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GameStop und Co.: Börsengeschichte wiederholt sich doch – Gastkommentar Stefan Riße, Finanzanalyst und Börsenkorrespondent für “N-TV”

 

Gastkommentar von Stefan Riße, Finanzanalyst und Börsenkorrespondent für “N-TV”

Wenn man so wie ich Börsianer mit Leib und Seele ist, sammeln sich über die Zeit unwiderruflich Erinnerungen an verpasste Chancen an. Manche entstehen auch dadurch, weil man die menschliche Dummheit immer wieder nicht hoch genug einschätzt. Wie sagte der 1999 verstorbene Börsenaltmeister André Kostolany einst: „Ich gehe so gerne an die Börse, weil ich nirgendwo pro Quadratmeter mehr Dummköpfe treffen kann als dort.“

Man müsse nur das Gegenteil von dem tun, was dort geflüstert werde. Eine meiner verpassten Chancen war die eines Biotech-Unternehmens, das im Börsenboom bis Anfang der 2000er-Jahre an den damaligen Neuen Markt ging. Dabei handelte es sich aber gar nicht um eine Neuemission, sondern nur um eine Zweitnotiz. Es war ein US-Unternehmen, das bereits an der amerikanischen Börse gehandelt wurde.

Bei den damaligen Neuemissionen war es üblicherweise so, dass man keine, oder wenn nur ganz wenige Stücke bekam, weil diese sehr begehrt waren. Dies waren sie deswegen, weil man fast sicher mit Zeichnungsgewinnen rechnen konnte. Sprich: Der erste Kurs an der Börse lag meist weit und nicht selten über 100 Prozent über dem Ausgabepreis.

Nun war es, wie erwähnt, hier aber keine Neuemission, man konnte die Aktien ja bereits in den USA kaufen. Ich dachte darüber nach, genau dies zu tun. Letztlich verwarf ich aber diesen Gedanken wieder. Es wird doch niemand so dumm sein, plötzlich, wo die Aktien am Neuen Markt handelbar sind, nennenswert mehr dafür zu bezahlen als das, was man am Vortag in den USA hätte bezahlen müssen. Hätte ich doch nur mit der Dummheit gerechnet. Denn: Genauso war es. Ich erinnere mich nicht mal mehr an den Namen des Unternehmens. Aber dass sich der Kurs im Vergleich zur US-Notiz fast verdoppelte, daran erinnere ich mich. Ich hätte ein Vermögen machen können.

Meme-Aktien, die zweite Runde
Ich erinnerte mich an diese Geschichte, als jetzt die sogenannten Meme-Aktien um Gamestop wieder massiv anstiegen. Es reichte ein Satz des Akteurs, der damals auf Reddit alles ins Rollen brachte, und die ganze Geschichte wiederholte sich quasi.

Diese nicht unbegründet stark leer verkauften Aktien schossen erneut durch die Decke. Diejenigen, die beim ersten Mal zu bereits stark gestiegenen Kursen eingestiegen sind, scheinen vergessen zu haben, dass diese Aktien dann auch wieder massiv fielen. Und die Hedgefonds, die diese Aktien leer verkauft hatten und im damaligen Short-Squeeze viel Geld verloren, scheinen diese Erfahrung auch schon wieder vergessen zu haben.

Anders ist es wohl kaum erklärbar, dass sich nun das gleiche Schauspiel mit den gleichen Aktien wiederholt hat. Es ist ein weiteres Beispiel dafür, dass man die Dummheit der Marktakteure nicht hoch genug einschätzen kann. Zugegeben: Deswegen diese Meme-Aktien zu kaufen, war kein so sicherer „Free Lunch“ wie der damalige Kauf der beschriebenen Biotech-Aktie. Denn natürlich gab es keine Garantie, dass sich der Vorgang noch mal wiederholt. Mit entsprechend viel Mut hätte man hier an der Dummheit der anderen aber auch wieder gut verdient.

Short-Squeezes überall?
Schaut man sich die erneuten Rekordkurse an, drängt sich ohnehin der Eindruck auf, dass diese wie alle seit Anfang des Jahres 2023 laufenden Aufwärtsphasen vor allem durch das Eindecken von Leerverkäufen getrieben werden. Weil die Nachrichten so offensichtlich in der Summe wirklich nicht gut sind, scheinen immer wieder viele Akteure auf fallende Kurse zu setzen – mit dem Ergebnis, dass diese dann mit ihren Rückkäufen, weil sich die fallenden Kurse nicht einstellen wollen, die Kurse auf das nächste Rekordniveau treiben.

Es ist schon sehr erstaunlich, dass die am Mittwoch deutlich erhöhten Zölle der USA auf Produkte aus China nicht zu Kursreaktionen geführt haben. Die negativen Auswirkungen liegen auf der Hand auch für die USA, weil China mit Sicherheit Vergeltungsmaßnahmen verhängen wird. Damit der europäische Markt jetzt nicht mit den Billigprodukten von China überschwemmt wird, wird Europa wahrscheinlich um Zölle auch nicht herumkommen.

Für alle Unternehmen, die nach China verkaufen, ist das keine gute Nachricht aufgrund der zu erwartenden Vergeltungsmaßnahmen. Der im Zuge der Globalisierung stark gestiegene Welthandel hat das Wirtschaftswachstum enorm beflügelt. Wenn dieser jetzt leidet, hat dies das Gegenteil zur Folge. Und der Einfluss auf die Inflation ist nicht zu unterschätzen.

Die Waren, die unter Donald Trump mit Zöllen belegt wurden, stiegen im Preis deutlich stärker als die, die nicht betroffen waren. Damit haben diese Zölle auch negative Auswirkungen auf die Zinssenkungsfantasie. Aber das alles scheint den Markt momentan nicht zu interessieren. Er feiert die KI-Fantasie und blendet die restliche Zukunft aus. Bleibt  die Frage, ob das ewig gut geht? Bisher war dies nie so. Das bedeutet nicht, dass Aktien keine gute Geldanlage mehr wären, im Gegenteil. Aber negative Auswirkungen aufgrund von Zöllen muss man noch einpreisen. Das ist bisher nicht geschehen.