihren Baissepositionen jonglieren, hätten lieber einen deutlichen Kursrückgang, um sich preisgünstiger eindecken zu können. Doch auch das lässt auf sich warten.

Die Sentiment-Analysten der Börse Frankfurt haben das in ihrem jüngsten Wochenbericht vor ein paar Tagen beschrieben: Die Befragung der Marktteilnehmer zeigt einmal mehr, dass diejenigen Akteure, die sich auf fallende Kurse einstellen, derzeit sehr aktiv sein müssen, um überhaupt ein bisschen profitabel aus ihren bärischen Engagements herauszukommen. Dies gilt insbesondere für die institutionellen Investoren, die möglicherweise über Dax-Rücksetzer versuchen, eine höhere Rendite zu erwirtschaften, als sie mit einer reinen Buy-and-hold-Strategie zu erzielen wäre. Mit anderen Worten: Man versucht, den Markt zu schlagen. Ein Problem, das die Privatanleger normalerweise nicht haben. Unter dem Strich bleibt die Lage für den Dax vorteilhaft, da weitere Nachfrage der Pessimisten möglicherweise bereits zwischen 14.950 und 14.990 Zählern dem Börsenbarometer eine Stütze sein könnte.

Um den Dax aus seiner Lethargie zu befreien, bedarf es allerdings frischer langfristiger Nachfrage, auch aus dem Ausland. Denn nur im Falle eines deutlichen Aufwärtsimpulses sähen sich die verbliebenen Pessimisten von heute wahrscheinlich gezwungen, ihre Engagements – dann im Rahmen einer Squeeze – zurückzudecken. „Frische Nachfrage“ (= mit Sauerstoff gleichzusetzen) kann man freilich erst erwarten, wenn die zentralen, fundamentalen Fragezeichen im Börsenumfeld durch positive Antworten ersetzt werden – Pandemie, Konjunktur, Inflation.

Das kann dauern, wenn’s gut geht bis Sommer bzw. in die zweite Jahreshälfte hinein. Sollte der Dax bis dahin die 15.000 nach unten durchbrechen, wäre das kein  Drama.