Kommentar von Hermann Kutzer, ehem. Börsenkorrespondent für das Handelsblatt und “N-TV”

Kutzers Zwischenruf: Altersvorsorge mit Aktien – nicht auf den Gesetzgeber warten

Der deutsche Kapitalmarkt braucht ein Fitnessprogramm – eine zentrale Forderung des Deutschen Aktieninstituts (DAI). Die seit vielen Jahren hartnäckigsten Lobbyisten in Sachen langfristige Aktienanlage verdienen uneingeschränkte Sympathie aller Marktteilnehmer. Denn leistungsfähige Kapitalmärkte tragen zweifellos zur Sicherung des Wohlstands bei. Das DAI fordert die nächste Bundesregierung deshalb auf, Aktien in Deutschland zu fördern und den heimischen Kapitalmarkt fit für die Zukunft zu machen. Mit Blick auf den näher rückenden Termin der Bundestagswahl (26. September) haben die Aktienförderer ein Zehn-Punkte-Programm entwickelt, in dem sie konkrete Maßnahmen aufzeigen. Ob der Gesetzgeber das beherzigen wird?

Mit mehr Aktien die Altersvorsorge aller Bürger stabilisieren, ein besseres Ökosystem für Börsengänge schaffen, die Hauptversammlung modernisieren und eine deutlich marktwirtschaftlichere Herangehensweise bei Nachhaltigkeitsinitiativen sind nur einige Maßnahmen, die die nächste Bundesregierung ergreifen muss, fordert DAI-Chefin Christine Bortenlänger. Aktien in der Altersvorsorge zu verankern, ist die zentrale Forderung. Denn Beteiligungen an Unternehmen – also am Produktivkapital unserer Wirtschaft – sind ein ideales Instrument zur Altersvorsorge. Wer langfristig anlegt und sein Geld breit streut, erwirtschaftet mit Aktien attraktive Erträge. Um das deutsche Rentensystem an die Demografie anzupassen und zukunftssicher zu machen, muss die Altersvorsorge um ein Ansparverfahren mit Aktien ergänzt werden, das in der gesetzlichen, betrieblichen oder privaten Säule verankert werden kann. Damit kann die Politik den Lebensstandard der Bürger im Alter sichern.

Nur ist das Thema nicht neu. Die Diskussion über unser Rentensystem (und seine Reformnotwendigkeit) gehört zu den parteiübergreifenden politischen Dauerbrennern. Deshalb fällt es selbst einem Optimisten wie mir schwer, den Vorschlägen gute Chancen für eine absehbare (Teil-)Umsetzung durch die nächste Regierung zu bescheinigen. Ich wäre froh, würde ich mich mit meiner Skepsis irren.

Auf alle Fälle sei an alle Privatanleger und solche, die es noch werden wollen, appelliert, nicht auf die Politik zu warten, wenn sie ihre individuelle Vorsorge fürs Alter neu formieren oder verstärken wollen – viele Bundesbürger müssen es tun, um dem Risiko der Altersarmut zu begegnen. Das bietet sich jetzt an, denn durch den zunehmenden Wettbewerb unter den Finanzdienstleistern gibt es mehr interessante Angebote bzw. Varianten davon und das zu günstigen Konditionen auch für den  schmalen Geldbeutel. Ich denke hierbei in erster Linie an langfristige Aktiensparpläne, die inzwischen schon mit kleinsten monatlichen Beträgen offeriert werden. Vergleichen Sie also was Ihnen der Markt schon heute bietet, geschätzte Anleger!

 

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