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11. März: Ein wichtiger Tag für US-Banken – Gastkommentar Stefan Riße, Finanzanalyst und Börsenkorrespondent für “N-TV”

 

Gastkommentar von Stefan Riße, Finanzanalyst und Börsenkorrespondent für “N-TV”

Vor knapp einem Jahr gab es das erste Beben in der Bankenbranche aufgrund der deutlichen Zinsanhebungen seitens der Notenbanken. In den USA gerieten die Silicon Valley Bank (SVB) und die First Republic Bank sowie andere kleinere Regionalbanken in Not.

Ihr Problem war das große Portfolio an Anleihen, das sie aufgebaut hatten, weil sie einen erheblichen Teil der Kundeneinlagen nicht als Kredite ausgereicht, sondern in Anleihen investiert hatten, überwiegend in Staatsanleihen. Das ist immer dann ein gutes Geschäft, wenn man kurzfristige Einlagen zu einem günstigen Zins hereinnimmt und zu einem höheren Zins in längerfristigen Anleihen anlegen kann. Man spricht von sogenannter Fristentransformation.

Schwierig wird es nur dann, wenn die Zinskurve sich dreht und invers wird. Das passiert, wenn die Notenbank die Zinsen anhebt, am Anleihemarkt aber schon darauf spekuliert wird, dass genau wegen dieser Zinsanhebung die Wirtschaft in eine Rezession rutschen wird. Dann nehmen sinkende Zinsen bei länger laufenden Anleihen die irgendwann wieder stattfindenden Zinssenkungen vorweg.

Derzeit beispielsweise haben wir genau diese Situation. Das war aber gar nicht das Problem dieser Banken. Das wäre womöglich später noch aufgetreten, aber das viel akutere Problem im vergangenen Jahr waren die massiven Verluste des Anleiheportfolios, die aufgrund des Zinsanstieges entstanden waren.

Denn steigen die langfristigen Zinsen am Anleihenmarkt, sinken die Kurse der bereits begebenen Anleihen, um diese Zinsveränderung in der laufenden Verzinsung entsprechend einzupreisen.

An sich ist das kein Problem, denn am Ende der Laufzeit werden die Anleihen ja zu ihrem nominalen Kurs zurückgezahlt, und der Investor erhält exakt den Betrag, mit dem er beim Kauf der Anleihe kalkuliert hat.

Nur die Silicon Valley Bank und die anderen in Not geratenen Regionalbanken konnten nicht bis zum Laufzeitende der Anleihen warten, weil die Anleger ihnen das Vertrauen entzogen und Einlagen abzogen. Sie benötigten dementsprechend Liquidität und mussten ihre Anleihen verkaufen.

So wurden aus den Buchverlusten reale Verluste. Diese hätten zu einem negativen Eigenkapital geführt, was bei Banken automatisch die Insolvenz bedeutet, hätte der Staat nicht wieder einmal eingegriffen.

Wieder einmal half die Fed
Die Fed erkannte sehr schnell, welche Sprengkraft in dieser misslichen Lage steckt. Denn nicht nur Regionalbanken hatten in Staatsanleihen investiert, auch die ganz großen wie die Bank of America oder auch JP Morgan haben milliardenschwere Investments in diesen Papieren und riesige Buchverluste angehäuft.

Laut Schätzung einer Studie von vier US-Ökonomen von unterschiedlichen Universitäten betrugen die Buchverluste amerikanischer Banken zum Zeitpunkt der Krise um die Silicon Valley Bank rund zwei Billionen US-Dollar. Da die zehnjährigen Zinsen und damit die Anleihekurse in den USA derzeit etwa auf dem gleichen Niveau liegen wie zur damaligen Krise, dürften die Verluste aktuell ähnlich hoch sein.

Die großen Banken waren zum damaligen Zeitpunkt wie auch bisher nicht von diesbezüglichen Problemen betroffen, weil ihre Kunden das Vertrauen nicht verloren und keine Einlagen abzogen.

Das – so dürfte das Kalkül der Fed gewesen sein – hätte aber leicht passieren können, hätte man den kleinen Banken nicht geholfen. Denn spätestens seit der Finanzkrise wissen wir, dass in der Finanzindustrie alle von allen abhängen und es schnell zu einer Kettenreaktion kommen kann.

Bank Term Funding Program, kurz BTFP, heißt das Programm, dass die Fed deswegen auflegte und das es Banken erlaubt, ihre Anleiheportfolios zum Nominalwert und nicht zum Marktwert bei der Fed zu beleihen. Damit war sichergestellt, dass sie jederzeit genug Liquidität haben würden, um Einlagen auch massenhaft zurückzahlen zu können.

Den 11. März sollte man im Kalender haben
Die Fed erklärte damals sehr eindeutig, dass Programm nur auf ein Jahr anzulegen. Am 11. März läuft es dementsprechend aus. Es wurde wohl auch deshalb nicht nur von kleineren Banken genutzt, die es benötigten, sondern wohl auch ganz große Banken nahmen es in Anspruch, weil man sich bei der Fed zu einem günstigeren Zinssatz Geld leihen konnte, als die Fed für Einlagen bezahlt, die Banken über Nacht bei ihr parken.

Seit Fed-Chef Jerome Powell auf der letzten Notenbanksitzung im vergangenen Jahr Zinssenkungen angekündigt hat und der Markt diese vorwegnimmt, funktioniert das Geschäft wohl aber nicht mehr so einwandfrei. Zuvor war es die perfekte Zinsarbitrage. Was aber wird passieren, wenn das Programm am 11. März ausläuft?

Ich habe keinen Zweifel, käme es zu Verwerfungen, würde die Fed es sicherlich verlängern. Denn jedem ist klar, müssten die Banken die in ihren Portfolios befindlichen Anleihen zum Marktpreis bewerten, gingen die meisten von ihnen pleite. Aber selbst, wenn es nicht zu Verwerfungen kommt, könnte es doch auf die Gesamtliquidität im System negative Auswirkungen haben.

Bisher konnten die sinkenden Geldmengen den Aktienmärkten überraschenderweise nichts anhaben. Möglicherweise wurde dieser negative Effekt durch das BTFP aufgehoben. Sicher voraussagen kann es niemand. Das Datum sollte man aber auf jeden Fall im Kalender haben.