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Kutzers Zwischenruf: Bewegte (Börsen-) Wochen stehen uns bevor

Kommentar von Hermann Kutzer, ehem. Börsenkorrespondent für das Handelsblatt und “N-TV”

Kutzers Zwischenruf: Bewegte (Börsen-) Wochen stehen uns bevor

 

Als Verfechter der langfristigen Aktienanlage bereitet mir die aktuelle Nachrichtenlage keinen großen Kummer. Nicht einmal die anhaltende Diskussion über problematische Entwicklungen wie steigende Inflation und unterbrochene Lieferketten. Andererseits frage ich mich, wie kurzfristig denkende Anleger angesichts unterschiedlicher Meldungen zu wichtigen Wirtschaftsthemen taktieren sollten – gerade jetzt ist vieles instabil und offen. Kurzfristig, damit denke ich an die verbleibende Zeit bis zum Jahreswechsel oder dem ersten Quartal 2022, hat es ein aktiver Anleger also gewiss nicht leicht.

Wie immer man zu den Bundestagswahlen steht – das Thema Steuern muss auch die Börsianer umtreiben. Dazu hat das Ifo-Institut heute eine interessante Studie vorgelegt: Steuererhöhungen werden in Industrieländern häufig direkt nach Wahlen vorgenommen. Erhöht wurden vornehmlich die Umsatz- und Einkommensteuersätze nach Wahlen, also Steuern, die der Großteil der Wähler unmittelbar im eigenen Geldbeutel spürt. Die Ergebnisse deuten darüber hinaus nicht darauf hin, dass linke und rechte Regierungen unterschiedliche Steuerpolitiken betrieben haben.

Unterschiedliches kommt aus führenden Branchen. Deutschlands Maschinen- und Anlagenbauer profitieren weiterhin kräftig von der Erholung der Weltkonjunktur. Bereinigt um Preiserhöhungen verbuchte die exportorientierte Branche im Juli ein Auftragsplus von 37 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Dabei legten die Bestellungen aus dem Ausland um 43 Prozent zu. Dagegen hat sich die Lage der deutschen Autohersteller und ihrer Zulieferer im August vor der IAA empfindlich abgekühlt. Der entsprechende Ifo-Wert stürzte von 56,4 auf 28,8 Punkte – der schlechteste Wert seit April. Das zeigt, dass die Autobranche nach wie vor unter Lieferengpässen von Vorprodukten leidet.

Und wie werden die bevorstehenden Veränderungen in der Dax-Familie von den Anlegern aufgenommen? Unser Leitindex wird in Kürze von 30 auf 40 Unternehmen verstärkt. Morgen Abend (nach Börsenschluss) werden die Kandidaten bekanntgegeben, die am 20. September in die erste Aktienliga wechseln. Die Dax-Erweiterung bringt mehr Vielfalt und vergrößert das Anlagespektrum. Christine Bortenlänger, Chefin des Deutschen Aktieninstituts, wählt einen Vergleich mit dem Fußball: Der Dax wird noch attraktiver, denn die neuen Spieler sind jünger und bringen andere Ideen aufs Spielfeld. Es ist also davon auszugehen, dass die Neuaufstellung den Dax weiter aufwerten wird. Mit der Aufnahme weiterer Wachstumsunternehmen aus dem Tech-Bereich wird er vielfältiger. Andere Branchen kommen hinzu, so dass die bisherige Konzentration auf die Chemie- und der Automobilbranche sinkt.
Wird der deutsche Mittelstandsindex durch den Verlust seiner zehn größten Konzerne weniger attraktiv? Könnte man meinen, doch bleibt das abzuwarten. Die Marktkapitalisierung des MDaxdürfte um mehr als 300 Milliarden Euro beziehungsweise um 30 Prozent sinken, erwarten Marktteilnehmer. Dies wird mit signifikanten Verschiebungen der Sektorgewichtungen einhergehen. Während die Indexanteile der Sektoren Immobilien, IT und Kommunikationsdienstleistungen auf zweistellige Werte steigen dürften, büßen die Zyklischer Konsum und Gesundheit etwa elf beziehungsweise acht Prozentpunkte ein. Industrieunternehmen werden indes auch nach der Umstellung mit rund 20 Prozent Indexanteil den größten Sektor bilden. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank, ist zuversichtlich und hält den MDax trotz dieser Veränderungen weiterhin für interessant. Das ist nachvollziehbar, denn wegen des höheren Risikos bei Nebenwerten verspricht der Index auch zukünftig eine höhere Rendite.

Aber bitte nicht aus dem Auge verlieren, geschätzte Anleger (vor allem kurzfristig planende Anleger): Die größte Gefahr für die kommenden Monate dürfte von Corona ausgehen. Denn entgegen den Vorwahl-Beschwichtigungen führender Politiker ist ein weiterer Lockdown nicht auszuschließen.